Der Brunnen im Kurpark ist aus, die Wiesen schon braun. Die Fontäne im Schwanenteich wälzt das Seewasser um. Foto: Reichwein.
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Der Brunnen im Kurpark ist aus, die Wiesen schon braun. Die Fontäne im Schwanenteich wälzt das Seewasser um. Foto: Reichwein.

Trockenheit und hoher Verbrauch

Stadtwerke stellen Wasserampel auf Rot

Um den Notstand abzuwenden müssen die Bürger Wasser sparen. Die Maßnahmen sind weitreichend.

Bad Homburg - In den vergangenen Tagen hatten die Stadtwerke intensiv und auf verschiedensten Kanälen an die Bad Homburger appelliert, den Wasserverbrauch zu senken - passiert ist genau das Gegenteil. "Trotz des Presse- und Radioaufrufs vom letzten Freitag sorgsam mit dem zu Verfügung stehenden Trinkwasser umzugehen, erreicht der Trinkwasserverbrauch aktuell Spitzenwerte und kann nur durch den maximalen Bezug von Fremdwasser sichergestellt werden", teilten die Stadtwerke mit und setzten die "Wasserampel", die symbolisch zeigen soll, wie es um die heimische Wasserversorgung steht, auf Rot. Mit nicht nur symbolischen Folgen. Bis heute sollen alle städtischen Brunnen und die der Kur abgestellt werden. So versiegten schon gestern Vormittag die Wasserspiele vor und hinter dem Kurhaus. Der Brunnen am Marktplatz bekam eine Gnadenfrist. "Wegen des Wochenmarkts konnten wir da nicht ran, der Brunnen wird am Mittwoch abgeschaltet", erklärte Stadtsprecher Andreas Möring.

An die Bürger richten die Stadtwerke nun einige mit Ausrufezeichen versehene Aufforderungen. Denn "zur Sicherung der Trinkwasserversorgung sowie die Bereithaltung von Löschwasserreserven und zur Vermeidung eines Trinkwassernotstandes, ist eine sofortige drastische Reduktion des Verbrauchs notwendig", heißt es jetzt unter anderem auf der Homepage der Stadtwerke. .

Garten- und Rasen sollen in Bad Homburg nicht mehr gewässert werden

Die Verbraucher sind demnach aufgefordert „absolut sparsam mit dem Trinkwasser umzugehen“, die die Garten- und Rasenbewässerung sofort einzustellen und kein Trinkwasser zum Waschen von Fahrzeugen oder zur Reinigung von Gebäuden, Terrassen et cetera zu verbrauchen. Auch das Füllen oder Auffüllen von Pools oder Zisternen soll unterlassen werden.

„Damit ein Wassernotstand vermieden werden kann und keine weiteren restriktiven Maßnahmen, wie Bußgelder, im Rahmen der Gefahrenabwehrverordnung der Stadt eingeleitet werden müssen, ist diesem Aufruf zwingend Folge zu leisten“, heißt es dazu. In Grävenwiesbach, Weilrod und Schmitten wurde der Wassernotstand bereits ausgerufen, in den meisten restlichen Hochtaunus-Kommunen ist die Lage zumindest angespannt.

Hohe Bußgelder drohen bei Wasserverschwendung

Seit vergangenem Herbst hat die Bad Homburger Verwaltung ein neues Regelwerk an der Hand, die neue Gefahrenabwehrverordnung zur Vermeidung von Trinkwasserknappheit, die am 31. Oktober von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen wurde und das bei Verstößen - je nach Schwere - Bußgelder von bis zu 5000 Euro vorsieht.

Ausgerufen werden kann der Notstand nun unbürokratisch durch den Oberbürgermeister oder einen benannten Vertreter (früher musste die Stadtverordnetenversammlung einen entsprechenden Beschluss fassen) wenn die Versorgung mit Trinkwasser gefährdet ist. „Dies ist insbesondere der Fall, wenn das durch die Stadtwerke zur Verfügung gestellte Wasser zur Wasserversorgung des Stadtgebietes oder eines Teilgebietes nicht ausreicht“, heißt es dazu in der entsprechenden Verordnung, die weitreichende Einschränkungen für den Wasserverbrauch ermöglicht, möglichst aber nicht angewendet werden soll.

Auch bei der Stadt wird nun genau geschaut, wo und wie weiter bewässert wird. „Dort wo es sinnvoll ist, wird weiter mit Brauchwasser gewässert“, erklärt Stadtsprecher Möring. So gebe es verschiedene Quellen, an denen Wasser minderer Qualität gezapft werden kann. „Aber auch diese Ressource ist nicht unendlich“, gibt Möring zu bedenken.

Dass es so schnell zu einer weiteren Verschärfung des Tons kommt, liege an der aktuellen Entwicklung. „Wir haben den Aufruf Ende vergangener Woche herausgegeben - doch statt eines Rückgang gab es am Wochenende eine deutliche Steigerung des Wasserverbrauchs“, so Möring.

„In normalen Sommern mit Niederschlag liegen die Tagesverbräuche um die 10 000 Kubikmeter“, erklärt der Direktor der Stadtwerke, Ralf Schroedter.“ Bereits seit einiger Zeit liege man in der Kurstadt weit darüber. Und „seit einer Woche, den 3. August als Basis genommen, ist der Verbrauch nochmals um 16 Prozent angestiegen“, so Schroedter.

Dramatische Zahlen zur Wasserknappheit in Bad Homburg

Die Zahlen sind dramatisch: Allein zwischen 1. und 10. August wurden 26 700 Kubikmeter mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres verbraucht - eine Steigerung um 23 Prozent. Anders gesagt: Statt des „normalen (Sommer-)Verbrauchs von rund 10 000 Kubikmeter am Tag wurden durchschnittlich 14 200 Kubikmeter entnommen. „Eine Reduzierung auf eine Tagesmenge unter 12 000 Kubikmeter würde zu einer Entspannung der Situation führen“, sagt Schroedter.“ Selbst einen Verbrauch zwischen 12 000 bis 13 000 Kubikmetern „konnten die Stadtwerke noch über die Ausgleichsmengen durch den vorgelagerten Wasserbeschaffungsverband und dessen Vorlieferanten decken“, erklärt der Direktor. „Die darüber hinausgehenden Mengen werden nur auf Können und Vermögen des Vorlieferanten geliefert. Da derzeit in der ganzen Region Taunus extreme Trockenheit herrscht und die Bürger einen extremen Verbrauch haben, sind die Reserven der vorgelagerten Lieferanten ausgeschöpft.“

Dabei kommen mehrere Faktoren zusammen. Da ist zum Einen die Trockenheit, es fällt im Einzugsbereich der Stadt zu wenig Regen. Die hohen Temperaturen tragen zur Wasserknappheit bei, weil erfahrungsgemäß mehr Wasser, etwa für Duschen und Baden, verbraucht wird. Und wegen der Corona-Pandemie sind in den Sommerferien mehr Menschen als sonst daheim und verbrauchen hier Wasser statt in den Urlaubsregionen.

Die Trockenheit hat auch Auswirkungen auf die Gewässer. An den Pegeln des Eschbachs und des Erlenbachs - jeweils unweit der beiden Kläranlagen - ist der Wasserstand niedrig. Nicht verzichten müssen die Homburger übrigens darauf, kleine Wasserschalen für Insekten und Tiere in die Gärten oder auf die Balkone zu stellen. Denn auch die Fauna leidet derzeit Durst.

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