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Bad Homburger Kulturnacht: Auch dem Neustart wohnt ein Zauber inne

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Von: Evelyn Kreutz

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The Rehats trafen im Kulturspeicher den Geschmack der Zuhörer. Der Speicher des Bahnhofs war einer von elf Orten, an denen anlässlich der Kulturnacht verschiedene Veranstaltungen geboten wurden.
The Rehats trafen im Kulturspeicher den Geschmack der Zuhörer. Der Speicher des Bahnhofs war einer von elf Orten, an denen anlässlich der Kulturnacht verschiedene Veranstaltungen geboten wurden. © Evelyn Kreutz

Bei der Kulturnacht unter Corona-Bedingungen ist der Verzicht auf Spontaneität verschmerzbar

Bad Homburg -Unter Corona-Bedingungen ist alles anders. Das galt auch für die Bad Homburger Kulturnacht. Die elfte Auflage war mit Angeboten an elf Orten abwechslungsreich wie immer. Für jeden Kulturhungrigen aus der Kurstadt und ihren Nachbarkommunen war etwas dabei. Pandemie-Bedingungen verhinderten zwar das unverfängliche Lustwandeln von einer Veranstaltung zur nächsten. Dennoch, es war wieder ein Anfang.

Apropos Anfang: Das Läuten der Glocken von St. Marien und der Erlöserkirche zum Auftakt der Kulturnacht war auch weiter entfernt nicht zu überhören. Auf der Dorotheenstraße war um diese Zeit deutlich mehr Betrieb als sonst, obwohl in St. Marien die Besucher des ersten einstündigen Konzertes der Perkussion-Band "ImPuls" längst ihre Plätze eingenommen hatten, in der Erlöserkirche die erste Führung begann und in der nahe gelegenen Stadtbibliothek der erste Kurzfilm.

Im Schloss starteten die stündlichen Führungen durch den frisch restaurierten Königsflügel und im Sinclair-Haus öffnete das erste von zwei Zeitfenstern für die aktuelle Ausstellung "Tempo! Alle Zeit der Welt".

Aufs Tempo drücken, um möglichst viele Kulturangebote wahrnehmen zu können, war unter Corona-Bedingungen nicht möglich. Auch ein Bus-Shuttle gab es diesmal nicht. Festgelegte Zeitfenster, begrenzte Besucherzahlen und die Tatsache, dass man sich, außer für die Kirchen, einen Tag vorher anmelden musste, hatten offensichtlich einige Besucher abgehalten, sich überhaupt auf den Weg zu machen.

Nicht so Irmtraud Freter, die als erstes den Speicher im Kulturbahnhof angesteuert hatte. Hier kam die vierköpfige Band "The Rehats" aus Freiburg vom ersten Song an mit ihrem Stilmix aus handgemachtem Folk und Pop an. Dem Quartett um Singer-Songwriter Jojo mit Titeln wie "Nothing But The Truth" hätte man gerne länger als eine halbe Stunde zugehört. Aber genauso lange dauerte das Lüften bis zum zweiten Auftritt vor anderem Publikum.

"Mit dem Rad schaffe ich es noch zur Erlöserkirche und der Lesung von Schauspielerin Anna Staab aus dem "Tagebuch eines Schriftstellers" von Fjodor Dostojewski", meinte Freter, die sich auch noch für das Kulturzentrum Englische Kirche und den Auftritt von Zed Mitchell & Band mit Blues-Rock angemeldet hatte. Dafür hatten vier Besucher aus Neu-Anspach keine Plätze mehr bekommen. Sie meinten einstimmig: "Als Wiedereinstieg nach der langen Corona-Pause reicht uns eine halbe Stunde im Speicher mit seiner tollen Atmosphäre."

Im fast benachbarten Schaudepot im Horex Museum waren die vier nicht angemeldet. Dort konnten Besucher unter sachkundiger Leitung erkunden, welche Schätze des Städtischen historischen Museums sich, so lange das Gotische Haus renoviert wird, in Schränken und Schubladen befinden. Die Geschichten, die Museumsleiterin Dr. Ursula Grzechca-Mohr erzählte, waren spannender als ein Krimi. Zu den ausgestellten Exponaten gab es keine Frage, die der wissenschaftliche Mitarbeiter Dr. Peter Lingens nicht beantworten konnte. Weil auch immer neue Objekte dazukommen, hofft die Museumsleiterin, dass die gut besuchte Kulturnacht auch das Interesse an den normalen Ausstellungen belebt.

Das wünscht sich auch Dr. Bettina Gentzke, die Leiterin des Fachbereichs Kultur der Stadt Bad Homburg, für die Villa Wertheimber. Die Führungen durchs Stadtarchiv waren ausgebucht. Auch die Auswahl aus der umfangreichen Postkartensammlung und das neue Hölderlin-Kabinett seien gut angekommen. Ebenfalls lohnenswert war ein Blick in den Dorischen Tempel direkt gegenüber der Villa. Das restaurierte Wandrelief vom Heiligen Michael war ein Hingucker. Dazu passten die ausdrucksstarken Fotos von Vero Bielinski mit dem Titel "Muse".

Ein paar Nachteulen hatten sich noch zur Ausstellung "Memory" von Huiza Müller-Lim angemeldet, die bis Mitternacht in der Englischen Kirche geöffnet war. Zu so vorgerückter Stunde fiel es schwer, sich noch intensiv auf die surrealistischen Bilder einzulassen. Dann lässt man doch lieber die von vielen Eindrücken geprägte Kulturnacht mit einer Orgelvorführung in der Erlöserkirche ausklingen.

Von Evelyn Kreutz

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