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Bad Homburg: Wie viele Fledermäuse gibt's im Foellerweg?

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Von: Anke Hillebrecht

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Natur-Gutachter Jens Tauchert und Johanna Velden von der Umwelt- und Landschaftsplanung im Rathaus betrachten im Unteren Mittelweg - Teil des künftigen B-Plan-Gebietes Foellerweg in Gonzenheim - eine Gruppe Linden.
Natur-Gutachter Jens Tauchert und Johanna Velden von der Umwelt- und Landschaftsplanung im Rathaus betrachten im Unteren Mittelweg - Teil des künftigen B-Plan-Gebietes Foellerweg in Gonzenheim - eine Gruppe Linden. © ahi

Naturberater kartieren das Areal, ein B-Plan ist in Arbeit. Dieser soll zeigen, wie das Wohngebiet "behutsam weiterentwickelt" werden kann.

Bad Homburg-Gonzenheim - Eine Etage, klassisches Satteldach mit Gauben, Garten drumrum - der Foellerweg und Umgebung ist ein Wohngebiet wie aus dem Bilderbuch. Fast fühlt man sich in die 1960er Jahre zurückversetzt. Damit diese Idylle so bleibt, hat das Stadtparlament im Juni 2020 nach langer und kontroverser Debatte beschlossen, einen Bebauungsplan für das Gebiet zwischen Feldstraße, Gotenstraße, An den Satteläckern und Lange Meile aufzustellen, um den "Charakter des Gebietes" zu bewahren.

Die Pläne ansässiger Bauwilliger, ein größeres Haus in dem Gebiet zu errichten, hatten die Stadtverwaltung veranlasst, hier tätig zu werden. Denn aus der Nachbarschaft hatte es Beschwerden gegen das geplante Zweifamilienhaus gegeben. Das Bauprojekt im südlichen Gonzenheim beschäftigte bald auch das Regierungspräsidium und ein Landesministerium. Nach einigem Hin und Her erhielten die Bauwilligen kurz vor Ausbruch der Pandemie dann doch die Genehmigung, ihr Haus zu bauen.

Der Bebauungsplan (B-Plan 140) indes ist bei der Stadt noch in Arbeit. Eine Bestandsaufnahme aller Gebäude mit Farbgebung und Anzahl der Gauben hat die Verwaltung aber bereits erstellt. Bislang gilt, dass sich Bauwillige an der vorhandenen Bebauung - also den Einfamilienhäusern - zu orientieren haben. Doch klar ist auch, dass in der Stadt (zusätzlicher) Wohnraum gebraucht wird - daher soll der neue B-Plan den Rahmen vorgeben, in dem das Gebiet "behutsam weiterentwickelt" werden kann. Noch zu klären ist zum Beispiel, ob auch Anbauten erlaubt sein sollen. "Wir prüfen, ob ein beschleunigtes Verfahren möglich ist", erläutert Johanna Velden, die im Rathaus für den Bereich Umwelt und Landschaftsplanung zuständig ist. Dafür müssen zunächst die Umweltbelange geprüft werden. Generell sind für den Vorentwurf neuer B-Pläne Gutachten notwendig.

Seit März durchstreifen zu verschiedenen Tageszeiten Mitarbeitende der "Beratungsgesellschaft Natur" das Gebiet - ausgenommen ist der Bereich an der Friedrich-Ebert-Schule, wo bereits ein Bebauungsplan gilt. Mit dem Tablet erfassen sie die Baumanzahl sowie das Vorkommen geschützter Tierarten. "Wir bestimmen Art und Dicke der Bäume", erläutert Chef-Berater Jens Tauchert. Die städtische Baumschutzsatzung gibt vor, was erhalten werden muss: Laubbäume, deren Stamm dicker als 90 Zentimeter ist, und Nadelbäume ab 1,20 Meter Stammumfang.

GPS erfasst jeden Baum

Etwa 500 relevante Bäume gibt es laut Tauchert in vergleichbaren Wohngebieten. Per GPS wird dem Diplom-Biologen jeder Baum angezeigt; und wenn die Sonne nicht zu sehr blendet wie an diesem Vormittag, ist die Kartierung im Vergleich zu Klappbrett-Zeiten schnell erledigt. So können auch Bäume in Privatgärten erfasst werden, ohne dass die Berater hineingehen müssen.

Meist in den frühen Morgenstunden sind Taucherts Mitarbeiter unterwegs, die den Blick auf die Tiere werfen. Das Frühjahr ist eine gute Zeit, um Vögel zu sichten; mehr und mehr Piepmätze kommen in Gonzenheim an. Es ist Paarungszeit. Früh morgens hört man ihre Rufe. Die Umweltberater sichten Nester und Bruthöhlen an den Häusern. "Gebäudebrüter sind Spatzen, Mehlschwalben, Rotschwänzchen und Mauersegler", erklärt Tauchert.

Im Juli kann das Aufkommen gebäudenutzender Fledermäuse analysiert werden. Hierbei werden sich die Umweltexperten nicht allein auf ihre Augen verlassen können, denn "die häufigste Siedlungsbewohnerin ist die Zwergfledermaus". Wie so oft hilft hier eine Handy-Software: Mittels eines Steckers auf dem iPhone (ähnlich einem Blitz auf alten Kameras) werden die fürs menschliche Ohr nicht hörbaren Rufe der Fledermäuse über die Ultraschallwellen erfasst. Und warum sind Fledermäuse so schützenswert? "Schon allein, weil sie bis zu 1000 Schnaken pro Nacht fressen", erklärt Tauchert mit einem Augenzwinkern.

Der Foellerweg - eine idyllische Wohngegend mit kleinen Häusern. Damit dies so bleibt, soll ein neuer B-Plan erstellt werden.
Der Foellerweg - eine idyllische Wohngegend mit kleinen Häusern. Damit dies so bleibt, soll ein neuer B-Plan erstellt werden. © ahi
Mit diesem Sonorgerät kann Tauchert die Ultraschallwellen von Fledermausrufen messen.
Mit diesem Sonorgerät kann Tauchert die Ultraschallwellen von Fledermausrufen messen. © ahi

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