Standbild aus dem Video der Künstlerin Andrea Bowers "My Name Means Future". Der 51-minütige Film über eine Indigene in den USA und ihre Sicht auf Natur kommt in den nächsten Tagen auf die Museums-Webseite.
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Standbild aus dem Video der Künstlerin Andrea Bowers "My Name Means Future". Der 51-minütige Film über eine Indigene in den USA und ihre Sicht auf Natur kommt in den nächsten Tagen auf die Museums-Webseite.

Sinclair-Haus

Bad Homburg: Zu Hause bleiben und ins Museum gehen

  • vonWolfgang Rüdell
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"Was ist Natur?" Sinclair-Haus in Bad Homburg liefert auch digital aufschlussreiche Antworten.

Bad Homburg - Kommen wegen Corona die Besucher nicht ins Museum, kommt das Museum eben zu ihnen. Das Internet macht's möglich.

Mit einem virtuellen Ausstellungsrundgang ist es allerdings nicht getan. Vielmehr kommt es darauf an, das Thema der Ausstellung auf neuen Wegen und in neuen Formaten aufzubereiten. Und dabei hat das Team des Museums Sinclair-Haus in Bad Homburg sich einiges einfallen lassen.

Schon der Titel der aktuellen Ausstellung "Was ist Natur?" macht die Dimension der Aufgabe deutlich: die vielfältigen Aspekte der existenziellen Grundlage aller Dinge, der Natur, auf absolut künstlichem Weg, digital, verstehbar zu machen.

Mit neuem Gesicht präsentiert sich schon der Internetauftritt des Museums, dessen Träger nun auch im Namen seinen Schwerpunkt nennt: Aus der "Stiftung Nantesbuch" wurde die "Stiftung Kunst und Natur". Das digitale Angebot bietet eine breite Palette unterschiedlicher Beiträge zum Anklicken wie Videoclips und Kurzfilme.

"Wir erleben selbst, dass uns vor allem Begegnungen und Interaktion fehlen", erklärt Claudia Praml, Leiterin der Kommunikation des Museums Sinclair-Haus, die Problematik der aktuellen Situation. "Online-Angebote können diesen Mangel ein bisschen überbrücken und einen zumindest kurzfristig aus dem Heim-Alltag hinaustragen." Wie sie berichtet, erfreuen sich die digitalen Angebote einer "schönen positiven Resonanz". Dem Museum biete es auch "die Möglichkeit, unsere Inhalte über die Grenzen der Kulturregion Rhein-Main hinweg bekannter zu machen".

"Was ist Natur, was bedeutet mir Natur?" In die Fragestellung führt Kathrin Meyer, neue Direktorin des Museums, in einem der "#museumsinclairclips" in die erste von ihr kuratierte Ausstellung ein. Ihr geht es um die Reflexion von Fragen wie: "Was begreifen wir als Natur? Wie verorten wir uns zu anderen Lebewesen?" Es komme darauf an, "innezuhalten, Abstand zu gewinnen" und "das vermeintlich Bekannte mit neuen Augen zu sehen". In den nächsten Tagen soll ein Video der Künstlerin Andrea Bowers ("My Name Means Future", 2020) die Homepage des Museums bereichern. In dem 51-minütigen Film geht es um eine 16 Jahre alte Indigene aus den USA, ihre Identität und ihre Sicht auf die Natur.

Der Frage nach dem Wesen der Natur geht auch eine aufschlussreiche Diskussion nach, in deren Mittelpunkt die Koexistenz von Natur und menschengemachter Technik an einer aufschlussreichen Schnittstelle steht, die praktisch vor der Haustür liegt: am Frankfurter Flughafen. Ein Text zu dieser Frage entstand auch für das Buch zur Ausstellung, das Kathrin Meyer hier vorstellt. Der Wissenschaftshistoriker Nils Güttler untersucht die Koexistenz der verschiedenen Lebensformen in diesem Umfeld.

Der Ornithologe Bernd Petri, den Zuschauern der HR-Sendung "Alle Wetter" mit seinen regelmäßigen Beobachtungsberichten zum Leben der Vogelwelt im Hessischen Ried bestens bekannt, erläutert, wie eine technische Großanlage wie der Flughafen auch Entwicklungsmöglichkeiten für die Natur entstehen lässt.

Keine Notlösung, sondern Bereicherung

Natur beinhaltet aber mehr Aspekte als ihre "sachliche" Seite. Sie spricht den Menschen auch emotional an und lässt ihn über seine kulturellen Eigenheiten nachdenken. In vier Kurzfilmen des Regisseurs Kornelius Eich stellen Schauspieler anhand von Exponaten mit literarischen und lyrischen Texten Fragen zum Wesen der Natur und wagen einen Blick in eine finstere Zukunft ohne Menschen und Natur.

Auch auf verschiedenen Podcast-Plattformen bietet das Museum Auseinandersetzungen mit den Themen der Ausstellung. Dort sind drei Hörbeiträge zu finden, in denen die HR-Journalistin Bianca Schwarz in Gesprächen ebenfalls der Frage nachgeht: "Was ist Natur?"

So ist das digitale Angebot keine Notlösung, sondern vielmehr eine Bereicherung des Ausstellungsprogramms des Museums Sinclair-Haus. Direktorin Kathrin Meyer ist sich sicher: "Das Digitale eröffnet neue Räume des Erlebens, auch über die Zeit der Pandemie hinaus." Die "richtige" Ausstellung hingegen gibt es auch noch: Bis 22. August bleibt sie im Wartestand. "Das wird ein schöner Tag", bleibt Kathrin Meyer optimistisch hinsichtlich der Möglichkeit, bis dahin doch noch zu öffnen. Wolfgang Rüdell

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