Chemielehrer Randolf Schücke (links) und Fresenius-Auszubildender Joshua Sperber veranschaulichen im Live-Stream anhand mehrerer Versuche und Experimente, welche Themen im Verlauf einer naturwissenschaftlichen Ausbildung auf dem Programm stehen.
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Chemielehrer Randolf Schücke (links) und Fresenius-Auszubildender Joshua Sperber veranschaulichen im Live-Stream anhand mehrerer Versuche und Experimente, welche Themen im Verlauf einer naturwissenschaftlichen Ausbildung auf dem Programm stehen.

Nacht der Ausbildung

Bad Homburg: Per Klick zum passenden Beruf

  • VonFlorian Neuroth
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Die Bad Homburger Nacht der Ausbildung fand in diesem Jahr im digitalen Raum statt. Die jungen Leute wurden via Chats, Live-Streams und Videos informiert. In einem Betrieb wurde es sogar experimentell.

Bad Homburg -Wenn das Jugendbildungswerk zur "Nacht der Ausbildung" lädt, ist in Bad Homburg für gewöhnlich einiges los. Hunderte Jugendliche und junge Erwachsene ziehen dann normalerweise von einem Arbeitgeber zum nächsten, um sich über Ausbildungsangebote und duale Studiengänge zu informieren und in die Betriebe hineinzuschnuppern. Bei der zehnten Auflage war das anders - es sind halt noch immer Corona-Zeiten.

Angesichts der steigenden Inzidenzzahlen hatte die Stadt die eigentlich in hybrider Form geplante Veranstaltung kurzfristig komplett in den digitalen Raum verlegt. Über eine Online-Plattform gelangten Interessierte zu den Angeboten von insgesamt 20 Unternehmen, öffentlichen Arbeitgebern und Hochschulen. Fünf Stunden lang, zwischen 17 und 22 Uhr, standen deren Vertreter den jungen Leuten in Online-Chats und Live-Streams Rede und Antwort. Zudem hatten viele weitere Informationen hochgeladen, darunter kleine Videos und Filmchen.

Manchem Jugendlichen schien das schon zu genügen. Denn so richtig viele Interessenten wählten sich zunächst einmal nicht in die Chats ein. Bei den Stadtwerken etwa war um halb 7 noch "tote Hose", wie Ausbildungsleiterin Alexandra Knappitsch es ausdrückte. "Wir hoffen, dass sich das im Laufe des Abends noch ändert", meinte sie. Schließlich wollte Knappitsch im Verbund mit der Fachangestellten für Bäderbetriebe im Seedambad, Michelle Möhl, und einigen derzeitigen Auszubildenden und Dual-Studierenden die vielfältigen Perspektiven und Berufsbilder bei den Stadtwerken aufzeigen. "Wir haben ein breitgefächertes Angebot, bilden ganz klassisch Industriekaufleute, Fachangestellte für Bäderbetriebe sowie Anlagemechaniker aus und bieten mittlerweile auch einen dualen Studiengang Mechatronik mit Schwerpunkt Energiewirtschaft an", erklärte Knappitsch.

Jakob Riede - er absolviert seit Anfang August eine Ausbildung zum Industriekaufmann - konnte die Stadtwerke als Ausbildungsbetrieb jedenfalls wärmstens weiterempfehlen: "Mit der Stadt dahinter ist das ein toller Arbeitgeber. Ich war die erste Zeit im Abrechnungs- und Datenmanagement eingesetzt, jetzt geht es für zwei Wochen in die Berufsschule. Bislang gefällt es mir sehr gut."

"So viele Besucher wie in Präsenz haben wir heute nicht. Aber es waren trotzdem schon einige da", berichtete Ausbilderin Eva Vazquez von der Taunus Sparkasse zwei Stunden nach Veranstaltungsbeginn. Besonders gut sei das neue Dienstleistungszentrum angekommen, meinte Kollege Sven Wietrzichowski. Per Web-Cam führte der Ausbilder durch die Räumlichkeiten in der Ludwig-Erhard-Anlage, zeigte Büros, Besprechungsräume, Kunst an den Wänden und den gemütlichen Lounge-Bereich. "Wir wollen verdeutlichen, dass die Arbeit in einer Bank mehr ist als klassisches Filialgeschäft und am PC vor Excel-Tabellen sitzen. Das Miteinander und der Spaß gehören auch dazu. Für mich war die Ausbildung in der Taunus Sparkasse ganz anders, als ich mir das vorher vorgestellt hatte", erzählte Wietrzichowski, der im vergangenen Jahr seine Ausbildung beendet hat.

Information aus erster Hand

Noch mehr Anschauungsmaterial gabs im Live-Stream von Fresenius. Neben einem Besuch im Logistikzentrum und in der Ausbildungswerkstatt zeigten Berufsschullehrer Randolf Schücke von der Frankfurter Paul-Ehrlich-Schule und Fresenius-Azubi Joshua Sperber anhand mehrerer Versuche, was angehende Chemielaboranten während der Ausbildung erwartet. Dazu gehört einerseits Praxisarbeit, "im Labor lernt ihr die Arbeit von Grund auf", erklärte Sperber; andererseits aber auch viel Theorie in der Berufsschule.

Fast wie vor Ort fühlte sich, wer beim Pharmariesen Lilly vorbeischaute. War die Landingpage des Unternehmens doch als virtuell begehbare Aufnahme des Foyers des Deutschland-Hauptsitzes in Bad Homburg gestaltet. Per Klick gelangten Interessierte direkt zum Live-Chat. "Wir hatten schon Anfang des Jahres damit gerechnet, dass der Abend eher in die virtuelle Richtung geht und haben daher parallel geplant", erklärte Senior-Personalreferentin Vanessa Nagelschmidt.

Die 22-jährige Friedrichsdorferin, die sich von Nagelschmidt und Sara Singh, Auszubildende zur Industriekauffrau im zweiten Lehrjahr, alles zum Thema Ausbildung bei Lilly erklären ließ, freute sich über das digitale Angebot. "Ich war früher schon mal bei der Nacht der Ausbildung. Dass diesmal alles online stattfindet, finde ich super. Das ist zwar ein anderes Feeling, aber dafür kann man sich ganz entspannt von zu Hause durch die verschiedenen Unternehmens-Chats klicken und muss bei schlechtem Wetter wie heute nicht durch den Regen laufen", fand die junge Dame. von FLORIAN NEUROTH

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