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Ein Mann blickt aus einem der nagelneuen Zimmer in der exklusiven oberen Etage im Boardinghouse.

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Die B&B-Hotelkette bringt kleinere Hotels in Bad Homburg in Existenznöte 

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Die beiden neuen Herbergen hinter dem Bahnhof können nach eigenen Angaben über Gästemangel nicht klagen. Nun wurden beide noch einmal erweitert – was so manchen alteingesessenen Hotelier in Existenznöte bringt.

Bad Homburg - 50 Meter vom Gleis ins Hotel – das ist eines der Argumente, mit denen das B&B-Hotel Kunden wirbt. Die vergleichsweise niedrigen Preise sind das andere, auch fühlen sich manche Gäste wohler, wenn es im Gebäude noch nach Farbe riecht. Und wer denkt, dass die Lage des Hotels zwischen Gleisen und Bürogebäuden weniger romantisch ist als die der Häuser am Kurpark, dem sei gesagt, dass gerade dies für manche ausschlaggebend ist.

„Wir haben viele Stammgäste, die meisten arbeiten in den umliegenden Firmen“, erläutert Andreas Schmücker, B&B-Manager in Bad Homburg. 75 Prozent kommen mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Seit 2014 steht das Hotel; viele Anfragen habe man zuletzt absagen müssen. Um die Nachfrage zu decken,hat Grundstückseigentümer Kolb & Partner das B&B-Hotel für rund 3 Millionen Euro um 30 Zimmer auf 117 erweitert.

Im benachbarten Boardinghouse wurden die Kapazitäten mehr als verdoppelt: Jetzt wurde der neue Anbau „Silver“ mit 60 weiteren möblierten Apartments eröffnet. „Wir waren schon vor der Eröffnung zu 70 Prozent ausgelastet“, sagt Jasmin Samiri, Prokuristin von „Livingroom“, der Betreibergesellschaft von bisher drei Boardinghäusern bei Frankfurt. Im bestehenden Teil „Gold“ des Homburger Boardinghouses gibt es bereits 40 Miniwohnungen. Der Bau des „Silver“ schlug mit rund 16 Millionen Euro zu Buche.

B&B Hotel: Wer sich ins Boardinghouse einmietet, lebt auf Zeit in Bad Homburg

Wer sich hier einmietet – übrigens zu gehobenen ortsüblichen Preisen –, lebt auf Zeit in der Kurstadt. Möchte keine Wohnung suchen, schätzt den Service und arbeitet in einem der Unternehmen, deren Gebäude er oft vom Balkon aus sehen kann. Die Person begleitet beispielsweise ein Projekt dort. „Oft wohnen die Leute erst im B&B-Hotel, und wird der Vertrag verlängert, ziehen sie rüber ins Boardinghouse“, so Schmücker.

In Homburgs Hotellerie brodelt es, seit der erste Spatenstich des B&B-Hotels erfolgt ist. Denn diese leidet schon unter dem Hotel-Bauboom in Frankfurt; zugleich sind die Zeiten vorbei, in denen Firmenmitarbeiter, die auf der Messe sind, von Sonntag bis Sonntag bleiben. Jetzt geht’s aus Spargründen meist Freitagabends heim.

Das Boardinghouse an der Horexstraße bietet Menschen, die mehrere Wochen in Bad Homburg sind, aber keine Wohnung beziehen wollen, eine bequeme Alternative.

Gerade Häuser, die günstige Zimmer anbieten, blicken neidisch auf die Preisliste des B&B-Hotels, das Zimmer ab 60 Euro anbietet. „Wir kleineren Hotels leiden darunter“, klagt Ingrun Hamel vom Hotel Molitor am Rotlaufweg nicht über ein zusätzliches Haus, sondern über die Tatsache, dass es ein „Kettenhotel“ sei – das ja ganz andere Preise anbieten könne. „Wir dagegen haben konstante Kosten.“

Kleinere Hotels in der Kurstadt leiden unter den neuen Hotels

Böte man Zimmer so preiswert an wie das B&B-Hotel, „würden wir uns unter Wert verkaufen“, so Hamel. Ein „Kettenhotel“ in der Stadt zuzulassen sei keine gute Idee von der Stadt gewesen. Doch auch die im Übrigen städtisch unterstützte Jugendherberge oder auch Pflegeeinrichtungen mit freien Zimmern „schnappen reichlich Messegäste weg“.

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Nicolas Morand, Leiter der „Villa Kisseleff“ am Kurpark und Sprecher des Hotellerie-Verbandes Dehoga für die Homburger Betriebe, bläst ins gleich Horn. Seine Kosten für Personal seien fix, so Morand, und die Butter koste mehr als früher. „Ich sehe mich nicht schwarzen Zahlen, sondern schwarzen Zeiten gegenüber.“ Die neue Konkurrenz sei „der Tod für kleine Häuser“. Morand ist besorgt, dass weitere alteingesessene Häuser schließen müssten – Morand denkt da etwa ans Haus „Johannisberg“ in der Thomasstraße. So mancher alteingesessene Homburger werde das bedauern.

Was sagen die großen Häuser zu B&B-Hotel und Boardinghouse?

Geschlossen ist derzeit auch das „Hotel Mystique“, ehemals „Haus Daheim“ in der Elisabethenstraße. „Wir hatten einen Wasserschaden, machen aber bald wieder auf“, erklärt der Besitzer. Die Gäste würden nicht mehr; Problem sei eher das „Überangebot in Frankfurt“ denn das B&B-Hotel. Doch er komme gut zurecht.

Und was sagen die großen Häuser? Das Maritim sieht sich „in der First-Class-Hotellerie angesiedelt“ und das B&B-Hotel laut PR-Direktorin Harriet Eversmeyer „eher als Marktbegleiter, nicht als Konkurrenz“ an. Das Steigenberger wollte sich nicht zum Thema äußern. Ohnehin haben beide Häuser in den vergangenen Jahren renoviert.

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