Die kommenden Monate werden spannend. Wo Bad Homburg auf der Überholspur ist, welche Baustellen unverhofft auftauchen und wo Pläne möglicherweise in einer Sackgasse enden, muss sich erst zeigen. Fest steht: Das Thema Verkehr wird einen prominenten Platz auf der Agenda einnehmen.
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Die kommenden Monate werden spannend. Wo Bad Homburg auf der Überholspur ist, welche Baustellen unverhofft auftauchen und wo Pläne möglicherweise in einer Sackgasse enden, muss sich erst zeigen. Fest steht: Das Thema Verkehr wird einen prominenten Platz auf der Agenda einnehmen.

Die Themen des Jahres

Bad Homburg nimmt zweiten Anlauf für die Agenda 2021

  • Harald Konopatzki
    VonHarald Konopatzki
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Vom Mobilitätskonzept über die Kurhaus-Diskussion bis zum Klinik-Abriss: Viele Projekte, die 2021 schon auf der To-do-Liste standen, bestimmen die Diskussion auch in den kommenden zwölf Monaten

Neues Jahr, neues Glück - aber zum Teil alte Themen: In den kommenden Monaten wird in der Stadt vor allem weiter über Projekte diskutiert - und vielleicht ja auch entschieden - die schon 2021 abgehakt sein sollten. Die Pandemie hat viele Zeitpläne durcheinandergewirbelt, vieles geht noch einmal langsamer voran, als Ende 2020 bereits erwartet wurde.

Beispiel Kurhaus: Die Stadt hat deutlich Druck aus dem Kessel genommen, so dass unklar ist, wie weit die Planungen in den kommenden Monaten vorankommen. Zur Erinnerung: Ganz ursprünglich wurde im Auftrag des Parlaments ein Bürgerentscheid für September 2021 geprüft. Und noch immer heißt es auf der Homepage zu Architektenwettbewerb und Sanierungsgutachten: "Auf Basis der Ergebnisse beider Prozesse werden die Eigentümer und die Stadt voraussichtlich Ende 2021 eine Entscheidung über die weitere Vorgehensweise treffen."

Neuer Zeitplan für altes Klinik-Areal

Realistischer ist da, dass ein anderes Großprojekt angegangen wird, das schon 2021 starten sollte: Der Abriss des alten Kreiskrankenhauses an der Urseler Straße soll den Beginn des Quartiers "Louis" markieren. Neuer Zeitplan des Investors: Abriss im Frühjahr 2022, hoffen auf zügiges Baurecht und dann Baubeginn für das neue Viertel 2023. So die Antwort der Zech-Group auf Nachfrage. Zentrales Thema für die Kurstadt wird in diesem Jahr jedoch eher das integrierte Mobilitätskonzept werden - auch dessen Fertigstellung war bereits für das abgelaufene Jahr erwartet worden. Das Konzept soll Leitplanken für die künftige Verkehrsplanung liefern und alle Verkehrsarten berücksichtigen. Ein Gesamtkonzept statt Stückwerk.

Unabhängig von den Details steht schon jetzt fest, dass für Radfahrer einiges getan wird: Die Simulation zur Umgestaltung der städtischen Hauptverkehrsachsen Hessenring (mit Marienbader Platz), Hindenburgring und Urseler Straße soll vorgelegt werden und als Entscheidungshilfe dienen, wenn es um die Frage geht, ob Spuren für den Kraftverkehr gestrichen werden.

Die Verlängerung des Weberpfads soll eine neue Wegedecke erhalten, auf der Ober-Eschbacher Straße soll der Geh- und Radweg beim Autohändler verbreitert werden. Die Radverkehrsverbindung zwischen Ober-Erlenbach und Nieder-Erlenbach soll ebenso eine neue Wegedecke erhalten wie die Rad-Verbindung entlang der Homburger Straße.

Die Lade-Infrastruktur für E-Bikes soll ausgebaut werden, auch hat die Stadt angekündigt, die Zahl der Ladesäulen für Elektroautos zu erhöhen. An alle Verkehrsteilnehmer richtet sich eine Kampagne zum Thema Verkehrssicherheit. Für die Außendarstellung wichtig wird auch die neue städtische Homepage werden, die derzeit entwickelt wird.

Innenstadt wird gestärkt

Ebenfalls von Bedeutung werden, wird das Thema Hochwasserschutz. Die Stadt will schon in diesem Jahr Maßnahmen in der Ortslage von Ober-Erlenbach beginnen, die Veröffentlichung der Risiko-Karten für verschiedene Starkregen-Szenarien dürfte dem Thema zusätzliche Bedeutung bringen.

Angegangen und möglichst schnell umgesetzt werden sollen die Maßnahmen zur Stärkung der Innenstadt. Land und Bund fördern entsprechende Vorhaben, um die Folgen der Corona-Pandemie für den Einzelhandel zu mindern. Einen Förderbescheid im Rahmen des Landesprogramms "Zukunft Innenstadt" gibt es bereits, Anfang des Jahres könnte eine konkrete Umsetzung beschlossen werden.

Mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung

Seit März heißt der Homburger Haupt- auch Bürgerbeteiligungsausschuss. Allerdings hatte der in Sachen Bürgerbeteiligung bislang recht wenig zu diskutieren. Das könnte sich ändern. Die "Leitlinie Bürgerbeteiligung" (auch die sollte schon Anfang 2021 beschlossen werden) soll mehr Transparenz und Beteiligung bei städtischen Projekten bringen. Sobald ein Beteiligungsbeauftragter installiert ist, sollen alle städtischen Projekte "sichtbar und transparent über eine Plattform kommuniziert werden", Bürger sollen so die Möglichkeit bekommen, sich, je nach Art des Projektes, in die Planungsprozesse und Entscheidungen einzubringen.

Fest eingeplant ist die Beteiligung für die Ortsmitte Gonzenheim. Dort sollen die Bürger ihre Meinung zur Gestaltung des öffentlichen Raums sagen können.

Baubeginn Hühnerstein-Kita, Kita am Südcampus und Gymnastikhalle Lange Meile - auch das stand schon 2021 auf der Agenda, doch jetzt geht's richtig los. Auch für den Wohnungskauf steht viel Geld im Haushalt, die kur-eigene Immobiliengesellschaft könnte den Auftrag bekommen, Aufgaben einer Wohnbaugesellschaft zu übernehmen und/oder für die Stadt Gewerbegrundstücke zu entwickeln.

Fairerweise sei an das Sprichwort "Gut Ding will Weile haben" erinnert. Und in der Tat: Die allermeisten Vorhaben sind nicht innerhalb eines Jahres abzuarbeiten. So sind etliche weitere Projekte für die Schaffung von Betreuungsplätzen in unterschiedlichen Stadien der Vorbereitung und es auch bei den weiteren Mammutprojekten - U2-Verlängerung und Sportzentrum Süd - vorangehen, ohne dass bis Dezember Vollzug gemeldet werden kann. Die Arbeiten am Gotischen Haus laufen, auch die historisch bedeutsame Villa Victoria wird saniert.

Zukunft des Wertstoffhofs muss geklärt werden

Begonnen werden wird auch mit einem der kostenintensivsten Bauprojekte der nächsten Jahrzehnte: Der mit insgesamt rund 60 Millionen Euro veranschlagte Neubau der Kläranlage Ober-Eschbach (im laufenden Betrieb) wird in diesem Jahr starten, der benachbarte Wertstoffhof geschlossen. Damit ist auch klar: Die Stadt muss in diesem Jahr eine Entscheidung darüber treffen, wie und wo Ersatz geschaffen wird. Die Zeit drängt, die Aufsichtsbehörden sitzen der Stadt im Nacken.

Im zu erweiternden Gewerbegebiet Massenheimer könnte dieses Jahr die Erschließung beginnen, fertig werden wird die Kita am Vickers-Areal. Die Häuser dort sind weit vorangeschritten, die Fertigstellung eines über Jahrzehnte geplanten Projekts ebenfalls nur noch eine Frage von Monaten.

Neu auf der Agenda ist die Umgestaltung des Hockey-Platzes am Sportzentrum Nordwest. Außerdem sollen unter anderem in der Schönen Aussicht, der Kisseleffstraße, der Gartenfeldstraße, dem Kapersburgweg, im Stedter Weg, der Friedrichsdorfer Straße und im Gluckensteinweg Kanäle saniert werden. Die Neue Mauerstraße wird teilweise grundsaniert.

Etliche Veranstaltungen wieder im Programm

Manche Hoffnungen, die schon vor einem Jahr aufgekeimt waren und dann bitter enttäuscht wurden, lassen sich zum Jahresbeginn eins zu eins übernehmen: "Was die Homburger Großveranstaltungen angeht, kann jetzt noch keine verlässliche Prognose abgegeben werden - die Hoffnung bleibt, dass Laternenfest und Weihnachtsmarkt in diesem Jahr wieder halbwegs normal gefeiert werden können, und vielleicht klappt's ja auch schon für den Homburger Sommer." So stand's in der Vorschau für 2021. Die mittelfristigen Vorzeichen sind jetzt besser, "halbwegs normal" erscheint realistisch. Auch wenn manche Veranstalter offen sagen, dass man sich pandemiebedingt bei den Planungen im Blindflug befinde, werden teilweise bereits Fakten geschaffen: Die Blickachsen fallen definitiv aus, für die zweite Auflage der Bad Homburg Open (18. bis 25. Juni) gibt es bereits Tickets. Erstmals nach vier Jahren soll es zudem wieder das Orgelfestival Fugato geben - Auftakt ist am 17. September in der Erlöserkirche.

Schon am Wochenende vom 23. und 24. April soll nach einem Jahr Pause wieder das "BOOM! Design Festival" am und im Kurhaus steigen, wenn es Corona zulässt. Auch die Aktionsgemeinschaft plant fleißig und hat außer dem Weinfest (kleiner als gewöhnlich; 27. bis 29. Mai) und Erntedankmarkt (8./9. Oktober) schon ein komplett neues Format am Start: Der Genießer-Markt soll von März bis Oktober an jedem ersten Samstag im Monat Besucher in die Innenstadt locken - mit wechselnden Ständen, gastronomischem Angebot und Musik. Eine Summer-Lounge soll am Samstag, 20. August, Musik mit Cocktail-Genuss verbinden, die Autoschau ist für 17. September geplant.

Die Saalburg will ihr Jahresprogramm bald vorstellen, fest eingeplant ist am 18. Februar die Eröffnung der Sonderausstellung "Spot an!", die bis Ende Oktober laufen soll und Szenen (und Funde) aus dem Alltag einer römischen Stadt zeigt.

Die Kulturnacht wird dieses Jahr voraussichtlich eine Woche früher als sonst stattfinden - und zwar am 22. Oktober, um an den 200. Jahrestag des Gustavsgartens (Schenkung der Grundstücke am 23. Oktober 1822) zu erinnern.

400 Jahre Hessen-Homburg

Ein großes Jubiläum wird in diesem Jahr mit vielen Veranstaltungen begangen werden: Die Gründung der Landgrafschaft Hessen Homburg von 1622 jährt sich zum 400. Mal. So klein die Landgrafschaft war - das Stammland war bis 1806 mit 85 Quadratkilometern gerade einmal halb so groß wie heute Liechtenstein - so interessant ist seine Geschichte. Immerhin gelang es 1815, als die meisten deutschen Kleinststaaten Geschichte waren, doch noch einmal die Souveränität zu erlangen. Zum Jubiläum sind mehrere Ausstellungen geplant, analog zu den Hölderlin-Feierlichkeiten soll es auch eine App geben. von Harald Konopatzki

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