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Auf dem Brachgelände neben der Humboldtschule soll preisgünstiger Mietwohnraum entstehen. Archivfoto: Reichwein

Bezahlbar soll's sein

Wohngebiet auf altem Klinik-Areal: In zwei Jahren geht's los

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Die Planung fürs künftige Wohngebiet auf dem alten Klinik-Areal ist einen Schritt weiter. Das Stadtparlament hat die mit dem Kreis besprochenen Nachbesserungen beschlossen. Jetzt ist der Kreis am Zug.

Bad Homburg - Noch ein Jahr, dann soll das alte Krankenhaus an der Urseler Straße verschwunden sein. Auf dem Gelände zwischen Taunusstraße und Jacobistraße sollen 270 Wohneinheiten und eine Kita mit 100 Plätzen entstehen. Das städtebauliche Konzept hatte das Bad Homburger Stadtparlament bereits im November 2017 beschlossen. 

Ein gutes Jahr später haben Stadt und Hochtaunuskreis einige Punkte nachverhandelt. Am Donnerstagabend nun wurde dieser Nachtrag zu den öffentlich-rechtlichen Verträgen vom Homburger Parlament bei zwei Enthaltungen (AfD, Rep) und gegen die Stimmen von Grünen und BLB beschlossen.

Wohngebiet in Bad Homburg: Es sollen Reihen- und Stadthäuser entstehen

Jetzt kann der Kreis, dem das Areal gehört, die Ausschreibung in die Wege leiten und es an einen Investor verkaufen. Verschiedene Gebäudetypen sollen dort entstehen: Reihen- und Stadthäuser für je eine Familie sowie an den Grundstücksrändern Mehrfamilienhäuser mit vier Etagen plus Staffelgeschoss. Sechs Stockwerke dürfen es in zwei Gebäuden am Hessenring und der Urseler Straße sein. Entlang der Taunusstraße sind sieben quadratische Gebäude mit vier Etagen und dort je einer Wohnpartei geplant.

20 Prozent der 270 Domizile sollen „bezahlbarer Wohnbau“ sein. Das sind bei insgesamt 40 000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche (BGF, also verteilt auf verschiedene Stockwerke) 8000 Quadratmeter. Die Kaltmiete soll 15 bis 20 Prozent unterhalb der ortsüblichen Miete liegen und somit zum Beispiel auch für eine Krankenschwester erschwinglich sein.

Bezahlbarer Wohnraum soll in Bad Homburg dazugehören

4800 der 8000 Quadratmeter bezahlbarer Wohnraum sollen auf dem Gelände der ehemaligen Georg-Kerschensteiner-Schule (GKS) entstehen, das zum künftigen Wohngebiet dazugehören wird. Dort entsteht bereits die neue Sporthalle der Humboldtschule. Daneben soll eine vom Kreis beauftragte gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft entsprechende Gebäude errichten und die genossenschaftlichen Wohnungen vermieten. Pläne hierfür gibt es noch nicht. Die restlichen 3200 Quadratmeter bezahlbarer Wohnraum werden auf dem Klinik-Gelände – vermutlich in der Randbebauung – untergebracht.

In den Ausschüssen hatten die Fraktionen von Grünen und BLB noch für den modifizierten „Mega-Deal“ gestimmt – so hieß das einstige Vertragskonstrukt aus dem Jahr 2015, das noch weitere städtische Liegenschaften berührt. Doch im Stadtparlament votierten sie dagegen. 

„Es ist nicht mehr der Mega-Deal, auf den wir stolz waren“, sagte BLB-Fraktionschef Armin Johnert. Er befürchtet eine Spaltung in „Besserverdienende“ auf dem Klinik-Gelände und jene, die nicht so viel ausgeben können und auf dem GKS-Gelände wohnen. Auch die „sechsstöckigen Bunker“ oder „Sozialwohnungshochhäuser“ gefallen der BLB nicht.

Bad Homburg: Krankenhausgelände wird Wohngebiet

Die Grünen hätten die bezahlbaren Domizile ebenfalls lieber „vernünftig und verträglich integriert“, wie die Fraktionsvorsitzende Daniela Kraft sagte. Sie sieht zudem mehr Nach- als Vorteile darin, dass die Stadt die geplante Kita auf dem Klinik-Gelände selbst bauen oder bauen lassen will. Auch Johnert befürchtet, dass es dauern könnte, bis die Kita steht, wenn die Stadt die Planung selbst übernimmt.

OB Alexander Hetjes (CDU) verteidigte den vorliegenden Kontrakt. Da auch 3200 Quadratmeter bezahlbarer Wohnraum auf dem Klinik-Gelände entstünden, sei das Gebiet „gut durchmischt“. Und auch auf dem GKS-Areal sei keine Ghettoisierung zu erwarten, denn Wohnungsbaugesellschaften achteten auf eine „gute Durchmischung“. 

„Wir haben sehr gut verhandelt“, sagte Hetjes – zumal der Kreis der Stadt die für die Kita benötigten 1700 Quadratmeter unentgeltlich überlässt. Hetjes: „Die bekommen wir geschenkt!“

Auch die SPD-Fraktionsvorsitzende Elke Barth verteidigte den Deal. Die Durchmischung sei gut und die Realisierung nahe. „In zwei Jahren werden hier die Kräne stehen“, sagte sie. Auf dem GKS-Gelände werde früher etwas passieren als auf dem Vickers-Gelände. „Da zackern wir schon seit zehn Jahren herum, das ist ein Armutszeugnis für uns“, so Barth. Und Johnert solle aufhören, mit Begriffen wie „Sozialwohnungshaus“ Ängste zu schüren.

Nun, da der Nachtrag beschlossen ist, könnte sich in absehbarer Zeit tatsächlich etwas verändern auf dem Krankenhaus-Gelände. Bereits Ende dieses Jahres könnte die Vergabe an den Investor beginnen. Dieser soll auch den Klinik-Abriss vornehmen.

Wird das "Haus Berlin" abgerissen?

Teil der Vereinbarung ist, dass die Stadt das „Haus Berlin“ – das Hochhaus an der Ecke Hessenring/Taunusstraße – sowie die Häuser „Pommern“ und „Schlesien“ – die ehemaligen Schwesternhäuser am Hessenring – vorerst weiter nutzen darf. Dort wohnen Flüchtlinge.

Das „Haus Berlin“ hat die Stadt in den vergangenen Jahren aufwendig zu diesem Zweck umbauen lassen. Es wird bis mindestens Ende 2021 als Wohnhaus genutzt. Das städtebauliche Konzept sieht in einem zweiten Bauabschnitt vor, dass das Hochhaus verschwindet (siehe Grafik). Ebenso die Schwesternhäuser, die noch bis Ende 2022 von der Stadt genutzt werden. Anschließend ist laut Kreisverwaltung ein Abriss der Häuser möglich – aber Sache des Investors.

Die Baustelle mitten in der Fußgängerzone in Bad Homburg nimmt Gestalt an.

Auch dort entstehen Wohnungen. 

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