Schriftsteller Marcel Beyer, hier ein Foto aus dem Jahr 2015, als er in Bremen mit dem Bremer Literaturpreis für seinen Gedichtband "Graphit" ausgezeichnet wurde, ist der Hölderlinpreisträger 2021.
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Schriftsteller Marcel Beyer, hier ein Foto aus dem Jahr 2015, als er in Bremen mit dem Bremer Literaturpreis für seinen Gedichtband "Graphit" ausgezeichnet wurde, ist der Hölderlinpreisträger 2021.

Literatur-Auszeichnung

Bad Homburg: Marcel Beyer erhält Hölderlin-Preis 2021

Auszeichnung der Stadt Bad Homburg geht an einen Schriftsteller, der durch seine literarische Vielfalt beeindruckt. Die Jury lobt Marcel Beyer mit den Worten: "Er erzählt die Welt auf ungeahnte Weise."

Bad Homburg -Der Schriftsteller Marcel Beyer wird für sein schriftstellerisches Gesamtwerk mit dem Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg (Stiftung Cläre Janssen) ausgezeichnet. Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) wird die mit 20 000 Euro dotierte Auszeichnung am Sonntag, 13. Juni 2021, in der Schlosskirche überreichen. Den mit 7500 Euro dotierten Förderpreis erhält Joshua Groß für seinen Roman "Flexen in Miami".

Marcel Beyer wurde am 23. November 1965 in Tailfingen/Württemberg geboren und studierte Germanistik, Anglistik und Allgemeine Literaturwissenschaft in Siegen. Seit 1985 veröffentlicht er in verschiedenen Publikationen Essays, Literaturkritiken sowie editorische, literarische und journalistische Arbeiten. Zudem arbeitet er an Übersetzungen aus dem Englischen und ins Englische. Außerdem initiiert Beyer regelmäßig Projekte, so zum Beispiel seit 1987 mit dem Kölner Dichter Norbert Hummelt unter dem Namen Postmodern Talking.

1998 arbeitet er gemeinsam mit Katrin Achinger und Matthias Arfmann an einem Projekt über den amerikanischen Maler und Schriftsteller Brion Gysin. 1991 erhält Beyer für seinen Debütroman das Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium der Stadt Köln. 1992 ist er Stipendiat des Literarischen Colloquiums Berlin und 1995 im Schloß Wiepersdorf. Wie vielfältig sein Spektrum ist, zeigt sich daran, dass er auch ein Hip-Hop-Seminar für einheimische Rapper in Yaoundé, Kamerun, leitete.

Marcel Beyer wurde bereits mit zahlreichen hochrangigen Literaturpreisen ausgezeichnet, unter anderem 2016 mit dem Georg-Büchner-Preis und 2021 mit dem Peter-Huchel-Preis. Heute lebt er als Autor, Herausgeber, Übersetzer und Essayist in Dresden.

Joshua Groß, 1989 in Grünsberg geboren, studierte Politikwissenschaft, Ökonomie und Ethik der Textkulturen. Er schreibt regelmäßig für die Berliner Literaturzeitschrift "metamorphosen", seine Arbeit wurde bereits mit einigen Preisen gewürdigt - darunter der renommierte Anna Seghers-Preis (2019).

Die Jury - der Friedrich-Hölderlin-Preis wird seit 1983 jährlich von der Stadt Bad Homburg gemeinsam mit der Stiftung Cläre Janssen vergeben, in der Jury sitzen die Vorsitzende Sandra Kegel (F.A.Z.) sowie OB Alexander Hetjes, Junior-Prof. Dr. Thomas Boyken (Hölderlin-Gesellschaft), Prof. Dr. Anne Bohnenkamp-Renken (Freies Deutsches Hochstift), Prof. Dr. Heinz Drügh (Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt), Alf Mentzer (Hessischer Rundfunk), Navid Kermani (Vorjahres-Preisträger) und Dr. Bettina Gentzcke (Fachbereichsleitung Kultur und Bildung) - begründet ihre Entscheidung wie folgt:

"In mehr als drei Jahrzehnten hat Marcel Beyer ein OEuvre geschaffen, das in seiner literarischen Vielfalt und seinem poetologischen Erkenntnisdrang die deutschsprachige Literatur auf einzigartige Weise bereichert." Beyer erweise sich darin als "sensibler Zeitgenosse", der nicht nur die verschiedensten Gattungen beherrsche, wenn er Romane, Lyrik, Essays, Erzählungen und Opernlibretti schreibe. Vor allem verfolge er auf je eigene Weise den Ansatz, Geschichte zu vergegenwärtigen und zugleich "alternative Möglichkeitsräume" zu eröffnen. Romane wie "Flughunde" (1995) aus Hitlers Führerbunker oder "Kaltenburg" (2008), der aus dem brennenden Dresden eine Zeitspanne von siebzig Jahren einfängt, zeigten Beyer "als unbestechlichen Beobachter innerer Prozesse wie auch sozialer Milieus und gesellschaftlicher Atmosphären". Gedichtbände wie "Graphit" (2014), "Dämonenräumdienst" (2020) oder auch die Vorlesungsreihe seiner Frankfurter Poetikdozentur "Das blindgeweinte Jahrhundert" (2017) "lesen sich quer zum rein illustrierenden Realismus als poetische Tiefenbohrungen in das zurückliegende Jahrhundert, seinen Horror, seine Mythen, seine popkulturellen Alltagserfahrungen". "Marcel Beyers Neugier ist mitreißend, sein Blick kühn, seine Sprache musikalisch. Seine Literatur, die nicht zuletzt Bezüge zum Namensgeber dieses Preises - Friedrich Hölderlin - aufweist, erzählt die Welt auf ungeahnte Weise."

Förderpreis für Joshua Groß

Zum Förderpreisträger heißt es: "Groß' Roman ,Flexen in Miami' gelingt es, die "Schichtungsverhältnisse der Gegenwart" in eine innovative literarische Ästhetik zu übersetzen. Phänomene wie Hip-Hop- oder Gaming-Kultur, das Internet als Ort smarter Dinge oder die sozialen Medien werden dabei als materielle Grundlage unserer Existenz ebenso ernst genommen wie die ökologische Situation des Planeten." Resultat sei ein kompliziertes, mitunter fast paradoxes emotionales Konstrukt aus Euphorie und Erschöpfung, aus Traurigkeit und Komik, ebenso grell gezeichnet wie zart." Im Ort der Handlung, dem "heißen, künstlichen, kranken, giftigen und dennoch höchst faszinierenden Miami", werde die Gegenwart zu einer Art Denkbild verdichtet - durch eine Literatur, die sinnliche, emotionale und intellektuelle Möglichkeiten des Ästhetischen nutze und dabei kulturkritische Seichtigkeit ebenso vermeide wie einfältige Nostalgie: "Eine große Bereicherung für die deutschsprachige Literatur."

Joshua Groß freut sich sehr über den Förderpreis. Auf Anfrage dieser Zeitung erklärte er: "Ich finde es sehr besonders, diese Auszeichnung zu erhalten. Es ist ein schönes Gefühl, wenn meine Texte Resonanz erzeugen und erfahren. Außerdem bin ich gespannt darauf, Bad Homburg kennenzulernen." Das wiederum zu hören freut OB Hetjes, vor allem, weil "wir überglücklich sind, dass es auch dieses Jahr trotz der anhaltenden schwierigen pandemischen Lage gelungen ist, zwei sehr preiswürdige Autoren im Namen Friedrich Hölderlins auszeichnen zu können". Joshua Groß sei ein junger Literat, "der durch einen ganz eigenen Stil auf sich aufmerksam macht und von dem noch viel zu hören sein wird", ist Hetjes überzeugt.

Und Marcel Beyer sei einer der vielseitigsten deutschen Autoren. "Sein Schreibstil berührt sowohl inhaltlich als auch sprachlich."

Auch in diesem Jahr erhalten sowohl der Hölderlin-Preisträger als auch der Förderpreisträger zusätzlich zu ihrem Preisgeld die Möglichkeit, die Hölderlin-Wohnung in der Villa Wertheimber kostenfrei zu nutzen. sbm

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