Eigentum ist nach wie vor heiß begehrt: Im vergangenen Jahr wurden vor allem in Ober-Erlenbach Am Hühnerstein einige Doppelhaushälften verkauft, insgesamt in Ober-Erlenbach 27, der mittlere Kaufpreis lag bei 719 000 Euro. Foto: JP
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Eigentum ist nach wie vor heiß begehrt: Im vergangenen Jahr wurden vor allem in Ober-Erlenbach Am Hühnerstein einige Doppelhaushälften verkauft, insgesamt in Ober-Erlenbach 27, der mittlere Kaufpreis lag bei 719 000 Euro.

Große Nachfrage nach zusätzlichem Zimmer, Balkon oder Terrasse

Bad Homburger Immobilienpreise bleiben weiter auf hohem Niveau

Wer sich in der Kurstadt ein Haus oder eine Eigentumswohnung leisten will, muss tief in die Tasche greifen. Der Gutachterausschuss hat jetzt seinen jährlichen Bericht vorgelegt.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf den Bad Homburger Immobilienmarkt? Mit dieser Frage hat sich der Gutachterausschuss für Immobilienwerte für den Bereich der Stadt bei der Erstellung seines Immobilienmarktberichts 2021 eingehender befasst. Eines gleich vorweg: "Anhand der erfassten Kaufverträge in 2020 ist deutlich festzustellen, dass derzeit durch die bestehende, Pandemie-bedingte Gesamtentwicklung in der Wirtschaft und in der Gesellschaft, insbesondere beim Kauf- und Veräußerungsverhalten, tendenziell keine besonderen Auswirkungen und Abweichungen auf den hiesigen Immobilienmarkt bestehen", fasst der Vorsitzende des Gutachterausschusses, Stefan Wegfahrt, die Antwort zusammen. So bestehe in Bad Homburg also nach wie vor eine hohe Nachfrage nach Wohnraumimmobilien, die auch weiterhin eine Steigerung der Kaufpreise erkennen ließen, wenngleich eine geringere als bisher.

In Zahlen ausgedrückt: Mit Immobilien ist weiterhin viel Geld zu machen. 2020 lag der Geldumsatz in diesem Geschäft bei 469,6 Millionen Euro (30,4 Millionen für unbebaute Grundstücke, 335,8 für bebaute, 103,4 für Wohnungseigentum), 2019 lag der Gesamtumsatz bei 393,9, 2018 bei 388,7 Millionen Euro.

Freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser nehmen im Wohnungsbau weiterhin eine herausragende Stellung ein. Zusammen mit Doppelhaushälften, Reihenmittelhäusern sowie Reihenendhäusern erreichten sie einen Geldumsatz von 99,8 Millionen Euro, die Kaufpreise in diesem Immobilienbereich blieben gegenüber 2018 im Umsatz weitgehend konstant.

59 freistehende Einfamilienhäuser wurden 2020 gehandelt, bei Preisen zwischen 320 000 und 2,9 Millionen Euro und einer mittleren Wohnfläche von 181 Quadratmetern. Dabei gilt, dass Einfamilienhäuser in Bad Homburg-Zentrum immer noch deutlich teurer gehandelt werden (im Mittel mit 1,24 Millionen Euro) als Einfamilienhäuser etwa in Ober-Eschbach (765 000 Euro). "Das liegt aber auch daran, dass die mittlere Wohnfläche von bereits bestehenden Häusern in Ober-Eschbach auch kleiner ist als die mittlere Wohnfläche etwa in Bad Homburg oder Dornholzhausen", weiß der Geschäftsführer der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses, Michael Stauder.

Apropos: Im vergangenen Jahr wurden vor allem in Ober-Erlenbach Am Hühnerstein einige Doppelhaushälften verkauft, insgesamt in Ober-Erlenbach 27 davon, der mittlere Kaufpreis lag bei 719 000 Euro. Deutlich teurer war allerdings das einzelne Doppelhaus, das in Dornholzhausen über den Tisch ging: Der Käufer zahlte 1,23 Millionen Euro. Aber auch hier galt: Die Doppelhaushälften in Erlenbach sind mit einer mittleren Wohnfläche von 155 Quadratmetern natürlich kleiner als die 180-Quadratmeter-Doppelhaushälfte in Dornholzhausen.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 45 Doppelhäuser in Bad Homburg und seinen Stadtteilen verkauft. Außerdem wurden 15 Reihenmittelhäuser zu einem Durchschnittspreis von 572 000 Euro verkauft, 18 Reihenendhäuser zu einem Durchschnittspreis von 617 000 Euro, 7 Zwei- und Dreifamilienhäuser zu einem Durchschnittspreis von 1,089 Millionen Euro und 8 Mehrfamilienhäuser zum Durchschnittspreis von 1,370 Millionen Euro,

Auffällig sei, dass sogar lange leerstehende Immobilien, also "Ladenhüter", gekauft wurden. Stauder sagt: "Neben der Suche nach Anlage- und Entwicklungsmöglichkeiten hilft bei solchen Entscheidungen auch das niedrige Zinsniveau." Und vielleicht auch die Spekulation darauf, auf einem Grundstück eines bisher vielleicht Einfamilienhauses ein Zweifamilienhaus mit vier oder fünf Wohnungen errichten zu können.

Auch auf die Bodenrichtwerte hat das Auswirkungen: Sie liegen für Wohnbauflächen im Einfamilienhausbereich zwischen 825 Euro pro Quadratmeter (in mittlerer Wohnlage in Ober-Erlenbach) und 1650 Euro pro Quadratmeter (in sehr guter Lage in Bad Homburg-Zentrum). Gestiegen sind die Preise für Wohnimmobilien praktisch im gesamten Stadtgebiet, und zwar, so Stauder, um rund neun Prozent. Das gilt auch für Wohnungen. Für ganz Homburgs stiegen die Kaufpreise erneut bei größeren Wohneinheiten. Die Nachfrage nach derartigen Eigentumswohnungen in überwiegend sehr guten Lagen (hohe Bodenpreise) und einer stark gehobenen Ausstattung führte nach wie vor zu über dem Durchschnitt liegenden Kaufpreisen.

Spannend findet Stauder vor allem, dass die Nachfrage nach Wohnungen mit einem zusätzlichen Zimmer oder einem Balkon oder einer kleinen Terrasse zugenommen hat. "Das sind direkte und nachvollziehbare Auswirkungen der Pandemie und des seit über einem Jahr für viele gelebten Homeoffice", sagt er. Mit Blick darauf, dass vielleicht auch künftig öfter von Zuhause aus gearbeitet werden könnte, wollten die Leute eben auch ein Arbeitszimmer - und nicht am Küchentisch acht Stunden lang Büroarbeit erledigen. Dafür seien die Käufer bereit, tiefer in die Taschen zu greifen. So lag der Durchschnittspreis pro Quadratmeter für eine Wohnung im vergangenen Jahr bei 7050 Euro bei Neubau (2019: 6194) und bei 4083 bei Wiederverkauf (2019: 3609 Euro). Stolze Preise, aber kein Vergleich zu dem, was manch anderer für eine Villa auf den Tisch gelegt hat. Zum Beispiel der Käufer einer besonderen Villa - übrigens einer von insgesamt sieben im vergangenen Jahr für mehrere Millionen Euro verkauften Villen in Bad Homburg. Er bezahlte einen Endpreis von 6,54 Millionen Euro für das Haus und erwarb damit 2020 die teuerste private Wohnimmobilie.

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