Um 37,5 Prozent ist der Bodenrichtwert im Bereich der Tannenwaldallee in Bad Homburg seit 2016 gestiegen. Allein in den vergangenen Jahren stieg der aus den Kaufverträgen ermittelte Wert dort pro Quadratmeter von 1350 auf 1600 Euro.
+
Um 37,5 Prozent ist der Bodenrichtwert im Bereich der Tannenwaldallee in Bad Homburg seit 2016 gestiegen. Allein in den vergangenen Jahren stieg der aus den Kaufverträgen ermittelte Wert dort pro Quadratmeter von 1350 auf 1600 Euro.

Bodenrichtwerte ermittelt

Preise für Grundstücke in Bad Homburg steigen deutlich: Zuwachs von bis zu 40 Prozent

  • Harald Konopatzki
    vonHarald Konopatzki
    schließen

In ganz Bad Homburg steigen die Bodenrichtwerte. Sogar Grundstücke in weniger optimalen Lagen sind mittlerweile sehr gefragt.

Bad Homburg – Der Gutachterausschuss für Immobilienwerte für den Bereich der Stadt Bad Homburg (Hochtaunuskreis) hat die Bodenrichtwerte ermittelt, ein Prozess, der alle zwei Jahre ansteht. Grundlage sind die in dem Zeitraum geschlossenen Kaufverträge in bestimmten, klar definierten Bereichen.

Die Zahlen geben Aufschluss darüber, wie viel der Quadratmeter Grund und Boden wert ist. Die Richtwerte allein, der Name verrät es, sind zwar nicht verbindlich, geben aber Orientierung bezüglich des bei einem Verkaufs zu erzielenden Bodenpreises und zeigen im Vergleich zu den Vorjahren die Preis-Entwicklung für den jeweiligen Bereich auf.

Preise für Grundstücke in Bad Homburg kennen nur eine Richtung

Und diese Entwicklung kannte auch in Bad Homburg in den vergangenen Jahren nur eine Richtung: nach oben - mal mehr und mal weniger steil. Laut Stephan Schlocker vom Gutachterausschuss der Stadt, der in Vertretung des Vorsitzenden Stefan Wegfahrt gegenüber dieser Zeitung eine erste Einschätzung abgibt, ist der Preis in keiner der Zonen im Stadtgebiet gesunken, im Gegenteil. „Wir sehen einen sehr, sehr starken Anstieg in vielen Teilen Bad Homburgs“ - teilweise von 15 bis hin zu 30 Prozent und darüber.

In der Zone, die die Straßen Im Unteren Stichel und Im Oberen Stichel umfasst, stieg der durchschnittliche Bodenrichtwert etwa von 800 auf jetzt 1050 Euro pro Quadratmeter - über 31 Prozent. Eine der Zonen, in denen die Preise regelrecht galoppieren, ist das Umfeld der Tannenwaldallee und die westliche Berliner Siedlung. Von 2016 zu 2018 war der Bodenrichtwert schon um 13 Prozent auf 1350 Euro gestiegen, jetzt liegt der Wert je Quadratmeter bei 1650 Euro - ein erneutes Plus von 300 Euro, beziehungsweise 22 Prozent - das entspricht auf vier Jahre gesehen einem Anstieg von 37,5 Prozent.

Louisenstraße in Bad Homburg liegt jetzt bei 2100 Euro pro Quadratmeter

Ein anderes Beispiel: das Neubaugebiet Hühnerstein in Ober-Erlenbach, einem Stadtteil von Bad Homburg. Das ehemalige Feld war, in Ermangelung von bisherigen Werten, 2018 mit einem Schätzwert von 600 Euro je Quadratmeter als Wohngebiet in die Bodenrichtwertkarte eingeführt worden - jetzt sind es bereits 1000 Euro. In Dornholzhausen gibt es bei reinen Wohngebieten keine Zone mehr mit einem Bodenrichtwert von unter 1000 Euro. Und damit ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht: Weite Teile des Hardtwalds und des Bereichs Seedammweg / Ellerhöhweg liegen mittlerweile jenseits der 1500 Euro pro Quadratmeter. Letzteres weist mit 1750 Euro pro Quadratmeter den höchsten Richtwert für reine Wohngebiete auf - gefolgt von der unteren Louisenstraße (zwischen Ferdinandstraße und Kreisel), Kelten- und Teilen der Wilhelm-Meister-Straße mit 1700 Euro.

Gewerbe- und Mischflächen sind ebenfalls gefragt. Im Fußgängerzonen-Teil der Louisenstraße, der 2018 die Schallmauer von 2000 Euro je Quadratmeter durchbrochen hatte (2016: 1850 Euro), stieg der Wert jetzt auf 2100 Euro. Auch die alten Ortskerne legen zu. In Ober-Erlenbach liegt der Bodenrichtwert jetzt bei 650 Euro, in Ober-Eschbach bei 750 Euro. Das sind 100 beziehungsweise 150 Euro mehr als noch vor zwei Jahren. Der Kirdorfer Ortskern hat sogar von 600 auf 850 zugelegt - ein Plus von 41 Prozent.

Corona lässt Preise in Bad Homburg nicht zwangsläufig fallen

Dabei befinde sich Bad Homburg seit mittlerweile einer Dekade in einer Phase des konstanten Anstiegs. „Die Werte sind momentan exorbitant hoch - aber auch vor zehn Jahren waren sie schon für die damalige Zeit exorbitant hoch“, sagt Schlocker. Er warnt davor, wegen der Corona-Pandemie fallende Häuser- und Wohnungspreise zu prognostizieren. „Die Leute halten sich zwar momentan zurück und auch die Banken haben teilweise eine andere Risiko-Bewertung. Aber wir können noch nicht sagen, welche Folgen das mittelfristig hat. Es gibt noch keinen Trend.“ So gebe es auch Argumente, die für ein weiteres Anziehen der Preise sprächen. „Die Zinsen sind niedrig, die Nachfrage ist da - und es gibt einen gewissen Kapitaldruck.“ Heißt: Wer Geld hat, sucht nach Investitionsmöglichkeiten - und könnte die in Wohnimmobilien finden.

Die langfristige Entwicklung zeige, dass es sich bei Bad Homburg um eine "absolut präferierte und werthaltige Vordertaunus-Lage" handelt, so Schlocker.

Abrissgrundstücke in Bad Homburg sind attraktiv

Zum selben Schluss kommt man auch bei der Stadt. „Die Bodenwerte befinden sich in den Bereichen Wohnbauland und Mischgebiet auf einem vergleichsweise recht hohen Niveau. Dies liegt nicht zuletzt an der besonders attraktiven Lage Bad Homburgs mit optimaler Verkehrsanbindung an das überörtliche Straßennetz, der Nähe zum Frankfurter Flughafen, sowie an dem leistungsfähigen ÖPNV, einem gut ausgebauten Straßennetz und an einem insgesamt positiven Umfeld mit Kultur- und Sporteinrichtungen sowie dem Kurpark und viel Wald“, sagt Stadtsprecher Marc Kolbe.

Sehr gute und attraktive Lagen seien laut Stadt auch weiterhin sehr gefragt, „insbesondere wenn es bei bebauten Grundstücken durch Abriss von Altbestand aus den 1960er Jahren oder früher mit der Option eines Neubaus um größeren Wohnraum oder höhere beziehungsweise günstigere Ausnutzung geht“. Das Zauberwort heißt denn auch Nachverdichtung: Ein älteres Haus auf einem großen Grundstück weicht mehreren Neubauten - mit einer Teilung des Grundstücks lässt sich der eigene Neubau schon gut anfinanzieren. Kobe berichtet von einem weiteren Trend. „Die Nachfrage nach Bauland in einfachen und mittleren bis hin zu guten Lagen ist ebenfalls gestiegen und führt durchgehend zum Anstieg der Bodenpreise.“

Die hessischen Bodenrichtwerte sind im Internet kostenlos über das Landesportal mit der Adresse https://hvbg.hessen.de/immobilienwerte/boris-hessen abrufbar, in der Stadtplan-Ansicht auf der Seite www.bad-homburg.de gibt es die Werte für Bad Homburg. Eine Bodenrichtwertkarte in ausgedruckter Form gibt es bei der Stadt gegen eine Gebühr von 60 Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare