tzh_JP-urselerstrasse1_0512
+
Viele Menschen leiden unter dem täglichen Verkehrslärm auf der Urseler Straße.

Verkehr

Eine Spur weniger auf Hauptverkehrsstraße in Bad Homburg?

  • Anke Hillebrecht
    vonAnke Hillebrecht
    schließen

Die Einfallstraße muss ruhiger und sicherer werden. Doch die Geduld der Autofahrer wird dabei auf die Probe gestellt.

Bad Homburg – Während die Geduld von Autofahrern derzeit in Frankfurt und Darmstadt durch Wegnahme einer Fahrspur in Einfallstraßen zugunsten der Sicherheit von Radfahrern gehörig strapaziert wird, kann der Verkehr in der Kurstadt im Hessen-/Hindenburgring und der Urseler Straße derzeit noch ungebremst fließen. Doch das könnte sich ändern. Die Stadt hat eine Machbarkeitsstudie zu diesem Thema in Auftrag gegeben.

Vorerst nur Simulationen für Urseler Straße in Bad Homburg

Herausgefunden werden soll, was passiert, wenn auf diesen drei Homburger Hauptverkehrsstraßen eine Fahrspur für Autos wegfallen würde. „Anhand einer Simulation soll geschaut werden, wie der Verkehr dann fließen würde“, erläutert Rathaus-Sprecher Marc Kolbe. Im Frühjahr rechnet die Verwaltung mit Ergebnissen. „Das heißt aber nicht, dass nächstes Jahr eine Spur wegfällt“, versichert Kolbe. Der Verkehrsversuch erfolgt auf Basis des vom Stadtparlament beschlossenen Radverkehrskonzepts für die Kurstadt.

Die Grünen hätten den Autoverkehr auf der Urseler Straße gern jetzt schon auf Tempo 30 gedrosselt, um sie für die Jungen und Mädchen der Hölderlin- und der Humboldtschule sicherer zu machen. Denn nach Passieren der allbekannten Blitzersäule stadteinwärts in Höhe der Autohäuser wird nur zu oft im Landstraßentempo weitergebraust.

Grüne scheitern in Bad Homburg mit Antrag zur für Urseler Straße

Doch die Grünen scheiterten in der jüngsten Stadtverordnetensitzung grandios mit ihrem Antrag – Hauptargument, das Ordnungsdezernentin Lucia Lewalter-Schoor (SPD) anführte: Es handelt sich um eine Vorfahrtsstraße, und da dürfe der Verkehr laut Straßenverkehrsordnung nicht so sehr gebremst werden.

Gleichwohl sei das Thema Tempo 30 für die Urseler Straße aber noch nicht vom Tisch, fügte die Stadträtin noch an, denn die Straße müsse in absehbarer Zeit leiser werden. Das wiederum wurde der Stadt im Lärmaktionsplan (LäAP) aufgetragen - einem Papier des Regierungspräsidiums, in dem dezibelgenau aufgezeigt ist, wo Menschen unter Verkehrslärm leiden, und konkrete Maßnahmen zur Minderung aufgezeigt werden.

Rund 4000 Personen leiden in Bad Homburg täglich unter Lärm

Knapp 4000 Personen leiden laut LäAP in Bad Homburg tagsüber an Krach, 54 davon sind permanent mehr als 75 Dezibel (dB(A)) ausgesetzt - was etwa gleichgesetzt wird mit einer Waschmaschine im Schleudergang. 375 Homburger ertragen auf den genannten drei Hauptverkehrsstraßen 65 bis 70 dB(A), 40 bis 75 dB(A) - insgesamt sind 1233 Lärmgeplagte aufgeführt. Nachts wird es zwar (dank weniger brausender Autos) leiser, jedoch leiden dann 1823 Personen am sogenannten Durchfahrtsrauschen.

Eine Lärmberechnung gibt es laut Stellungsnahme der Stadt im LäAP noch nicht für die Urseler Straße. "Mit der Ausweisung von Tempo 30 besteht die Gefahr, dass das Verkehrsaufkommen nicht mehr abgewickelt werden kann." Zumal es dann lediglich um 2 dB(A) leiser würde. Doch das RP hat festgelegt, dass die Straßenverkehrsbehörde "die tatsächlichen Grundlagen ihrer Ermessensentscheidung nachbessern" muss, "indem sie für den Hindenburgring und die Urseler Straße eine schalltechnische Beurteilung vornimmt und auf dieser Grundlage erneut die öffentlichen und privaten Verkehrsinteressen sowie die gegenläufigen privaten Interessen der Lärmbetroffenen" feststellt und gegeneinander abwägt.

Auch private Interessen von Plänen für Urseler Straße in Bad Homburg betroffen

Die privaten Interessen werden künftig schwerer wiegen, da – wie auch die Grünen-Verkehrspolitikerin Frauke Thiel anführte – entlang der Urseler Straße demnächst neue Wohngebiete entstehen. Auf dem Areal der früheren Georg-Kerschensteiner-Schule sind 49 Wohnungen geplant und auf dem alten Klinik-Gelände zwischen Taunus- und Jacobistraße weitere 270 Domizile.

Das letztgenannte Baugebiet lässt weiterhin auf sich warten. Im Frühsommer hatte der Hochtaunuskreis, dem das Klinik-Gelände gehört, fünf bauwillige Investoren in die engere Auswahl genommen. Sie sollten ein Konzept erarbeiten und ein Kaufpreisangebot vorlegen. Im Herbst wollte sich der Kreis für einen Bieter entscheiden. Dies ist offenbar auch geschehen: Wie Homburgs OB Alexander Hetjes (CDU) jetzt dem Stadtparlament sagte, führe der Kreis derzeit mit dem stärksten Bieter Vertragsverhandlungen. Details dazu wollte die Kreisverwaltung mit Hinweis auf noch ausstehende Entscheidungen des Kreistags bezüglich des Flächenverkaufs nicht preisgeben. Sie würden „voraussichtlich im Frühjahr 2021 vorliegen“, so Kreissprecherin Barbara Wüst. Anschließend entstehen gemäß einem städtebaulichen Konzept Wohnhäuser.

Der Bieter muss dann auch den Abriss des alten Krankenhauses bezahlen. Somit wird die Ruine an der Urseler Straße noch ein paar Monate stehen. (Anke Hillebrecht)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare