OB Alexander Hetjes (r.), Bibliotheksleiter Klaus Strohmenger (l.) und der Leiter der Hessischen Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken, Alexander Budjan, sind begeistert.
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OB Alexander Hetjes (r.), Bibliotheksleiter Klaus Strohmenger (l.) und der Leiter der Hessischen Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken, Alexander Budjan, sind begeistert.

Neue Bücherei in Bad Homburg

Bad Homburgs offene Bibliothek im Oberhof

  • Sabine Münstermann
    VonSabine Münstermann
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In Hessen bislang einmaliges Konzept für die Stadtteilbücherei im Bad Homburger Stadtteil Ober-Erlenbach wird vom Ministerium mit mehr als 70 000 Euro bezuschusst.

Bad Homburg -Eine Bibliothek, die hat immer etwas Beruhigendes, egal, wie klein sie ist. Auch die bisherige Stadtteilbibliothek in Ober-Erlenbach im Alten Rathaus. Auf 100 Quadratmetern fanden Bücherfreunde dort bisher Lesestoff, drum gekümmert hat sich die langjährige Leiterin der Zweigstelle, Irina Resch.

Die hatte in den vergangenen Wochen und Monaten ziemlich viel zu tun, denn sie ist mit der Zweigstelle umgezogen, und zwar in den Oberhof, also jenes Areal, das in Bad Homburg als Mehrgenerationenprojekt bekannt wurde und am Samstag nach zehnjähriger Planungs- und Bauphase nun endlich eröffnet wird.

Idee stammt aus Skandinavien

Die neue Stadtteilbibliothek ist im Nordflügel des Oberhofs untergebracht und hat dort viel mehr Platz für die insgesamt 10 227 Medien (80 000 sind's in der Hauptstelle in der Dorotheenstraße), die Nutzer dort ausleihen können. Der Leiter der Stadtbibliothek, Klaus Strohmenger, spricht von einer Verdreifachung des Raums, mithin hat die Zweigstelle nun 300 Quadratmeter zur Verfügung. Darüber freuen sich Resch und Strohmenger riesig, "denn wir haben ganz andere Möglichkeiten der Präsentation, um die Lust am Lesen und am Ausleihen von Literatur zu fördern", sagt Strohmenger. In der Tat, was das Bibliotheksteam in der neuen Zweigstelle an Ambiente zwischen heimeligen alten Holzbalken und Dachfenstern, die für viel Helligkeit sorgen, geschaffen hat, ist, wie Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) es am Dienstag bei einer Besichtigungstour nennt, "überragend".

Tatsächlich sind nicht nur Räume und Mobiliar neu, sondern auch das gesamte Konzept. Die Stadtteilbibliothek in Ober-Erlenbach geht nämlich als erste öffentliche Bücherei in Hessen als "Open Library" an den Start. Der Begriff der offenen Bücherei ist Programm. Nutzer können künftig nämlich das Angebot auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten nutzen. Möglich wird dies durch die Nutzung digitaler Technologie, die den Zugang zur Bibliothek und die Ausleihe regelt.

Los geht's aber zunächst mit geregelten Öffnungszeiten, nämlich dienstags, mittwochs und donnerstags, jeweils von 9.30 bis 19 Uhr, wenn auch Bibliotheksleiterin Resch da ist. "Erst wenn wir sicher sind, dass die Technik funktioniert, werden wir die Zweigstelle zu bestimmten Zeiten auch ohne Personal öffnen", sagt Klaus Strohmenger. Mit Blick auf die Pandemie und die Coronaregeln sei eine Öffnung ohne Personal derzeit ohnehin kaum möglich, denn "es muss ja jemand kontrollieren, dass die Besucher geimpft, genesen oder getestet sind." Die Erweiterung der Öffnungszeiten ohne Personal soll daher stufenweise erfolgen.

Und so geht's: Besucher, die älter als 16 Jahre sind, verschaffen sich mit einem gültigen Leseausweis Zutritt zur Bücherei, auch zu Zeiten, zu denen keine Mitarbeitenden dort sind. Im Eingangsbereich steht dann ein Automat, an dem zuvor ausgeliehene Medien zurückgegeben werden können. Im Obergeschoss sind dann die Bücherregale, Medienträger und Online-Kataloge und ein Selbstverbucher, über den die Nutzer die Medien, die sie ausgewählt haben, selbst ausleihen können. "Das kennen unsere Kunden schon aus der Hauptstelle in der Dorotheenstraße", sagt Strohmenger. Vergisst man, die ausgeliehenen Medien zu registrieren, klingelt's laut. An den Türen sind nämlich - kennt man aus dem Kaufhaus - Sensoren angebracht.

Das Konzept wird im ländlichen Raum in skandinavischen Ländern wie Dänemark bereits erfolgreich umgesetzt, und Strohmenger war davon so begeistert, dass er es auch in Ober-Erlenbach anwenden wollte. Die Begeisterung wirkte ansteckend: Für die Umsetzung der "Open Library" in Ober-Erlenbach hat nämlich das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst 70 200 Euro an Fördergeldern gewährt. Alexander Budjan, Leiter der Hessischen Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken, sagt: "Damit wird die Bedeutung dieses Pilotprojektes für das Bundesland Hessen auch finanziell augenscheinlich."

Für die Ober-Erlenbacher Kunden - im Coronajahr 2020 wurden 7585 Besuche und 9803 Ausleihen im Stadtteil registriert - dürfte nur eines zählen: Über kurz oder lang gibt's keine zeitlichen Limitationen mehr, um sich ein Buch auszuleihen und sich vielleicht auch mal abends in der Stadtteilbücherei zurückzuziehen. Ehrlich gesagt: Am liebsten möchte man sich jetzt sofort ein Buch nehmen, sich ans Fenster in Richtung Innenhof des Oberhof-Areals - Klettergerüst und Bobbycar-Strecke im Blick - setzen und mit dem Schmökern loslegen.

Von Sabine Münstermann

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