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Bad Homburg: Zahlen muss am Ende die Stadt

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Von: Harald Konopatzki

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Die Betreuungsangebote für Grundschüler in der Stadt sind ein bunter Mix, wie hier symbolisch die „Cocktailbar“ der Betreuung der Paul-Maar-Schule zeigt.
Die Betreuungsangebote für Grundschüler in der Stadt sind ein bunter Mix, wie hier symbolisch die „Cocktailbar“ der Betreuung der Paul-Maar-Schule zeigt. © ksp

Bei den Grundschul-Betreuungsplätzen besteht Handlungsbedarf. Der Mangel ist teilweise dramatisch.

Das Portal „Little Bird“, mit dem Bad Homburger Eltern einen Betreuungsplatz für ihren Nachwuchs suchen und im Idealfall auch finden können, zeigt, dass aktuell für 131 Grundschüler ein Betreuungsplatz fehlt. „Fehlbedarf“ heißt das im Amtsdeutsch - und der zieht sich fast durch die komplette Stadt, wie die Mitglieder des Jugend- und Sozialausschusses bei ihrer jüngsten Sitzung erfuhren. Lediglich im Bereich der Grundschule Dornholzhausen gibt’s derzeit einen rechnerischen Überschuss von 14 Plätzen, für den Schulbezirk der Maria-Scholz-Schule geht es Null auf Null auf. Den größten Bedarf gibt’s aktuell an der Hölderlinschule (44 Plätze), fast gleich ist der Bedarf an der Ketteler-Francke-Schule (26 Plätze), Paul-Maar-Schule (25) und Friedrich-Ebert-Schule (22). In Ober-Eschbach fehlen aktuell 18 Plätze, an der Landgraf-Ludwig-Schule zehn.

Dieser Fehlbedarf wird in den kommenden Jahren nicht geringer werden. Denn bei der Stadt geht man davon aus,dass die Nachfrage noch einmal steigen wird, wenn von 2026 an sukzessive der Rechtsanspruch auf einen Grundschul-Betreuungsplatz zu greifen beginnt. Daher hat man sich in Bad Homburg vorsorglich zum Ziel gesetzt, mittelfristig für 75 Prozent der theoretisch anspruchsberechtigten Kinder einen Platz vorzuhalten. Müsste dieses Ziel schon jetzt erreicht sein, bräuchte es - die Nachfragesteigerung durch die Neubaugebiete eingerechnet - 326 zusätzliche Plätze, wie der Aufstellung der Verwaltung zu entnehmen ist. Die höchsten Bedarfe gäbe es dabei im Bereich der Ketteler-Francke-Schule (123 Plätze) und der Grundschule Ober-Eschbach (108 Plätze).

Derzeit beträgt die sogenannte Versorgungsquote bezogen auf die Gesamtstadt 66,2 Prozent. Heißt: Für 2539 Kinder im Grundschulalter stehen 1682 Ganztagsplätze in den Betreuungszentren, Betreuten Grundschulen und in Spiel- und Lernstuben zur Verfügung.

Viele Fragen muss das Land noch klären

Der Ausschuss sollte die Zahlen (Lesen Sie dazu die Box) zur Kenntnis nehmen, trotzdem gab es eine ausführliche Diskussion beziehungsweise etliche Nachfragen. Denn es gibt zwar die Gewissheit, dass Plätze benötigt werden, vieles andere ist jedoch noch völlig unklar - und liegt nur bedingt in den Händen der Stadt. „Viele Entscheidungen hat das Land den Schulen überlassen“, informierte Stadträtin Lucia Lewalter-Schoor (SPD). So ist es Sache der Schulgemeinde zu entscheiden, ob und welche Nachmittagsangebote etabliert werden. So gibt es etwa den „Pakt für den Nachmittag“. „Die Art des Angebots wiederum wirkt sich auf die benötigten Betreuungskapazitäten aus.“

Gabriele Bernhard von der Verwaltung informierte das Gremium: „Es gibt eine Arbeitsgruppe von Kultus- und Sozialministerium, weil es zwar einen Rechtsanspruch geben wird, es aber noch keinerlei Durchführungsverordnung gibt.“ Auch sei unklar, wie die zur Verfügung stehenden Bundes- und Landesmittel verteilt würden.

Rechtsanspruch besteht gegenüber der Stadt

Auf Nachfrage von Elke Barth (SPD), ob denn jede Schule selbst entscheiden könne, welchen Weg sie gehe, („dann sind der Stadt die Hände gebunden“), verdeutlichte Lewalter-Schoor: „Die Schule kann selbst wählen, welches Angebot sie macht - der Rechtsanspruch der Eltern besteht aber gegenüber der Stadt.“ Wenn eine Schule keinen Pakt will, sei es derzeit so, dass die Stadt in die Bresche springen müsse. Und alleine mit der vom Kreis organisierten Betreuung werde man den Bedarf nicht decken können.

Man sei nicht untätig, werde den Städtetag anschreiben und sei auch mit dem Kreis im Austausch. So soll eine „Stabsstelle Ganztag“ dabei helfen, ein Ganztagesprogramm vorzubereiten. Der Kreis berät die Schulen gemeinsam mit dem Staatlichen Schulamt sowie dem Kultusministerium zu den verschiedenen Ganztagesmodellen Profil 1-3 und dem Pakt für den Nachmittag.

Wie hoch der Bedarf in Hessen genau ist, steht übrigens noch gar nicht fest. „Es gibt Bestrebungen, den Bedarf für Hessen zu ermitteln - noch gibt es Unterschiede und teilweise Überschneidungen bei den Daten“, informierte Bernhard. Dabei, so erfuhren die Politiker, koste ein städtischer Hort-Platz die Kommune rund sechsmal so viel wie ein Platz im Betreuungszentrum, „wir zahlen für die Horte schon jetzt über 500 000 Euro pro Jahr, das geht eher in Richtung eine Million Euro“, so Lewalter Schoor, die ankündigte, keine weiteren Hort-Plätze mehr aufbauen zu wollen. Für bestehende Hort-Plätze gelte aber Bestandsschutz. Dass die Betreuungszentren preiswerter seien, liege an den hohen Auflagen für Horte. So oder so: „Es wird nicht gehen, ohne viel Geld in die Hand zu nehmen“, bilanzierte Daniela Kraft (Grüne). Sie betonte auch, dass es weiterhin Horte brauche. „Dort sind die Fachkräfte, und es gibt Kinder, die die brauchen.“ Die Betreuungssituation werde „auf lange Sicht ein Puzzle bleiben müssen“, es werde „Jahrzehnte dauern, bis ein einheitliches Level erreicht wird“, so Kraft, die forderte: „Das Land muss sich bei der Finanzierung der Horte bewegen.“

Die Bedeutung dieser Einrichtungen griff auch Lewalter-Schoor auf. „Wir brauchen sie für Kinder, die von den anderen Angeboten ausgeschlossen sind, weil sie einen hohen Betreuungsbedarf haben.“ Dabei müsse sich aber auch etwas an der Platzvergabe ändern. Entscheidend müsse künftig der Bedarf sein und nicht wer am schnellsten einen Antrag für die Betreuungsform stelle. „Dazu braucht es aber Kriterien.“ Andererseits, mahnte Kraft, dürften die Horte nicht zu „Sammelbecken von Systemsprengern“ werden. „Es geht nicht, dass nur Kinder mit Problemen die Horte besuchen. Dann fliegt uns das um die Ohren“, so Kraft. Auch Barth mahnte, dass man „alle Arten von Betreuung“ brauche. Während sie „auf echte Ganztagsschulen“ hofft und Erik Plumpe (FDP) Flexibilität bei den Abholzeiten forderte, verlangte Dr. Simone Farys-Paulus (SPD), dass die Qualität in den Einrichtungen möglichst gleich sein solle, „ansonsten wäre es eine reine Aufbewahrung“.

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