Die Feuerwehr saugte das Wasser aus den Kellern der Altstadt-Häuser ab.
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Die Feuerwehr saugte das Wasser aus den Kellern der Altstadt-Häuser ab.

Hochwasser in Bad Homburg

Schöne Bescherung: Hochwasser in der Altstadt

  • Anke Hillebrecht
    vonAnke Hillebrecht
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Ursache für das Hochwasser ist eine Störung in der Kanalisation - Die Feuerwehr ist mit Saugwagen und Tauchpumpen im Einsatz.

Bad Homburg – Petra Kühl wollte am Mittwochmorgen (23.12.2020) gerade ihre Einkäufe in den Keller räumen, da sah sie die Bescherung: Im Vorratskeller ihres Hauses Hinter den Rahmen stand das Wasser etwa einen Meter hoch. Schnell wurde klar, dass die Nachbarn dasselbe Problem hatten. „Die Feuerwehr sagte, es sei wie beim Adventskalender: Gerade hätten sie das 23. Türchen geöffnet“, erzählt die Homburgerin, auch Vorsitzende des Erlöser-Kirchenvorstands, mit Galgenhumor.

Bis zum Mittag hatten sich 25 Familien bei der Feuerwehr gemeldet. Diese sei fünf Minuten nach dem Alarm um 8.05 Uhr in der Altstadt gewesen, berichtet Daniel Guischard, Leiter der Homburger Wehr. Ein paar Anwohner mussten noch rausgeklingelt werden, damit die großen Fahrzeuge - der Saugwagen des Betriebshofs etwa - durch die Gassen passten.

Rund 40 Brandbekämpfer sind mit Tauchpumpen und Wassersaugern zugange. Auch ein Löschzug der Freiwilligen Feuerwehr Ober-Erlenbach sowie ein Teil des Sondereinsatzzuges der Wehr sind im Einsatz. Ursache des Hochwassers war laut Guischard eine Störung in der Entwässerung des betroffenen Gebiets. „Die Kanalisation hat hier ihren Tiefpunkt“, so der Feuerwehrchef. Und wenn es an einer Stelle stockt, sammelt sich hier als Erstes das Abwasser - das nun noch seit mehreren Stunden Regenwasser aufgenommen hat.

Hochwasser in der Altstadt von Bad Homburg: Bypass für die Wassermassen

Normalerweise soll überschüssiges Wasser in ein Überlaufbecken unter der Tenniswiese im Schlosspark laufen. Dieses sollte sich automatisch öffnen. Die Fachleute vermuteten gestern, dass der Schieber defekt war. Daher steckten die Mitarbeiter der Stadtentwässerung im Laufe des Tages verschiedene Kanäle um, um einen „Bypass“ für die Wassermassen zu schaffen, veranschaulichte Guischard.

Eine personalintensive Aktion für die städtischen Einsatzkräfte, so einen Tag vor Heiligabend. Für die betroffenen Familien in der Altstadt war es aber ein Desaster. „Unsere ganzen Vorräte sind dahin“, erzählt Petra Kühl. Ans Rotkraut im Vorratskeller kommt sie vorerst nicht dran. Die Frage ist auch, was von den Vorräten noch essbar sei, nachdem es teilweise in Abwasser eingeweicht wurde.

Hochwasser in Bad Homburg: Die meisten Vorräte in den Kellern sind nicht mehr brauchbar.

Hochwasser in Bad Homburg: „Besonders ruhiges Weihnachten“

„Die Einsatzkräfte haben uns gesagt, wir sollen nichts ausräumen, sondern warten, bis das Wasser abgelaufen ist“, so die Homburgerin. Klar ist ihr auch, dass der gesamte Inhalt ihres Tiefkühl-Geräts, das ebenfalls im Keller steht, futsch ist. Und nicht nur lagerten im Keller zudem die Wandersachen, sondern auch noch die Weihnachtsdekoration und die Krippe, die die Familie jetzt zum Heiligabend erst hinauf holen wollte.

„Es wird also ein besonders ruhiges Weihnachten“, meint Petra Kühl - noch zusätzlich zu den Corona-Sorgen. Zumindest die Gans hat überlebt; die hat Petra Kühl zum Glück gestern früh erst frisch geholt. „Aber nach dem Fest haben wir dann genug Zeit, um uns um die Bescherung im Keller zu kümmern.“ (Von Anke Hillebrecht)

Im Keller der Familie Kühl stand das Wasser gestern früh einen Meter hoch.

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