21 solcher Sirenen stehen mittlerweile in Bad Homburg.
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21 solcher Sirenen stehen mittlerweile in Bad Homburg.

Konzept für Ernstfall

Warnen auf mehreren Kanälen: „Bürger brauchen schnelle und verlässliche Informationen“

  • Harald Konopatzki
    VonHarald Konopatzki
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Im Krisenfall lässt Bad Homburg nicht nur die Sirenen heulen. Das städtische Konzept sieht Warnung und Information vor. Dazu werden unterschiedliche Kanäle bespielt.

Bad Homburg -Der Leiter der Bad Homburger Feuerwehr, ist defensiv, wenn es um die Idee eines Probealarms für das auf mittlerweile 21 Sirenen aufgestockte Warnnetz der Kurstadt geht. "Das ist technisch das Modernste, was es am Markt gibt. Wenn wir das jetzt alles gleichzeitig auslösen, hört sich das nach Weltuntergang an", ist Branddirektor Daniel Guischard überzeugt. Das könnte Verwirrung stiften, selbst wenn man die Bürger lange und intensiv darauf vorbereitet.

Die Vermeidung von Irritationen bei Gefahrenlagen oder Einsätzen ist denn auch jetzt, wo das akustische Warnnetz nur noch in Feinheiten nachjustiert werden muss, einer der Punkte, die ganz oben auf der Liste der Feuerwehr stehen und für die es zwei Stellschrauben gibt. Zum einen gehe es darum, gezielt zu warnen. Wenn also bei Dornholzhausen der Wald in der Nähe der Bebauung brennt, werden nur die dort hörbaren Sirenen aktiviert.

"Für die Warnung durch Sirenen gibt es eine hohe Sensibilität bei der Bevölkerung. Man darf sie nicht entwerten", warnt der Feuerwehr-Chef davor, sie zu niederschwellig einzusetzen und verdeutlicht: "Wenn in Bad Homburg die Sirenen laufen, liegt ein schweres Ereignis vor, so dass Leib und Leben gefährdet sind." Andererseits sei das Informationsbedürfnis gestiegen, schnell verbreiten sich Gerüchte, oder gar gezielte Desinformation. Deshalb sei es auch wichtig, dass die Sirenen flexibel sind, also nicht nur Sprach-Konserven abspielen können, sondern individuelle Durchsagen möglich seien.

Warnnetz in Bad Homburg: Hinweise in bürgernaher Sprache

Guischard und sein Team aus mehreren Feuerwehrangehörigen und der städtischen Pressestelle haben mittlerweile ein niederschwelliges Informationsangebot in den sozialen Netzwerken geschaffen, das rund um die Uhr reagieren, aber vor allem agieren soll. "Das gibt es ansonsten nur in größeren Städten. Wir geben Infos und Hinweise in bürgernaher Sprache, teilweise auch vor offiziellen Warnungen."

So kann die Feuerwehr beispielsweise vor einem angekündigten schweren Sturm an die Bürger appellieren, den Himmel und mögliche spätere Warnungen im Blick zu behalten - und vielleicht einen geplanten Waldspaziergang vor einer bestimmten Uhrzeit zu beenden oder zu verschieben. Nach dem Motto: Die Prognosen lassen erwarten, dass es ungemütlich wird, aber sicher ist das (noch) nicht. Auch bei einigen Einsätzen informiert die Feuerwehr mittlerweile proaktiv über mehrere Kanäle, um Gerüchte gar nicht erst aufkommen zu lassen. "Bei größeren Unfällen oder wenn viel Martinshorn zu hören ist, posten wir einfach mal einen kurzen Sachstand." Das System hat sich laut Guischard als ein "hochwirksames Instrument" erwiesen.

Ob Sirene, soziales Netzwerk oder App: Ein Schlüssel zum Erfolg sei es, zügig klare Informationen und Handlungsempfehlungen, beziehungsweise Handlungsanweisungen zu geben. "Die Bürger brauchen schnelle und vor allem verlässliche Informationen aus erster Hand", fasst Guischard zusammen. Und in der Tat: Selbst in vielen Medien geht der Unterschied beispielsweise zwischen einer Wetterwarnung, einer Unwetterwarnung oder einer Vorabinformation vor einem Unwetter häufig verloren, obwohl er für das Handeln nicht unerheblich ist.

Bad Homburg: „Gute Warn-Infrastruktur mit Sirenen absolut notwendig“

Beim Kreis hat man den hohen Stellenwert der Informationsweitergabe bereits im Warnkonzept etabliert, wie Wolfgang Reuber, Projektmanager für Sonderlagen, erklärt. Über die entsprechende Software sollen unter anderem Textbausteine schnell ergänzt und auf die Apps gespielt werden können, so dass dem Nutzer die Auswirkungen einer für ihn abstrakte Gefahr konkret vor Augen geführt werden.

Das befürwortet auch Norbert Fischer, Chef des Nassauischen Feuerwehrverbands. "Wir halten eine gute Warn-Infrastruktur mit Sirenen für absolut notwendig", aber auch die Information darüber sei essenziell. "Wir müssen die Bevölkerung schulen: Was mache ich, wenn die Sirene geht?" Deswegen favorisiert auch Fischer eine Kombination aus akustischer Warnung, Warn-Apps und die Einbeziehung von Rundfunk und Fernsehen. Guischard sieht auch die Bürger mit in der Verantwortung, wenn es um Prävention geht. "Es gibt viel Wissen, was mündige Bürger abrufen können."

Zu der jetzt vom Bund in die Wege geleiteten Einführung einer Warnung über SMS, die an alle Mobiltelefone in einem bestimmten Bereich unabhängig vom Netzanbieter versendet wird, sagt Norbert Fischer: "Das haben der Landesfeuerwehrverband und der Deutsche Feuerwehrverband schon 2012 gefordert - jetzt greift man es auf . . .

Guischard ärgert bei der aktuellen Diskussion, dass das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in die Schusslinie geraten ist. "Das BBK ist nicht für die Warnung der Bevölkerung zuständig, das ist Aufgabe der Kommunen." Stattdessen sei das BBK eine Einrichtung des Bundes, die die Kommunen unter anderem mit wissenschaftlichen Schriften versorgt. "Und so gehen auch die bereits 2007 begonnenen Initiativen in Bad Homburg auf Schriften des BBK zurück", betont Guischard. (Von Harald Konopatzki)

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