Christoph Köhn vom es Nabu Ober-Erlenbach pflanzt neue Sträucher.
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Christoph Köhn vom es Nabu Ober-Erlenbach pflanzt neue Sträucher.

Projekt der Naturschützer

Bad Homburg: Nabu plant Lehrgarten am Lohwald

  • vonFlorian Neuroth
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Planungen für neues Projekt im Bad Homburger Stadtteil Ober-Erlenbach sind in vollem Gange. Die Fertigstellung ist für Herbst vorgesehen.

Bad Homburg -Wer es mit den hiesigen Baumbeständen hält, wird in den vergangenen Jahren wohl öfter als ihm lieb ist den Blick flehentlich gen Himmel gerichtet haben. Denn so schön ein sonniger Tag ohne Wölkchen am Himmel auch sein mag, sind durch die zuletzt trockenen Sommer und den spärlichen Niederschlag in Deutschland doch unzählige Bäume zu Grund gegangen. Das ist auch im Pflanzgarten der Ober-Erlenbacher Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu) nicht anders gewesen.

So seien in den vergangenen Jahren rund 40 Bäume, größtenteils Fichten, auf dem mehr als 3000 Quadratmeter großen Grundstück neben dem Lohwald abgestorben, berichtet der Pressebeauftragte des Nabu Ober-Erlenbach Christoph Köhn. "Wir hatten jetzt drei heiße Sommer in Folge. Durch die Hitze sind die Bäume geschwächt, da haben Schädlinge wie der Borkenkäfer leichtes Spiel", erklärt Köhn.

Blick in einen Nistkasten

Die Folge: Aus Gründen der Verkehrssicherheit war der Verein gezwungen, diverse tote Bäume zu entfernen. Zwar hätten nicht alle Bäume gefällt werden müssen. "Aber wir haben uns gedacht, wir machen aus der Not eine Tugend und fällen nicht nur alle befallenen Bäume, sondern bepflanzen die Stellen gleich neu und führen das Grundstück wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zu", berichtet Köhn.

So wirklich genutzt hätte der Verein den vor rund 50 Jahren von den Gründungsmitgliedern der Vogelschutzgruppe (VSG), Vorgänger der heutigen Ortsgruppe, als Habitat für Vögel angelegten Pflanzgarten zuletzt nämlich kaum. Das soll sich ändern. So planen die Naturschützer, das Grundstück durch Schaffung von Nistplätzen und Neupflanzung von Dornengewächsen nicht nur weiter für die Tier- und Insektenwelt zu erschließen, sondern vor allem den Pflanzgarten im Laufe dieses Jahres zu einem Lehrgarten für Groß und Klein auszubauen.

Auf einem Rundgang sollen Besucher anhand diverser Info-Tafeln zur Tier- und Pflanzenwelt die hiesige Flora und Fauna besser kennenlernen können. Hinzu kommen Stationen des haptischen Erlebens, etwa ein offen einsehbarer Nistkasten. "Wir wollen Kindern die Möglichkeit geben, mal einen Blick ins Innenleben eines Nistkastens zu werfen", erläutert Köhn. Noch befänden sich die Planungen aber im Anfangsstadium. "Wir sind gerade am Überlegen, wie wir das Ganze am sinnvollsten gestalten und werden wohl das ganze Jahr brauchen. Realistisch ist eine Fertigstellung im Herbst", sagt er.

Die Pandemie macht dem Verein derzeit freilich einen "Strich durch die Rechnung", wie Köhn sagt. "Momentan sind größere Aktionen im Pflanzgarten leider nicht möglich. Wenn sich die Lage geändert hat, wollen wir im Sommer einige Stationen wie etwa ein Insektenhotel gemeinsam mit Kindern aus dem Ort bauen."

Neue Pfosten und 70 neue Pflanzen

Fleißig am werkeln waren die Vereinsmitglieder in den vergangenen Wochen dennoch. So habe man in der ersten Märzwoche nicht nur den Rundweg in Anfängen bereits angelegt, sondern auch die Grundlage für eine Benjeshecke geschaffen, neue Zaunpfosten platziert und rund 70 neue Pflanzen gesetzt. Gepflanzt wurden vor allem Sträucher wie Hagebutten, Weiß- und Schwarzdorn, Liguster, aber auch Ebereschen, Elsbeeren und Haselnuss. "Eine Buschbepflanzung eignet sich als Lebensraum für die Vögel besser als hochgewachsene Bäume", erklärt der Experte.

In ganz anderer Mission war der Nabu Ober-Erlenbach übrigens am Wahlsonntag Mitte März aktiv. Rund 100 Freiwillige aus 30 Haushalten folgten der erstmaligen Einladung des Vereins zum Frühjahrsputz im Ortsteil. "Wir haben uns vor der Erlenbach Halle getroffen und waren dann, aufgeteilt in mehrere Gruppen, im Industriegebiet, am Wingert, im Lohwald und am Bachufer Richtung Tannenwäldchen unterwegs", berichtet Köhn.

Ausgestattet mit Greifzangen, Handschuhen und Müllbeuteln füllten die Helfer insgesamt 35 Müllbeutel mit allerlei Unrat. Ob des Erfolgs der Veranstaltung plant der Verein weitere Putzaktionen. Köhn: "Wir wollen das regelmäßig machen, wahrscheinlich sogar noch ein weiteres Mal in diesem Jahr."

Generell habe sich der Verein in den vergangenen Jahren im Vorstand verjüngt und plane wieder mehr publikumswirksame Aktionen durchzuführen. Zurzeit hat die Ortsgruppe rund 100 Mitglieder. Davon sind laut Köhn aber die wenigsten aktiv.

von Florian Neuroth

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