Die neue Transparenz des Waldes: Blick vom Parkplatz Silberküppel gen Frankfurt. Während auf der Fläche im Vordergrund die toten Bäume weitgehend abgeräumt wurden, bleiben trockene Fichten im Waldstück rechts stehen, um den Buchen Halt zu geben.
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Die neue Transparenz des Waldes: Blick vom Parkplatz Silberküppel gen Frankfurt. Während auf der Fläche im Vordergrund die toten Bäume weitgehend abgeräumt wurden, bleiben trockene Fichten im Waldstück rechts stehen, um den Buchen Halt zu geben.

Wald leidet unter Trockenheit

Bad Homburg: Förster vertraut auf die Heilkraft der Natur

  • Anke Hillebrecht
    vonAnke Hillebrecht
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Drei extrem trockene Jahre und starker Schädlingsbefall haben Bad Homburgs Wald schwer zu schaffen gemacht. Der Ruf nach Aufforstung ist deutlich zu vernehmen - aber so einfach ist das nicht.

Bad Homburg -Der bewaldete Taunuskamm ist Geschichte. Wer gen Herzberg, Sandplacken oder Bleibiskopf schaut, sieht auf dem Grat nur noch einzelne hohe Nadelbäume, manche geneigt, einige komplett kahl. "Das sind Lärchen, die haben nicht so stark gelitten", sagt der Bad Homburger Stadtförster Günter Busch. Ihr Nadelkleid wird demnächst wieder wachsen. Viele gute Nachrichten gibt es trotz Frühling aus Homburgs Stadtwald nicht zu vermelden. Der 1274 Hektar große Forst hat drei extreme Trockenjahre hinter sich. Wer jetzt einen Frühlingsspaziergang, etwa zum Herzberg hinauf, unternimmt, sieht mehr Brachflächen denn je. Erschreckend große freie Flächen, die durch die etwa 5 Prozent zurückgelassenen Totholzes besonders wüst anmuten. Jene unterhalb des Wanderparkplatzes Silberküppel ist im vorigen Winter dazugekommen.

Über die Kapitulation der Fichte vor den Borkenkäfer-Massen wurde schon viel geschrieben; "sie war zuerst und am stärksten betroffen", so Busch. Doch auch die Buche leidet - und da sie in den hessischen Wäldern vorherrschend ist, fallen die Verluste besonders auf. Und auch andere Taunus-Bäume sind geschädigt, gehen ein: Eiche, Birke, Bergahorn, die Kiefer mit ihrer hohen Dreieckskrone und auch die Lärche.

"Die Wälder werden sich verändern", weiß Busch. "Unsere Enkel werden keine sehr hohen Bäume mehr kennen." Der Förster verweist auf Baumring-Analysen der Universität Cambridge: Sie ergaben, dass sich die Dürre im mitteleuropäischen Wald seit 2015 weit heftiger verschärft hat als in 2100 Jahren zuvor. Busch rechnet damit, dass weitere Jahre, in denen es viel zu wenig regnet, folgen werden.

Wie sie entgegensteuern sollen, wissen die Forst-Experten derzeit nicht. "Anders als der Waldbau der vergangenen 300 Jahre, der sich aus Erfahrung, Beobachtung und wissenschaftlicher Forschung entwickelt hat, stehen wir plötzlich vor neuen Herausforderungen ohne belastbares Wissen, wie die Wälder der Zukunft aussehen werden."

Die Deutschen und ihr Wald, das ist eine emotionale Beziehung, pure Romantik. Das spürt auch der Homburger Stadtförster. Oft wird er von Spaziergängern auf die Kahlflächen angesprochen, darf Vorschläge entgegennehmen. "Aktivismus" nennt Busch das. "Die Leute denken: Es ist Klimawandel, ich habe etwas kaputtgemacht und will etwas dafür tun, um es zu reparieren." Aufforsten zum Beispiel, oder bewässern. Doch so einfach ist es nicht.

Aufforsten sei im Prinzip eine schöne Sache - gerade haben Buschs Leute für die katholische Gemeinde St. Marien wieder etliche Bäumchen in die Erde gebracht. Die 2000 jungen Buchen, die Homburgs und Friedrichsdorfs Katholiken voriges Frühjahr zum Kirchenjubiläum gepflanzt haben, leben noch. Unauffällig, mit trockenem Laub, aber in Reihen harren die Mini-Bäumchen des Frühlings; die neuen Blätter sind schon kurz vor der Entfaltung.

Wind und Mäuse gegen die Sämlinge

In der Fläche aber wird nicht aufgeforstet. "Ich vertraue da auf die Heilkraft der Natur", so Busch. Bucheckern, Eicheln, Birkenpollen säen sich selbst aus, und schon entlang des Weges zum Herzberg sind auch im trockenen Wald etliche winzige Triebe zu sehen. Nicht alle werden überleben, manche aber schon. Ein gutes Beispiel für die natürliche Verjüngung des Waldes ist direkt oberhalb des Silberküppel-Parkplatzes zu sehen: Dort haben sich durch Windwurf Dutzende Sandbirken angesiedelt. Sie kommen, anders als Moorbirken, mit wenig Wasser aus.

Ganze Brachflächen mit einer Art neu zu bepflanzen ist laut Busch problematisch: Zum Einen wären die Sämlinge Wind und Sonne ausgesetzt, zum Anderen würden die meisten wohl weggefressen. Buschs Hündin Bea gräbt leidenschaftlich in der Erde: "Auf großen Kahlflächen vermehren sich Mäuse massenhaft", weiß der Förster. Die nagen unten an den neuen Bäumchen, weiter oben tun es Rehe, die man zumindest mit Verbissschutz daran hindern kann. Plastikhülsen wie in anderen Wäldern findet Busch nicht geeignet - optisch und auch weil immer mal eine Hülse in die Natur fliegt.

Und andere Arten anpflanzen, die besser mit den neuen klimatischen Bedingungen zurechtkommen? "Man kann Bäume aus anderen Regionen nicht umparken wie Autos", veranschaulicht Busch. Bereits vor zehn Jahren hat er Esskastanien angepflanzt - eine Art, die im Süden wächst. Ob sie bleibt, werde man aber erst nach Jahrzehnten wissen. Weitere geeignete Arten sind etwa Feldahorn, Winterlinde, Baumhasel.

Zumindest beim Holzpreis gibt es leichte Entspannung. Der war vor zwei Jahren wegen der Borkenkäfer-Kalamitäten "ins Bodenlose gefallen"; nun hat er sich leicht entspannt. Einige Waldbesitzer, deren Bestände weniger käfergeschädigt waren, haben nicht eingeschlagen. Das Holz fehlt jetzt, zumal das deutsche Holz in China und den USA gefragter denn je ist. Denn die Baubranche boomt trotz Pandemie - auch hierzulande. Und in Zeiten von Homeoffice wird auch mehr gewerkelt. von anke hillebrecht

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