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Die Vilbeler Straße in Ober-Erlenbach soll ab der Einmündung Beudeweg Tempo 30 bekommen.

Mehr Tempo 30

Bad Homburg: Zeichen stehen auf Entschleunigung

  • Harald Konopatzki
    vonHarald Konopatzki
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In Bad Homburg sollen weitere Straßen eine Geschwindigkeitsbeschränkung bekommen - und auch ein neuer Blitzer soll in der Kurstadt für mehr Sicherheit und Entschleunigung sorgen.

Bad Homburg -Bei den Menschen heißt es "50 ist das neue 30", auf der Straße ist es genau umgekehrt. Wer kann sich heute noch vorstellen, dass auf damals noch weitestgehend unbeparkten Seiten- und Nebenstraßen Tempo 50 erlaubt war? Auch die klassischen Ortsdurchfahrten und innerörtlichen Verbindungswege geraten zunehmend in den Blick. In Ober-Eschbach ist die Ober-Eschbacher Straße bereits vor einigen Wochen bis zur ehemaligen Kreisgrenze zum Obertaunuskreis auf 30 Kilometer pro Stunde gedrosselt worden. Tempo 30 soll auch bald (wieder) auf der Ritter-von-Marx-Brücke gelten. Und eine der Möglichkeiten, die in der Auftragsvergabe für das städtische Verkehrskonzept erwähnt wurden, das derzeit erstellt wird und Mitte kommenden Jahres vorliegen soll, sind "anordnungsrechtliche Maßnahmen wie Tempo 30 auf Hauptachsen".

Am Dienstagabend hat sich der Ortsbeirat Ober-Erlenbach einstimmig dafür ausgesprochen, die Vilbeler Straße zumindest zwischen der Einmündung des Beudewegs und dem Steinkleeweg zu entschleunigen. Auch wenn die Ortsbeiräte normalerweise Initiativen starten oder zumindest früh einbezogen werden, war das Votum diesmal lediglich eine Bekräftigung.

Parlament ebnet den Weg

Denn bereits am Donnerstag hatte die BLB in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung einen entsprechenden Antrag eingebracht, der einstimmig angenommen wurde. Manfred Heckelmann (BLB) hatte zuvor begründet, dass in diesem Bereich eine "Verkehrsberuhigung dringend geboten" sei und die Vilbeler Straße noch immer als Schleichweg für den Durchgangsverkehr herhalte, wenn es auf der Autobahn oder der Umgehung stocke. "Und der Verkehr am Hühnerstein wird mit dem Baufortschritt weiter zunehmen." Zudem würden dort künftig viele Kinder die Straße im Bereich von Schule und projektierter Kita queren. Auch die neuen Bushaltestellen waren bei den Planungen für diesen Bereich vorgesehen.

Für die Grünen stellte Margit Corbeaux klar, dass man sich ohnehin flächendeckend Tempo 30 in der Stadt wünsche. "Das hat das Parlament aber abgelehnt. Deswegen schließen wir uns jetzt der Strategie ,klein, klein' an. Dann wird jede Straße extra beantragt." Dieser Ankündigung folgt eine Initiative in der nächsten Sitzung des Verkehrsausschusses am kommenden Mittwoch. Die Grünen wollen dort beantragen, die Urseler Straße zwischen Hindenburgring/Hessenring und der Kreuzung mit der Frölingstraße beziehungsweise Berliner Straße mit Tempo 30 auszuweisen. Dieser Abschnitt sei ein "wichtiger Schulweg für Grundschüler der Hölderlinschule sowie für Schüler der Humboldtschule - zu Fuß und mit Fahrrädern", begründen die Grünen den Vorstoß.

Dass zumindest für die Vilbeler Straße auch die CDU Ober-Erlenbach schon länger hinter der Geschwindigkeitsbegrenzung steht, betonte Sighild Drnikovic im Parlament. "Wir haben schon 2011 einen entsprechenden Antrag gestellt, damals ging es noch nicht, weil es noch eine übergeordnete Straße war." Ohnehin sei geplant, die Vilbeler Straße, ist das Baugebiet Hühnerstein erst einmal fertig, verkehrlich zu beruhigen. Am Ortseingang wird ein Kreisel für Entschleunigung sorgen, erinnerte Drnikovic.

Weitere Säulen sollen folgen

Auch außerorts gibt's Geschwindigkeitsbegrenzungen - an einigen Stellen werden diese aber eher als unverbindliche Hinweise denn als Vorschrift interpretiert. Deswegen wurde am Dienstag auf der Zeppelinstraße auf Höhe des Landratsamt ein stationärer Blitzer installiert. Auf der Straße zwischen Kreishaus und Klinik-Gelände gilt Tempo 60. "Messungen haben ergeben, dass dort eher im Schnitt 70 bis 80 gefahren wird, teilweise sogar mit bis zu 100 Kilometern pro Stunde", erklärt Stadtsprecher Marc Kolbe. Eine zweite Säule für die beiden Spuren der Gegenrichtung werde bald aufgestellt.

Die für Ordnungsangelegenheiten zuständige Stadträtin Lucia Lewalter-Schoor (SPD) ergänzt: "Die Ein- und Ausfahrt zur Klinik und Rettungswache ist ein neuralgischer Punkt mit einer erhöhten Gefahrenlage", es komme vor, dass Einsatzfahrzeuge, die mit Sondersignal unterwegs sind, von zu schnellen Fahrern nicht rechtzeitig wahrgenommen würden, was schon zu brenzligen Situationen geführt habe. Die Landespolizei sei in die Überlegungen einbezogen worden und habe sich bezüglich des Standorts ebenfalls positiv geäußert.

Kolbe betonte, dass es sich bei den Blitzer-Säulen um "faire" Anlagen handele. "Da wird nicht aus einem Gebüsch heraus geblitzt, die Säulen sind gut und von Weitem zu sehen."

Im kommenden Jahr sollen zwei weitere Säulen im Stadtgebiet installiert werden. Eine Säule soll Schnellfahrer in der Urseler Straße auf Höhe der Hölderlinschule bremsen, eine weitere ist für den Kreuzungsbereich Hessenring / Am Hohlebrunnen vorgesehen.

"Dort gibt es auch immer wieder Autofahrer, die deutlich zu schnell in Richtung Pappelallee unterwegs sind", begründet Kolbe. Und weil dabei offenbar gerne auch mal die Ampel auf den letzten Drücker genommen wird, soll geprüft werden, ob auch sogenannte Rotlichtverstöße automatisch erfasst und geahndet werden können. Dafür hatte sich auch die Politik im vergangenen Jahr stark gemacht. von Harald konopatzki

Auf Höhe des Landratsamts wurde am Dienstag auf der Zeppelinstraße ein neuer stationärer Blitzer montiert.

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