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Einige Passanten in der Louisenstraße tragen bereits heute Mundschutz oder Gesichtsmasken. Von Freitag an müssen laut Verordnung alle Besucher der Flaniermeile zwischen Haingasse und Ferdinandstraße eine Maske über Mund und Nase tragen. Foto: JP

Maskierte Einkäufer

Übers Ziel hinausgeschossen? Bad Homburg rudert bei Maskenpflicht zurück

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Bad Homburg hatte die strengste Maskenpflicht in ganz Hessen verordnet. Jetzt rudert die Stadt zurück - aus gutem Grund. 

  • In Hessen gilt zur Eindämmung der Corona-Pandemie* ab 27. April 2020 eine Maskenpflicht in Geschäften, Bussen und Bahnen 
  • Wiedereröffnung vieler Geschäfte sorgt für belebte Einkaufsstraßen 
  • Bad Homburg wollte eine strengere Maskenpflicht einführen – rudert nun aber zurück
  • Update vom Freitag, 24.04.2020, 11.21 Uhr: Die am Mittwoch (22.04.2020) kurzfristig angeordnete Maskenpflicht für Bad Homburg nicht nur in Bussen und Geschäften, sondern auch in der Fußgängerzone wird es nun doch nicht geben. 

    Gestern ruderte die Stadt Bad Homburg zurück und wandelte die Maskenpflicht für die Louisenstraße in ein Maskengebot um. „Hintergrund sind Rückmeldungen sowohl aus der Bevölkerung als auch aus der Politik“, heißt es in einer Mitteilung. 

    Bad Homburg: Viele lehnen Maskenpflicht in der Fußgängerzone ab

    Die Reaktionen hätten gezeigt, dass sich viele Bürger einen größtmöglichen Schutz vor dem Coronavirus wünschen, erläutert  Bad Homburgs OB Alexander Hetjes (CDU). Allerdings gäbe es auch eine große Gruppe, die eine Maskenpflicht mit Verweis auf ihre Grundrechte vehement ablehne. Auch in der politischen Opposition hatte sich Kritik geregt. 

    „Die Stadt schreibt das Tragen der Masken nicht vor, sie empfiehlt es dringend“, so Hetjes. Das Maskengebot solle das Bewusstsein schärfen, dass alle die Aufgabe haben, sich und andere zu schützen. „Dieses Ziel hat auch der Krisenstab verfolgt, als er sich für die Maskenpflicht für die Louisenstraße zwischen Haingasse und Ferdinandstraße ausgesprochen hat“, erklärt der Rathauschef.

    Maskenpflicht in Bad Homburg: Stadt verteilt Mund-Nasen-Schals

    Nach Wiedereröffnung vieler Geschäfte am Montag seien wieder mehr Passanten auf der Louisenstraße in Bad Homburg unterwegs. „Der Mindestabstand von 1,50 Metern ist dort nur schwer einzuhalten“, teilt die Stadt mit. Das allerdings sei dringend nötig – auch wenn man Speisen und Getränken in der City konsumiere, was weiterhin möglich sei. 

    Die Umwandlung der Maskenpflicht in ein Gebot hat auch einen praktischen Grund: Aufgrund von Lieferengpässen zieht sich die Verteilung der Mund-Nasen-Schals an alle Bad Homburger hin: Erst Ende Mai sollen die letzten Schals übergeben sein. Auch werden am Freitag (24.04.2020) noch nicht alle per Brief eine OP-Maske zugestellt bekommen haben.

    Bad Homburg: Maskenpflicht in der Fußgängerzone 

    Erstmeldung vom Donnerstag, 23.04.2020, 09.38 Uhr: Bad Homburg - Die hessische Landesregierung hat eine Maskenpflicht erlassen für all jene, die den öffentlichen Personennahverkehr nutzen oder den Publikumsbereich von Geschäften, Banken und Postfilialen - Homburg geht noch einen Schritt weiter. Die Stadt erlässt auch eine Maskenpflicht für den öffentlichen Raum der Fußgängerzone in der Louisenstraße. Grundlage ist eine Allgemeinverfügung, die von Freitag, 24. April, an für den Bereich zwischen Haingasse und Ferdinandstraße gelten soll.

    Bad Homburg führt Maskenpflicht ein - in Geschäften aber auch der Lousienstraße 

    Anlass seien steigende Passantenzahlen nach der Wiedereröffnung vieler Geschäfte am vergangenen Montag. "Die Louisenstraße ist vergleichbar mit einem gut frequentierten Einkaufszentrum. Wir haben in den vergangenen Tagen beobachtet, dass wieder viele Menschen unterwegs sind und der Mindestabstand von 1,50 Metern oft nicht eingehalten wird - und manchmal auch nur schwer einzuhalten ist", begründet Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) die Entscheidung. In den Geschäften selbst herrscht nach dem Beschluss des Landes Hessen künftig eine Maskenpflicht. Außerdem darf sich nur eine begrenzte Zahl von Personen in den Räumen aufhalten. "Es ergibt keinen Sinn, die Maske in einem Geschäft zu tragen und sie abzunehmen, wenn man wieder auf die belebte Fußgängerzone tritt", sagt Hetjes. Laut OB konnte die Stadt auch beobachten, dass der Bad Homburger Einzelhandel die Vorgaben des Landes in den Geschäften meist vorbildlich und teilweise sogar strenger als gefordert umsetzt.

    Auch auf Louisenstraße: Bad Homburg führt Maskenpflicht ein

    Bei der Entscheidung des Krisenstabs der Stadt spielte die Breite der Louisenstraße eine Rolle. Auf mehreren Plätzen findet zudem dienstags und freitags Markt statt. Nicht zuletzt war wichtig, dass nach den Lockerungen für den Einzelhandel die Zahl der Menschen im öffentlichen Bereich wieder steigt. Die Abstandsregeln seien daher um zusätzliche sinnvolle Maßnahmen zu ergänzen, um einen möglichst guten Schutz vor Infektion zu bieten. Ziel bleibe, die Ausbreitung des Coronavirus so weit wie möglich zu unterbinden.

    Der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft, Eberhard Schmidt-Gronenberg, glaubt zwar nicht, dass die Kundenfrequenz in absehbarer Zeit so hoch sein wird, dass auf der Louisenstraße nicht mehr genügend Platz sein wird, um in 1,50 Metern Abstand aneinander vorbeizugehen. Der Montag nach der Wiedereröffnung sei zwar im Vergleich zu einem ähnlichen Apriltag des Vorjahres um 50 Prozent stärker belebt gewesen. "Das war aber vermutlich nur der Effekt, dass die Leute wieder einkaufen gehen können und ein bisschen ausgehungert waren."

    Maskenpflicht in Bad Homburg: In Geschäften und auf der Louisenstraße

    Andererseits "ist es vielleicht ganz gut für den Gewöhnungseffekt, wenn die Leute auch schon auf der Louisenstraße eine Maske tragen", sagt Schmidt-Gronenberg. Und die Händler könnten dann eben auch sicher sein, dass die Kundschaft in jedem Fall eine Maske hätte. "Bislang sehe ich nämlich nicht allzu viele Leute mit Maske in die Geschäfte kommen."

    Schmidt-Gronenberg fragt sich auch, was von Freitag an mit den Bettlern, die vor so manchem Geschäft in der Fußgängerzone säßen, passiere. "Dürfen die nur noch da sitzen, wenn sie einen Mundschutz haben?" Das ist in der Tat so. Und deswegen wird Stadträtin und Sozialdezernentin Lucia Lewalter-Schoor (SPD) am Freitag auch zu den bettelnden Menschen in der Louisenstraße gehen und sie mit Masken ausstatten. Auch die Mitarbeiter des Ordnungsamtes hätten künftig immer Masken dabei, die sie ausgeben könnten. Stadtsprecher Marc Kolbe sagt: "Es wird keiner aus der Stadt vertrieben, bloß weil er keine Maske hat." 

    Von Sabine Münstermann


    Auch in Seligenstadt müssen sich Verkäufer und Kunden an die neue Maskenpflicht gewöhnen*. So funktioniert die neue Corona-Maßnahme bisher. 

    *fnp.de und op-online.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks

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