Seit 2002 liegt die Villa Victoria im Paul-Ehrlich-Weg bereits im Dornröschenschlaf. Nun ist sie eingerüstet, Baumaterialien stapeln sich auf dem Parkplatz vor dem Gebäude. Demnächst werden die hinteren Gebäudeteile abgerissen.
+
Seit 2002 liegt die Villa Victoria im Paul-Ehrlich-Weg bereits im Dornröschenschlaf. Nun ist sie eingerüstet, Baumaterialien stapeln sich auf dem Parkplatz vor dem Gebäude. Demnächst werden die hinteren Gebäudeteile abgerissen.

Verkauf an Stiftung

Bad Homburg: Villa Victoria erhält ihre Würde zurück

  • Anke Hillebrecht
    VonAnke Hillebrecht
    schließen

Else-Kröner-Stiftung will im Jahr 2023 in das altehrwürdige Gebäude einziehen. Zuvor wird die historische Fassade von 1903 wiederhergestellt.

Bad Homburg -Mehr als 150 Jahre haben Spuren hinterlassen an dem einst schmucken Gebäude am Rande des Kurparks. Erbaut als klassizistischer Kubus Mitte des 19. Jahrhunderts gegenüber zu den Kuranlagen, beherbergte die Villa Victoria über mehrere Jahrzehnte Erholungsbedürftige - Kinder, Mütter, Soldaten, schließlich Kriegsblinde. 1999, in friedlichen Zeiten, erwarb die Kur- und Kongreß-GmbH das strategisch günstig liegende Grundstück samt Haus.

Jetzt hat die Kur es für 4 Millionen Euro an die Else-Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS) verkauft. Diese mit einem jährlichen Fördervolumen von mehr als 60 Millionen Euro größte Medizin fördernde Stiftung Deutschlands hatte nach einem neuen Firmensitz gesucht, nachdem sie die Quandt-Häuser wegen Eigenbedarfs verlassen musste. "Wir wollen in Bad Homburg bleiben", erklärt Vorstand Prof. Dr. Michael Madeja. Hier habe Stifterin Else Kröner den Grundstein gelegt für den von ihr aufgebauten weltweiten Konzern Fresenius, der ebenfalls seinen Sitz in Bad Homburg hat.

Das Gebäude, das im Laufe der Jahre immer wieder erweitert wurde und im Innern keine historischen Spuren mehr aufweist, wird komplett entkernt; das im hinteren Bereich liegende Bettenhaus sowie der Zwischentrakt - beide entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg - werden abgerissen. Die historische Fassade im Stil der italienischen Hochrenaissance wird aufgearbeitet und in den ursprünglichen Zustand von 1903 zurückversetzt. Dafür wird statt des Metallgitters wieder eine steinerne Balustrade den Balkon zieren; die Fenster werden ihre alten Verzierungen und Fensterläden erhalten und das Bodenniveau angehoben, so dass das Kellergeschoss nicht mehr "wie freigelegte Zahnhälse" wirke, so Madeja, der den Umbau als Geschenk für die Stadt bezeichnete.

Für die Kurstadt sei der Umbau durch den neuen Eigentümer ein "immenser Gewinn", sagte OB Alexander Hetjes (CDU): Die Stiftung bleibt in der Stadt, die Kur bekommt Geld in die (Corona-gebeutelte) Kasse und die Bürger könnten sich künftig an der sanierten Fassade erfreuen, die ein bisschen alten Kur-Glanz wiederbringt. Die Villa erhalte wiederum ihre Würde zurück.

Abriss Bettenhaus und neuer Anbau hinten

Kurdirektor Holger Reuter betonte, dass mit der EKFS, die sich der Förderung medizinischer Forschung und Unterstützung humanitärer Projekte verschrieben hat, eine Kur-affine Einrichtung an den Kurpark-Rand ziehe. Vergessen die Pläne, als die Kur vor sechs Jahren hier Wohnungen hatte bauen wollen - was die Politik damals vereitelte. Jetzt sei der Zeitpunkt, die einzige Stelle am Kurpark, wo die Stadt "die Hand drauf" habe, städtebaulich bewahrend einzupassen. Und die lange Geschichte der Stiftung passe da auch gut.

Außen hui, innen pfui - als Stiftungsvorstand Madeja das erste Mal in dem seit 2002 leerstehenden Gebäude war, wäre er am liebsten gleich wieder gegangen. Abgehängte Decken, zerkratztes Stäbchenparkett, oller Teppich empfingen ihn sowie diverse Schäden an der Bausubstanz; zwecks Statiksicherung wurden bereits Stahlträger eingezogen. Madeja hofft, mit 6 Millionen Euro Umbaukosten auszukommen und mit seinen 17 Mitarbeitenden im Jahr 2023 umziehen zu können.

Wie Michael Schumacher vom Architekturbüro Schneider & Schumacher erläuterte, wird der künftige Stiftungssitz eine Melange aus Alt und Neu - was zugleich eine bauliche Herausforderung sei. Stehenbleiben werde lediglich der Frontteil mit der Fassade. Im hinteren Teil wird ein stilistisch passender Neubau dem Raumbedarf der Stiftung begegnen. Kern des neuen Gebäudes wird eine große Treppenskulptur, deren Form mit Blick auf die Historie an das Unendlichkeitszeichen erinnert.

"Bei uns muss jeder mit jedem kommunizieren", berichtet Madeja. "Trennende Etagen" seien schwierig, viele Idee entstünden im "informellen Kontakt", durchaus auch im Treppenhaus. Der künftige Stiftungssitz wird aber der internen Nutzung vorbehalten bleiben; etwaige Veranstaltungen finden anderswo statt.

Warum die Villa den Namen Victoria trägt, können Kur und EKFS nur vermuten. Madeja geht davon aus, dass Namensgeberin die englische Kronprinzessin und spätere Kaiserin Victoria war. "Wir wollen den Namen erhalten", sagt er. Er passe zur Stiftung: Die Kaiserin sei modern gewesen und eine starke Frau - wie auch Else Kröner. Von Anke Hillebrecht

Wer hat ein Foto von 1903?

Bei der EKFS würde man sich freuen, wenn Bürger noch alte Fotos, Postkarten oder sonstige Ansichten dieser historischen Fassade von 1903 hätten. Die Stiftung ist unter kontakt@ekfs.de oder Telefon (0 61 72) 89 75-0 erreichbar.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare