Ein Arzt nimmt per Wattestäbchen einen Abstrich für einen Corona-Test.
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Ein Arzt nimmt per Wattestäbchen einen Abstrich für einen Corona-Test. (Symbolbild)

Corona

Tests von Reiserückkehrern: Bad Homburger Hausärzte wenig begeistert

  • vonChristiane Paiement-Gensrich
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Gesunde Reise-Rückkehrer, die sich auf Covid-19 testen lassen wollen, werden oft gebeten, an den Flughafen auszuweichen.

  • Corona in Bad Homburg: Reiserückkehrer haben Probleme, Testmöglichkeiten zu finden.
  • Bad Homburg: Ärzte sind wenig begeistert, Urlauber aus Nichtrisikogebieten zu testen.
  • Kritik von Ärzten: Gesundheitsamt zuständig für Corona-Tests von Reiserückkehrern.

Bad Homburg – Die Ferien nähern sich ihrem Ende, die Urlauber kehren nach und nach zurück. Wer im Ausland war, kann sich seit dem 1. August kostenlos auf das Coronavirus SARS-CoV-2 testen lassen. Und zwar innerhalb von 72 Stunden nach der Rückkehr. Das gilt bei Ländern, die derzeit nicht als Risiko-Gebiet eingestuft sind. Wer aus einem Risikogebiet kommt, für den ist der Test Pflicht. Außerdem dürfen sich auch Menschen, die in einem deutschen Gebiet mit erhöhtem Infektionsrisiko waren, kostenlos testen lassen. Das alles steht in einer neuen Rechtsverordnung des Bundesgesundheitsministeriums. Wo sich die Reise-Rückkehrer melden sollen? Entweder beim Gesundheitsamt, bei einem Testcenter oder bei ihrem Hausarzt - soweit die Theorie.

Denn viele Hausärzte sind alles andere als begeistert von der Idee, dass sie jetzt Urlauber auf das Coronavirus testen sollen, die sich gesund fühlen. In dieser Zeit könne er sich nicht um kranke Menschen kümmern, sagt Christian Müller, Facharzt für Allgemein- und Notfallmedizin sowie Flug- und Reisemedizin mit Praxis am Marienbader Platz. Hinzu komme: "Rechnerisch müsste ich dafür auch noch Geld ausgeben." Die 15 Euro pro Reise-Rückkehrer-Test, die der Staat den Ärzten zahle, sei nur dann kostendeckend, wenn der Test von routinierten Arzthelferinnen durchgeführt würde. Sobald er als Arzt eingreife, lege er Geld drauf, erklärt Müller.

Corona in Bad Homburg: Test für Reiserückkehrer

Außerdem habe die Regierung zwar jetzt die kostenlosen Tests versprochen, aber noch nicht geregelt, wie das funktionieren solle. Er bitte die Urlauber daher derzeit, sich an die Test-Zentren an der Frankfurter Uniklinik, im Bürgerhospital oder am Flughafen zu wenden. Damit die Sache künftig besser organisiert werde, hat er Gespräche mit dem Landratsamt und dem Gesundheitsamt aufgenommen. Das Ziel: Die niedergelassenen Ärzte einerseits und die Behörde andererseits zu koordinieren, „damit diejenigen, die untersucht werden sollen auch zu dem kommen, was ihnen versprochen worden ist“.

Müller hat bereits vor einigen Monaten, in Kooperation mit dem Praxisnetz Hochtaunus, die Corona-Schwerpunktpraxis im Gluckensteinweg ins Leben gerufen. „Wir sind für die Behandlung von Menschen mit Symptomen zuständig. Das Gesundheitsamt ist verantwortlich für den Umgang mit der Epidemologie und der pandemischen Situation“, sagt er. Das erste Treffen mit der Behörde in Sachen Reiserückkehrer war gestern Nachmittag. Dabei seien viele gute Ideen zusammengetragen worden. „Ich bin optimistisch“, so Müller. Wenn jeder das tue, was er am besten könne, dann könne die Sache in größerem Maßstab funktionieren. Spruchreif sei aber jetzt noch nichts, Anfang nächster Woche sei ein weiteres Treffen geplant. „Und der Landrat hat selbstverständlich auch ein Wörtchen mitzureden.“

Corona in Bad Homburg: Zu viel Bürokratie für die Tests

Petra Hummel, Allgemeinmedizinerin aus der Ober-Eschbacher Straße in Bad Homburg und unter anderem Mitglied im beratenden Fachausschuss der Hausärzte bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), nennt die neue Rechtsverordnung „unselig“: Die Rückkehrer-Tests seien eigentlich Sache des öffentlichen Gesundheitsdienstes, sagt sie. Das Hauptproblem: Mit dem Abstrich sei es nicht getan, hinzu komme ein hoher Aufwand an Verwaltungsarbeit. Unter anderem müssten die Urlauber nachweisen, wohin sie gereist seien - etwa indem sie Flugtickets oder Hotelrechnungen vorlegen. Müller meint nun, es sei denkbar, dass solche Verwaltungsaufgaben von der Behörde übernommen würden. Im Moment sei jedoch alles neu und im Fluss. Auch, ob es bei den 14-täglichen freiwilligen Tests für Lehrer bleibe, sei, wie er meint, nicht sicher. „Jetzt, da doch Maskenpflicht wegen dem Coronavirus an Schulen gelten soll.“

Klar dagegen sei: „Reise-Rückkehrer aus Corona-Risikogebieten wie Katalonien und der Türkei teste ich natürlich bisher auch schon, damit hier keine Infektion eingeschleppt wird.“ Als Beispiel nennt Müller Deutsch-Türken, die Verwandte in der alten Heimat besucht haben, die womöglich noch dazu an Covid-19 erkrankt waren. Auch Reise-Rückkehrer, die zu Risikogruppen gehörten oder die mit schwer kranken Menschen in einem Haushalt lebten, teste er. Ebenso Patienten, die nach einer Reise Krankheits-Symptome zeigten.

Wer sich krank fühlt, wird getestet - Corona in Bad Homburg

Auch Dr. Daniela Walenzyk, Vorsitzende des Praxisnetzes Hochtaunus, schickt gesunde Reise-Rückkehrer, die sich testen lassen wollen, derzeit zum Flughafen, aus Kapazitätsgründen. Sechs Urlauber hätten sich bis Mittwoch bei ihr gemeldet. „Viele Ärzte sind noch in den Ferien“, erklärt sie. Aktuell vertrete sie vier Kollegen, deren Praxen noch geschlossen seien. Zudem arbeitet sie in der Corona-Schwerpunktpraxis mit. Wenn die Ferien vorbei und die meisten Ärzte wieder an Bord seien, könne sie aber auch gesunde Reise-Rückkehrer testen. „Wir versuchen, so gut wie möglich mit der Situation zurechtzukommen“, sagt die Internistin mit Hausarzt-Praxis in der Kisseleffstraße. Wer sich krank fühle, der werde selbstverständlich nach wie vor schon jetzt bei ihr getestet, fährt sie fort. 24 Stunden dauere es, bis ein Ergebnis da sei. Sorge bereite ihr die mit den kalten Monaten kommende Erkältungszeit. Dann seien die 15 Stühle im Wartezimmer oft alle besetzt. Derzeit stehen dort, um Abstand halten zu können, nur fünf Stühle.

Hummel von der Coronapraxis in Bad Homburg unterdessen betont: „Unsere Hauptaufgabe ist die Versorgung von erkrankten Menschen.“ Das sei auch die Position des Hausärzteverbandes und des Verbandes der deutschen Kinder- und Jugendärzte. Sie teste jedoch Reise-Rückkehrer ohne Symptome, wenn es ihre eigenen Patienten seien, oder Patienten der drei Ärzte, die sie derzeit wegen Urlaubs vertrete. Insgesamt 10 Personen seien das zwischen Montag und Donnerstag gewesen. Völlig ungeklärt sei übrigens, ob auch die Test-Kosten für Privatpatienten vom Staat übernommen würden. „Diese Klientel ist offenbar von der Politik vergessen worden.“ Allein 145 Euro pro Patient müssten daher jetzt privat für die Laborleistungen abgerechnet werden.

Wie sie potenzielle Corona-Patienten von anderen Patienten trennt? „Wir vergeben feste Termine. Und Rezepte reichen wir durchs Fenster.“ Außerdem könnten die Menschen bei schönem Wetter auch draußen warten. „Wir haben zwei Stühle im Schatten und zwei in der Sonne.“ In den Wartezimmern dürfe immer nur eine Person Platz nehmen. Sorge hat auch sie vor den Winter-Monaten. „Da müssen wir vielleicht mit einem Zeltpavillon arbeiten.“

Abstand und Alltagsmasken: Corona in Bad Homburg

Hummel versieht ebenfalls Dienste in der Corona-Schwerpunkt-Praxis in Bad Homburg. Was ihr besonders wichtig ist: „Es wäre schön, wenn sich wieder mehr niedergelassene Ärzte um ihre Patienten kümmern würden, auch wenn sie Symptome wie Schnupfen, Husten, Atemnot und Fieber haben.“ Das Argument, die Ärzte hätten keine Schutzkleidung, lässt sie, außer bei Kollegen, die selbst zur Risikogruppe gehören, nicht gelten. „Die Kleidung lässt sich über die KV beschaffen.“ Ein bisschen traurig finde sie, dass sogar Patienten, die einfach nur ihr übliches Heuschnupfen-Medikament brauchten, in die Corona-Schwerpunktpraxis geschickt worden seien. Und sogar ein Patient, der Herzrhythmusstörungen und dadurch Luftnot hatte. „Was er hatte, hätte man leicht durch Fragen eingrenzen können.“

Die Patienten bittet sie, die Termine einzuhalten und nicht früher oder unangemeldet aufzutauchen. Ganz wichtig sei es nach wie vor, die AHA-Regeln zu respektieren. Also Alltagsmaske gegen das Coronavirus tragen, Hände waschen und Abstand halten. „Diese Pandemie ist leider kein Spaß und auch junge Leute haben mitunter schwere Krankheits-Verläufe.“ Manche Covid-19-Patienten hätten Wochen nach ihrer Infektion noch Herz- und Lungenprobleme. Von Christiane Paiement-Gensrich

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