Die Fassade des Königsflügels samt Zeder wird von Donnerstag bis Sonntag abends künstlerisch illuminiert. Philipp Geist hat dafür auch Zitate des Dichters ausgewählt.
+
Die Fassade des Königsflügels samt Zeder wird von Donnerstag bis Sonntag abends künstlerisch illuminiert. Philipp Geist hat dafür auch Zitate des Dichters ausgewählt.

Spektakuläre Kunst-Installation

Bad Homburg: Eine Luminale eigens für den Dichter

  • Anke Hillebrecht
    VonAnke Hillebrecht
    schließen

Das Bad Homburger Schloss wird an vier Abenden zu einem romantischen Erlebnisraum. Für das Spektakel zum Abschluss des Hölderlin-Jahres sorgt ein renommierter Künstler.

Bad Homburg -Das Licht verabschiedet sich gerade von Bad Homburg und Umgebung. Das Schloss wird an den nächsten Abenden unter dem Titel "Wo bist, du, Licht!" (ein Zitat aus einem Gedicht Friedrich Hölderlins, siehe Textende) noch einmal in vielen Lichtern leuchten. Zum Abschluss des Jubiläumsjahres für den Dichter, der in Homburg wichtige Werke verfasste und vor 251 Jahren geboren wurde, wird der Lichtkünstler Philipp Geist Schloss und Schlosshof illuminieren.

Das Fragezeichen aus dem Original hat Geist durch ein Ausrufezeichen ersetzt. Er will Antworten geben. Der Künstler, Jahrgang 1976, kreiert seit 25 Jahren Installationen. Seit 2005 ist er Pionier in der jungen Kunstrichtung des Video-Mappings - Filme werden speziell für eine Architektur zugeschnitten. Er hat in Rio die Christus-Statue mit Gesichtern der Favela-Bewohner bespielt, den Königspalast in Bangkok, den Kölner Dom, venezianische Palazzi und zur Luminale 2018 den Frankfurter Römer, wo man sich die Speicherkarte vollknipste ob all der Variationen.

Jetzt macht er das Homburger Landgrafenschloss zum interaktiven Erlebnisraum - es gilt in der Hölderlin-Forschung als "authentischer Ort", da der Dichter hier eine Stelle als Hofbibliothekar hatte, dem Landgrafen sein Gedicht "Patmos" widmete, und seine berühmten Verse "Hälfte des Lebens" (jenes "heilignüchterne Wasser") sollen vom hiesigen Schlossteich inspiriert sein.

"Dies ist ein besonders schöner Ort", erklärt der Künstler und deutet auf den im herbstlichen Morgennebel liegenden Schlosshof. Eineinhalb Jahre musste er darauf warten, seine Scheinwerfer hier aufstellen zu können: erst wegen der Sanierung des Königsflügels - statt dessen wollte er da den Schlosspark samt Teich zum Erleuchten bringen, doch dann kam Corona. Nun aber steht dem Erlebnis nichts mehr im Wege; 700 Meter Kabel wurden bereits verlegt.

Die Installation wird drei Bereiche haben; die Besucher können und sollen sich locker von einem in den nächsten Erlebnisraum bewegen und wo sie möchten, verweilen.

Am längsten mag man vielleicht im Obergarten stehenbleiben: An der Königsflügel-Fassade mitsamt der, so Geist, "sensationellen" Zeder wird eine 21-minütige "Show" zu sehen sein. Man wird Zitate in Hölderlins Handschrift, aber nicht nur, sehen. Der Berliner Musiker Lukas Taido hat dazu Musik und Töne komponiert und lässt vier Sprecher Zitate des Dichters lesen.

Flüstern aus der Hecke, Nebel steigt vom Boden auf

Stiller, fast meditativ, wird es rund um die Orangerie werden. "Dort wird es vor allem um Hölderlins Liebesbeziehung mit Suzette Gontard gehen", erklärt Geist. Lautsprecher werden in den Hecken verteilt sein, "so dass es Passanten immer von irgendwoher flüstern hören werden, quasi als würden Liebensbriefe durch die Büsche gesteckt".

Pure Romantik auch im oberen Schlosshof: Der Weiße Turm wird figürlich angestrahlt, und vom Boden wird sich Nebel erheben. In diesen projiziert Philipp Geist Wörter, die mit dem Dichter zu assoziieren sind. Zu spüren sein werde dort "eine räumliche Situation", so Geist. 21 Minuten seien lang, aber das Thema sei so vielschichtig, erklärt der Künstler, der sich akribisch in das Werk des Dichters eingelesen hat.

Geist arbeitet mit Räumlichkeit, aber auch mit Abstraktion. Aufmerksame Betrachter werden auf jeder Ebene etwas erkennen. "Es ist ein Weg, Hölderlin für jeden deutbar zu machen", erklärt Nina Gerlach vom Stadtmarketing - das Groß-Kunstwerk wurde gemeinsam von der Stadt, den Staatlichen Schlössern und Gärten Hessen und mit Unterstützung des Kulturfonds Rhein-Main organisiert. Das Kunstwerk, so Gerlach, sei "ein Zugang, den auch Jüngere spannend finden".

Die Vernissage des Kunstwerks findet am Donnerstag von 20 Uhr an statt. Doch bis dahin probiere er noch Dinge aus, verrät Geist. Für den Geschmackssinn gibt es Eis von "Bella Gelato" und Vegetarisches "to go" von "Apfelkern & Kolibri", und auch der Brezelbursch wird da sein.

Bunte Abende von Donnerstag, 7., bis Sonntag, 10. Oktober

Philipp Geists Licht-Installation "Wo bist du, Licht!" ist vom morgigen Donnerstag bis einschließlich Sonntag - jeweils von 19.30 bis 23 Uhr - am Schloss zu erleben. Angestrahlt werden die Fassade an der Zeder, die Orangerie sowie der obere Schlosshof mit dem Weißen Turm. Der Eintritt ist frei, das Gelände frei zugänglich. Zugang nach 3G-Regeln ausschließlich über die Herrngasse. Bei Einlass werden die Kontaktdaten der Besucher erfasst, vorzugsweise mit der Luca-App.

Das Gedicht zum Motto

Wo bist Du, Jugendliches! das immer mich

Zur Stunde weckt des Morgens, wo bist Du, Licht?

Das Herz ist wach, doch hält und hemmt in

Heiligem Zauber die Nacht mich immer.

Sonst lauscht ich um die Dämmerung gern, sonst harrt'

Ich gerne Dein am Hügel, und nie umsonst!

Nie täuschten mich, Du Holdes! Deine Boten, die Lüfte, denn immer kamst Du,

Kamst allbeseligend den gewohnten Pfad

Herein in Deiner Schöne, wo bist Du Licht?

Das Herz ist wieder wach, doch bannt und

Hemmt die unendliche Nacht mich immer.

Aus dem Gedicht "Der blinde Sänger" von Friedrich Hölderlin

Von Anke Hillebrecht

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare