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Wo einst Stadtwerke und Betriebswohnungen hinkommen sollten, stellt sich der Magistrat jetzt eine Tennis- und eine Mehrzweckhalle vor. CDU und FDP sind dafür, SPD, Grüne und BLB wollen mehr Wohnungsbau.

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Bad Homburg: Es tut sich was am Dornholzhausener Ortseingang

  • Harald Konopatzki
    vonHarald Konopatzki
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Für den Ortseingang von Dornholzhausen gibt es große Pläne. Allen voran gibt es aber im Bad Homburger Stadtteil zwei Grundstücke, drei Möglichkeiten - und einen Dissens.

Am Ortseingang von Dornholzhausen soll sich was tun, auf dem alten Eli-Lilly-Areal stehen weitere weitreichende Änderungen an. Während in der südlichen, an der Dietrich-Bonhoeffer-Straße gelegenen Immobilie seniorengerechtes Wohnen ermöglicht wird (lesen Sie dazu den zweiten Text), gibt es auch Überlegungen für das Areal um das einstige Verwaltungsgebäudes der Peters-Pneu-Renova an der PPR-Kreuzung.

Der Vorschlag des Magistrats für die immerhin rund 6100 Quadratmeter große Fläche erhitzt die Gemüter in der Politik - auch wenn es in der aktuellen Sitzungsrunde formal nur darum geht, die Stadt zu ermächtigen, Gespräche über das Grundstück zu führen, das die Stadtwerke seinerzeit für 2,4 Millionen Euro erworben hatten.

Tennishalle oder Wohnungen?

Die Idee ist aber schon recht konkret ausformuliert: Der Tennis-Club Bad Homburg soll das Areal in Erbpacht übernehmen. Ziel des dann auf 99 Jahre zu schließenden Vertrags sei die Bebauung des Grundstücks mit einer "Tennishalle nebst Nebenräumen zur Nutzung für den Sommer und Winterspielbetrieb für den TC Bad Homburg, sowie mit einer Mehrzweckhalle für den Turnbetrieb des TV Dornholzhausen sowie Multifunktionsräume zur Nutzung für den Ortsbeirat und die Dornholzhäuser Vereine", heißt es in der Vorlage, die mehrheitlich - jeweils mit den Stimmen der Union - den Wirtschafts- und Finanzausschuss sowie den Hauptausschuss passierte, wo auch FDP-Vertreter Philipp Herbold zustimmte.

Grüne, BLB und auch der Koalitionspartner SPD können mit der Aussicht auf eine Tennishalle an dieser Stelle nichts anfangen. Zu verlockend ist die Aussicht, an dieser Stelle preisgünstigen Wohnraum zu schaffen. Mulitifunktionale Räumlichkeiten für den TV Dornholzhausen und andere Vereine seien hingegen nicht nur vorstellbar, sondern mit einer Wohnbebauung vereinbar. Und das Areal sei nunmal "eines der wenigen Grundstücke, auf dem sich bezahlbarer Wohnraum realisieren lässt", betonte Daniela Kraft (Grüne), und schob nach "Der Bedarf ist so hoch, dass es unverständlich wäre, das aus der Hand zu geben. Zur Einordnung: Das Grundstück an der ehemaligen Georg-Kerschensteiner-Schule, auf dem derzeit rund 50 Wohnungen entstehen, ist rund halb so groß wie das Areal in Dornholzhausen.

Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) und mit ihm die CDU argumentierten, dass eine Wohnbebauung an dieser Stelle planungsrechtlich nicht möglich sei. Das Areal sei Teil eines ausgewiesenen Mischgebiets - und Wohnbebauung sei eben bereits im südlichen Teil 2014 durch die dortigen Reihen- und Mehrfamilienhäuser geschaffen worden. Im Nachgang des Hauptausschusses erklärte Hetjes, dass es zwar prinzipiell auch die Möglichkeit gebe, den Bebauungsplan zu ändern - ebenso wie aktuell 200 Meter entfernt für ein anderes Relikt der Eli-Lilly-Zeit -, dies brauche jedoch Zeit.

Armin Johnert (BLB) erinnerte daran, dass schon das Bündnis beinahe an diesem Grundstück zerbrochen wäre und dort einst Personalwohnungen geplant waren. Diese seien auch jetzt nötig. "Ich habe oft angefragt, was mit dem Grundstück geschieht. Und jetzt auf einmal braucht es dringend eine Tennishalle?" Er wolle lieber das gegebene Versprechen von preiswertem Wohnraum einlösen. Letztlich wäre es sogar, so Johnert, "unsozial, der aktuellen Vorlage zuzustimmen."

Vereinsräume und Wohnungen ließen sich gut unter einen Hut bringen, warben Kraft und Beate Denfeld (SPD). "Da gibt es gute Architekten. Und wenn man sich auf die Suche macht, findet man auch fürs Tennis andere Flächen", so Denfeld, für die die gute Lage und optimale ÖPNV-Anbindung weitere Argumente für eine Wohnbebauung waren.

Vereinshaus als Verhandlungsmasse

Kraft vermutete in der Vorlage am Ende gar "ein Wahlgeschenk des Oberbürgermeisters an den Tennis-Club". Vergrätzt zeigte sie sich von einer Andeutung Hetjes, dass später auch über die Zukunft des gegenüberliegenden und in die Jahre gekommenen Vereinshauses diskutiert werden könne, wenn die neuen Mehrzweck-Räume fertiggestellt seien. Krafts Hinweis, dass dies im regionalen Grüngürtel liege und Wohnbebauung dort kaum genehmigungsfähig und anderslautende Behauptungen "unredlich" seien, konterte Hetjes: "Auch da hat sich vieles verändert", vieles sei mittlerweile möglich.

Unterstützung für die angedachten Gespräche kam von Peter Braun (PfB). "Es wird beides gebraucht - ich habe mich sowieso immer gefragt, wie Dornholzhausen ohne Halle zurechtkommt."

Auch wenn eine Entscheidung über die tatsächliche Bebauung erst in der nächsten Legislatur fallen wird, wie Hetjes und auch CDU-Fraktionschef Dr. Oliver Jedynak ("wir verkaufen das Grundstück doch jetzt nicht, es ist nicht so, dass der TC morgen anfängt, das Gelände zu bebauen") betonten: In der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am kommenden Donnerstag werden die Weichen gestellt, ob die Tennisspieler künftig weiter nach Eschborn zum Training müssen, wie Dornholzhausens Ortsvorsteher Hans-Peter Mayer (CDU) im Hauptausschuss bemängelte, oder Erzieherinnen und andere städtische Angestellte täglich aus dem Umland einpendeln müssen, weil sie in der Kurstadt keine bezahlbaren Wohnungen finden, worauf sich die Argumentation von SPD, Grünen und BLB zusammenfassen lässt. Von Harald konopatzki

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