Das Umweltbundesamt (UBA) ermittelte in einer Umfrage, dass sich bundesweit 35 Prozent der Befragten durch Schienenverkehr gestört fühlen. In Bad Homburg kommt für die Anwohner der Verlängerung der U-Bahn-Linie demnächst noch eine weitere Bahn-Lärmquelle dazu: der Baustellenlärm.
+
Das Umweltbundesamt (UBA) ermittelte in einer Umfrage, dass sich bundesweit 35 Prozent der Befragten durch Schienenverkehr gestört fühlen. In Bad Homburg kommt für die Anwohner der Verlängerung der U-Bahn-Linie demnächst noch eine weitere Bahn-Lärmquelle dazu: der Baustellenlärm.

Großes Reizthema

Bad Homburg: Ombudsmann für Lärmschutz?

CDU-Mann schlägt Einrichtung einer Stelle im Bad Homburger Rathaus vor. Ein städtischer Beauftragter soll sich um Lärmquellen der unterschiedlichsten Art kümmern.

Bad Homburg -Das Flugzeug im Anflug auf den Frankfurter Flughafen fliegt über den Garten - und macht für kurze Zeit ein Gespräch unmöglich. Die Bahn, die beim Einfahren in den Bahnhof quietscht, lässt einen zusammenzucken. Der Geräuschpegel, der bei einer bestimmten Windrichtung von der Autobahn ins heimische Wohnzimmer dringt, ist ein dumpfes Grundrauschen. Vor Lärm ist man vielerorts nicht gefeit, und das ist ein Problem, denn: Lärm wirkt sich negativ auf die Kommunikation, die Erholung, aber auch das konzentrierte Arbeiten und das psychische Wohlbefinden aus. Kurzum, er verursacht gesundheitsgefährdenden Stress - sagt das Umweltbundesamt (UBA). Wie sehr, ermittelt das Amt im Rahmen von regelmäßigen, repräsentativen Umfragen. Die Jüngste stammt aus dem Jahr 2019 und zeigt, dass sich 75 Prozent der Befragten in ihrem Wohnumfeld durch Straßenverkehr gestört fühlen, 42 Prozent durch Flugverkehr, 35 Prozent durch Schienenverkehr, 42 Prozent durch Industrie- und 60 Prozent durch Nachbarschaftslärm.

Einer der sich in Bad Homburg seit mehr als zehn Jahren mit dem Thema Lärm auseinandersetzt, vor allem dem Thema Schienenlärm, ist Dr. Wolfgang Lindstaedt. Er setzt sich seit langem vor allem für Lärmschutz in Sachen U-Bahn ein, ist auch Mitglied des von OB Alexander Hetjes (CDU) initiierten Runden Tisches zum Thema Lärmschutz und als CDU-Mann - nach Querelen war er aus der FDP ausgetreten - wiedergewähltes Mitglied des Gonzenheimer Ortsbeirates. In dem Lindstaedt jetzt für seine bereits vor der Kommunalwahl propagierte Idee wirbt: die Einrichtung einer Ombudsmann-für-Lärmschutz-Stelle in Bad Homburg. Lindstaedt sagt: "Das muss eine der Hauptaufgaben des Gonzenheimer Ortsbeirates für die nächsten fünf Jahre sein."

Lindstaedt hatte bereits im Februar erklärt: "Wir haben bereits seit 2011 einen Ombudsmann im Kreis, der zuständig ist für die Bereiche des Sozialgesetzbuches (SGB) II, VIII und XII. Er ist eine wichtige Schnittstelle und hilft, Lösungen zu finden. So etwas sollte es auch in Bad Homburg in Sachen Lärm geben."

Die Idee entwickelte Lindstaedt bereits vor Jahren gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, Professor Barbara Dölemeyer, die langjährige Vorsitzende des Vereins für Geschichte und Landeskunde. Er sagt: "Unser Ansatzpunkt war damals der Schienenlärm rund um die U-Bahn, später der zu erwartende Baulärm durch die Bauarbeiten der Verlängerung der U-Bahn." Die seit 2018 beschlossene Sache ist, und weswegen vermutlich von 2023 an für fünf Jahre vor allem im Ortsteil Gonzenheim die Bagger rollen werden.

"Die Bauarbeiter werden rund um die Frankfurter Landstraße ein 300 Meter langes, zehn Meter tiefes und 20 Meter breites Loch buddeln, da fahren dann mindestens 6000 Zehntonner durch die Gegend, um alleine den Erdaushub abzutragen", sagt Lindstaedt. Dass das nicht geräuschlos vonstatten gehen wird, dürfte klar sein, und darum geht es Lindstaedt auch gar nicht. Was er mit einer Ombudsmann-Stelle bewirken will, ist, dass die Lärmschutzvorgaben, die gesetzlich und auch vertraglich zwischen den Partnern des Jahrhundertprojekts geregelt sind, eingehalten und eben auch kontrolliert werden. Denn Lindstaedt befürchtet, dass genau das nicht passiert. "Die Bauträger sind immer unter Zeitdruck, kalkulieren knapp, die Aufsichtsbehörden sind zeitlich ebenfalls überfordert - wer soll da schon nachschauen, ob die Lärmschutzvorgaben eingehalten werden?"

Tief-frequenter Schall

Lindstaedt stellt sich diese Überwachung als eine der Aufgaben eines Lärmschutz-Ombudsmanns vor. Zudem soll er direkter Ansprechpartner für die Bürger sein, für alles, was das Thema Lärm betrifft. Und das sei unter anderem auch der vom UBA angesprochene Nachbarschaftslärm. Lindstaedt wundert es nicht, dass 60 Prozent der Bürger sich dadurch gestört fühlten, denn da habe sich in den vergangenen Jahren viel geändert. "Man denke nur an die Luftwärmepumpen, die inzwischen bei der Hälfte aller Neubauten im Garten installiert sind. Die erzeugen einen permanenten Geräuschpegel über sogenannten tief-frequenten Schall, und das dumpfe Brummen empfindet so mancher als durchdringend und störend", weiß Lindstaedt auch aus eigener Erfahrung.

Auch der Flugverkehr - durch Corona derzeit natürlich stark zurückgegangen - sei zuletzt häufig Gegenstand von Diskussionen unter Bad Homburger Bürgern gewesen. "Lärm bewegt eben alle", sagt Lindstaedt.

Dem Juristen ist durchaus klar, dass bei den diversen Lärm-Problematiken ein Ombudsmann alleine vermutlich die Arbeit als Schnittstelle zwischen Bürgern, Ämtern, Behörden und Institutionen kaum wird leisten können. Deswegen stellt er sich ein Team vor mit diversen Spezialisten. "Einer, der sich mit Fluglärm auskennt, einer, der sich mit Straßenlärm auskennt, einer der die Nachbarschaftssachen im Auge behält und einer, der das Thema Schienenlärm bearbeitet." Für Letzteren hat Lindstaedt natürlich bereits jemanden im Auge, der fachlich geeignet wäre: sich selbst.

Wie die Stadtverwaltung zur Einrichtung einer oder mehrerer Ombudsmann-Stellen für Lärm steht, ist allerdings noch unklar. Im Rathaus sei das Thema noch nicht hinterlegt, erklärte Stadtsprecher Marc Kolbe auf Anfrage dieser Zeitung.

von Sabine Münstermann

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare