Das Zusammenspiel von Geschäften, ihrem Angebot und Emotionalität, die die Stadt insgesamt bei Besuchern lockt, ist der Schlüssel zum Erfolg.
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Das Zusammenspiel von Geschäften, ihrem Angebot und Emotionalität, die die Stadt insgesamt bei Besuchern lockt, ist der Schlüssel zum Erfolg.

Gewerbe

Bad Homburg: Mit der Substanz im Ort die Kunden locken

  • Sabine Münstermann
    VonSabine Münstermann
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Das Netzwerk Innenstadt diskutiert, wie die Einkaufsstadt attraktiver werden kann. Vor allem geht es darum, wie man die Kunden glücklich machen kann.

Bad Homburg -317 gewerbliche Einheiten gibt es im Kernbereich der Innenstadt. Durch die Corona-Pandemie sind sie bislang halbwegs unbeschadet gekommen - das belegen zumindest die Leerstandszahlen: 19 Leerstände gibt es bislang in 2021, genauso viele wie 2020, und damit sogar drei weniger als 2019. Citymanagerin Tatjana Baric ist mithin zufrieden, zumal ihr und Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) die Händler für Juni und Juli "gute Umsatzzahlen" bestätigt hätten. Was nun, da ein Stück Normalität zurückgekehrt ist im Corona-Alltag, auch nicht gänzlich ungewöhnlich ist angesichts der "ausgewogenen Ausrichtung der Branchen" und der Tatsache, dass "alle innenstadtrelevanten Sortimente besetzt sind", wie Baric sagte. Und doch ist eben seit Corona nichts mehr normal. Bemaskt einkaufen zu gehen ist dem Shoppingerlebnis nun nicht eben zuträglich. Und nachdem die Bürger in den vergangenen anderthalb Jahren notgedrungen aufs Online-Shopping gewechselt sind, lässt sich dieses Rad auch nur schwer zurückdrehen. Hetjes sagte: "Der stationäre Handel war schon vor Corona durch den Online-Handel massiv unter Druck, Corona hat noch wie ein Brandbeschleuniger gewirkt."

Pop-up-Stores und Fotomotive

Und wenn's um Brände geht, dann ruft man bekanntlich die Feuerwehr. Die Stadt hat das am Montagabend getan und einen Feuerwehrmann der ganz speziellen Art zum virtuellen Runden Tisch des Netzwerks Innenstadt geladen, nämlich Loimi Brautmann von der Agentur Urban Media Project in Offenbach. Das Unternehmen entwickelt Strategien und Kommunikation "für Produkte und Dienstleistungen im Kontext von Stadt, Kultur und Lifestyle", heißt es auf der Homepage. Was noch ein bisschen sperrig klingt, erläutert Brautmann ganz konkret und nachvollziehbar: Wer kannte schon Bilbao vor dem Bau des Guggenheim-Museums? Wer spricht heute über Hamburg, ohne an die Elbphilharmonie zu denken? Es müsse aber nicht der Millionen- oder Milliardenbau sein, "Sie müssen und können mit der Substanz vor Ort arbeiten", spricht's, und zeigt Bilder der Promenade, der Russisch-Orthodoxen Allerheiligenkirche und Erlöserkirche.

Es gelte eben nur, diese Substanz ins richtige Licht zu rücken. Ins richtige Licht, das kann zum Beispiel über einen irgendwo aufgestellten, mannshohen Schriftzug "Bad Homburg" sein, so wie es Amsterdam etwa macht, das kann - gut gegen Leerstand - ein Pop-up-Store sein, in dem der heimische neben dem Street-Art-Künstler seine Werke ausstellt, aber auch ein Café mit einem ganz besonderen Design sein, das Instagrammer anlockt, die wiederum über ihre geposteten Fotos jede Menge anderer Besucher anlocken. "Da ist Experimentierfreude gefragt", sagt Brautmann.

Aber natürlich geht es auch weiter darum, Emotionalität zu wecken und auf diese Weise den Konsumenten glücklich zu machen. Das sagt auch Citymanagerin Baric. Die Stadt plant zum Beispiel für Samstag, 25. September, ein Jazz-Event in der Innenstadt mit Music-Act, Streetfood heimischer Lokale und einem Late-Night-Shopping bis 21 Uhr. "Die Resonanz der Händler war bisher aber leider nicht wie erhofft, denn viele sagen, das hat vor Corona doch auch nicht funktioniert." Genau das sei aber der Punkt: Corona habe eigentlich alles auf den Kopf gestellt. "Sie müssen einfach mal mutig was ausprobieren", so Brautmann.

Von Sabine Münstermann

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