Beyza Rodoslu hat das Anti-Mobbing-Netzwerk Bad Homburg gegründet.
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Beyza Rodoslu hat das Anti-Mobbing-Netzwerk Bad Homburg gegründet.

Anlaufstelle

Bad Homburg: Hilfe für Kinder, die Mobbing erfahren

  • vonKatja Schuricht
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Beyza Rodoslu gründet in Bad Homburg einen Verein für Kinder, die gemobbt werden. Er soll helfen, Tabus zu brechen.

Bad Homburg -Beyza Rodoslu erinnert sich noch gut an den Satz, den sie bei ihrem ersten Treffen mit Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) gesagt hat: "Egal, wie viel Aufwand es wird: Wenn wir mit unserer Arbeit nur ein einziges Kind vor dem Suizid retten, ist es das alles wert. Denn mit Suizid kann Mobbing im schlimmsten Fall enden." Für die Bad Homburgerin ist der Kampf gegen Mobbing eine Herzensangelegenheit: "Ich wollte unbedingt eine Initiative gegen Mobbing starten, denn obwohl Mobbing überall unter Kindern und Jugendlichen vorkommt, gibt es in unserer Region für betroffene Kinder, Jugendliche und deren Eltern keine Anlaufstelle", so ihre Erfahrung. Und noch etwas ist für sie entscheidend: "Wir holen Mobbing aus der Tabuzone heraus."

Nach ihrem Gespräch mit OB Hetjes ging Rodoslu glücklich nach Hause. "Ich hatte ja vor dem Gespräch gedacht, wage ich es mal, mich mit meinem Plan an den Oberbürgermeister zu wenden. Mehr als Nein kann er ja nicht sagen", erinnert sie sich. Doch die Sorge war unbegründet: Bei Hetjes rannte die 42-Jährige offene Türen ein. "Er war von meiner Idee, ein Anti-Mobbing-Netzwerk für Bad Homburg zu gründen, begeistert", berichtet Rodoslu.

Oberbürgermeister ist Schirmherr

Hetjes habe sich sogar bereit erklärt, Schirmherr zu werden. Inzwischen ist das Netzwerk gegründet und sogar ein eingetragener Verein.

Mobbing, egal, ob in Form von körperlicher oder verbaler Gewalt - oder auch in Form von Manipulation oder Rufschädigung -, gibt es überall, an jeder Schule. Dazu gehört auch indirektes Mobbing durch Ausgrenzung aus dem Klassenverband. "Die Frage ist, wie man darauf reagiert und damit umgeht", berichtet Rodoslu. Hinzu kommt das Problem des Cybermobbings, das Mobbing in den sozialen Medien, das sich vor allem jetzt in den Zeiten in der Corona-Pandemie verstärkt, wie aktuelle Studien belegen. "Kleine Gemeinheiten, große Schikanen oder gezielte Demütigungen - Mobbing hat viele Gesichter", schreibt Hetjes auf der Homepage des Vereins. "Unabhängig von der Art des Mobbings ist es für die Opfer schwer, sich dagegen zu wehren. Für die Betroffenen wird so nicht nur der alltägliche Gang ins Büro oder in die Schule zum Alptraum, auch die Gesundheit leidet unter den Folgen des Mobbings." Ein unerträglicher Gedanke, wie der OB findet.

"Was allen Mobbing-Opfern gemein ist: Sie fühlen sich häufig hilflos, ohnmächtig und allein gelassen. Deshalb freue ich mich sehr über die ehrenamtliche Initiative von Beyza Rodoslu und unterstütze ihre Arbeit nur allzu gerne", so Hetjes.

Ihr Netzwerk soll vor allem eines sein: Eine Anlaufstelle für Betroffene. "Wir bieten Hilfe an und machen uns für Intervention und Prävention stark", so Rodoslu. "Denn ich selbst habe einen Mobbingfall begleitet und gemerkt, wie schwierig es ist, Informationen zu bekommen."

An ihrer Seite hatte sie bei der Gründung des Anti-Mobbing-Neztwerks auch eine gute Freundin, Astrid Frank. "Astrid ist eine wertvolle Begleiterin", sagt Rodoslu. "Sie hat ein Buch über Mobbing geschrieben, es heißt ,Unsichtbare Wunden'", erläutert Rodoslu. Sie und ihr Mitstreiter verstehen sich als Netzwerker, die als erste Anlaufstelle ein Bindeglied sein wollen zwischen Schulen, Lehrern, Betroffenen und Organisationen. "Wir helfen Lehrern bei der Realisierung von individuellen Projekten zum Thema Mobbing, Cybermobbing und Medienkompetenz", schildert die Vorsitzende, die derzeit eine Ausbildung zur Mediatorin in Erziehung und Bildung macht. Die Betroffene begleitet das Anti-Mobbing-Netzwerk dann natürlich beim Finden von Lösungen. "Dazu kooperieren wir mit Experten und Institutionen wie dem Weißen Ring oder dem Diakonischen Werk Hochtaunus."

Wer das Netzwerk gegen Mobbing mit seiner Präventionsarbeit unterstützen möchte, kann das mit einer Mitgliedschaft tun, auch über Spenden freut sich der frisch gegründete Verein. "Die Spenden und Mitgliedsbeiträge ermöglichen es uns, unsere Lehrer mit Unterrichtsmaterialien, die wir selbst einkaufen müssen, auszustatten", informiert die Vorsitzende. "Wir können somit Klassenprojekte, die der Prävention dienen, ermöglichen, wenn die Schulen hierfür kein Budget zur Verfügung stellen können." Dadurch können Lehrer, unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten der eigenen Schule oder der Eltern, Präventionsarbeit im Klassenverband leisten.

"Auch Veranstaltungen, wie unsere für September 2021 geplante Aufklärungsveranstaltung ,Mobbing - Schau' hin', realisieren wir durch solche Spenden", erzählt sie. "Denn mir war es ein großes Anliegen, dass keine Eintrittsgelder hierfür notwendig werden." Jeder Bürger aus Bad Homburg und Umgebung sollte die Möglichkeit haben, sich zu informieren und Hilfe zu bekommen. "Eine derartige Veranstaltung gab es noch nie in Bad Homburg."

Von Katja Schuricht

Respekt, Toleranz und Courage: Nach diesen drei Grundsätzen handelt und hilft das neu gegründete Anti-Mobbing-Netzwerk Bad Homburg. "Respekt sich selbst gegenüber ist ebenso wichtig wie der Respekt, mit dem man auch anderen begegnen sollte", sagt Gründerin und Vorsitzende Beyza Rodoslu. Es sei niemals in Ordnung, so Rodoslu, jemanden wegen seines sozialen oder wirtschaftlichen Status, seiner körperlichen oder geistigen Fähigkeiten, Zugehörigkeit zu einer Religion, Abstammung oder anderem abzuwerten und anzugreifen. "Die Wahrheit ist in Wirklichkeit oft nur eine Perspektive, aus der wir die Dinge betrachten." Der zweite Grundsatz, Toleranz, beinhaltet einen Gedanken, der in unserem Handeln selbstverständlich sein sollte: "Wenn andere unsere Wege kreuzen, sollten wir unserem Gegenüber mit Toleranz begegnen. Denn nur so können auch wir Toleranz erwarten." Entscheidend sei auch Mut. "Angst ist ein Gefühl - Courage eine Entscheidung", betont Rodoslu. "Courage schließt die Angst nicht aus. Aber sie bewirkt, dass wir bereit sind, sie zu überwinden, um das Richtige zu tun." Das Anti-Mobbing-Netzwerk ist per E-Mail an mail@anti-mobbing-netzwerk.de zu erreichen

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