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Wegen der Pandemie belegen derzeit weit weniger Menschen Kurse in der Volkshochschule als sonst. foto: Jp

Corona-Krise in Bad Homburg

Wegen Corona: Dozenten bangen um Existenz – „Es geht um Leben, Miete, Kühlschrank“

  • Anke Hillebrecht
    vonAnke Hillebrecht
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Durch die Corona-Krise sind die Einnahmen der Bad Homburger Bildungseinrichtung VHS um 40 Prozent eingebrochen. Dozenten sind in Existenznöten.

Bad Homburg - Wer Volkshochschule hört, denkt zuweilen an Trommelkurs oder Beckenbodentraining. In der VHS lernen aber auch Neubürger Deutsch, andere büffeln für den verpassten Schulabschluss oder machen sich fit für neue berufliche Anforderungen. Die VHS stiftet zum lebenslangen Lernen an - und davon profitiert die gesamte Gesellschaft. Dies zu unterstützen ist ein Anliegen der Landesregierung; mit der Stadt besteht eine Vereinbarung, dass der Fortbestand der VHS gesichert werde.

Bad Homburg: Einnahmen der Volkshochschule eingebrochen

Die Corona-Krise macht es der VHS allerdings schwer. Schon zu Beginn des Herbstsemesters warnte Leiter Rainer Schmitz, dass es finanziell eng wird. Jetzt war er in den städtischen Wirtschafts- und Finanzausschuss eingeladen. "Unsere Einnahmen sind um 35 bis 40 Prozent eingebrochen", erklärte Schmitz.

Zu Beginn der Pandemie musste die Bildungseinrichtung mehrere Wochen schließen. Im Mai ging es vorsichtig wieder los, jedoch mit viel Abstand und weit weniger Teilnehmenden pro Kurs. Nun laufen die 600 geplanten Seminare nach und nach an, es wird viel gelüftet; statt an Tischen wird mit Klemmbrett gearbeitet. Doch die Menschen sind vorsichtig, und viele Sportkurse können gar nicht stattfinden.

Volkshochschule Bad Homburg und Corona: Einstige Stärke wird zu Schwäche

Dramatisch sei die Situation für die Dozenten, berichtete Schmitz. Für jede gehaltene Dreiviertelstunde verdienen sie 21 Euro - weniger als anderswo. Von den Hilfszahlungen des Bundes könnten sie selten profitieren. „Viele sind in großen Existenznöten“, weiß der VHS-Chef. „Es geht um Leben, Miete, Kühlschrank.“ Und ein Ende der Durststrecke sei nicht absehbar.

Die Jahre vor Corona stand die Bad Homburger VHS, die auch Kurse in Gemeinden des östlichen Hochtaunuskreises anbietet, finanziell super da. Seit 2015 schrieb sie schwarze Zahlen, und ihr Budget war zu 75 Prozent durch Teilnehmerbeiträge gedeckelt - anderswo sind dies oft nur um die 40 Prozent. So kamen 2019 gut 1,6 Millionen selbstverdiente Euro in die Kasse. "Doch durch Corona wird unsere einstige Stärke zur Schwäche", so Schmitz. Die Prognose für dieses und das nächste Jahr lautet jeweils lediglich 991810 Euro.

Die Kurstadt unterstützt die VHS mit 279000 Euro pro Jahr. 76000 Euro bekommt die Einrichtung vom Kreis, 120000 vom dem Land Hessen, geringere Beträge von den übrigen Kommunen - insgesamt 548281 Euro. Wegen der Vereinbarung wende er sich an die Stadt. "VHS ist keine Good-will-Aktion."

Volkshochschule Bad Homburg und Corona: Vereinbarung mit dem Land Hessen

Der städtische Zuschuss stagnierte mehr als zehn Jahren; für den aktuellen Doppelhaushalt hatten die Stadtverordneten 21000 Euro mehr beschlossen mit der Auflage, dass Schmitz regelmäßig über die Finanzen berichtet. Vor Corona hatte er auf den Investitionsstau in der VHS hingewiesen. Und hätte man zusätzliche Räume, hieß es 2019, könne man weitere Teilnehmer gewinnen.

Jetzt aber geht es darum, den Betrieb sicherzustellen. Schmitz hofft auf eine Ausfallbürgschaft. Zwar habe die Einrichtung zusätzlich zum stolzen Budget von knapp 2,3 Millionen Euro Rücklagen in sechsstelliger Höhe. Die brauche man als freier Träger mit 28 Angestellten und einem Pool von rund 400 Dozentinnen und Dozenten aber auch. "Die Rücklagen sind unser Krisenkonto", sagt Schmitz. Ohne dieses Polster, so Schmitz, "hätten wir schon im April schließen können".

Corona in Bad Homburg: Magistrat muss sicherstellen, dass VHS Bildungsangebot bereitstellen kann

Das Land Hessen möchte "eine flächendeckende Grundversorgung an Weiterbildung sicherstellen" und die Bürger darin bestärken, sich weiterbilden zu lassen. Damit sollen die Entfaltung der Persönlichkeit gefördert, die Fähigkeit zur Mitgestaltung des demokratischen Gemeinwesens zu gestärkt und die Anforderungen der Arbeitswelt besser bewältigt werden. Landkreise und Städte mit mehr als 50000 Einwohnern in Hessen sind daher verpflichtet, ein bedarfsdeckendes Angebot zur Weiterbildung zu gewährleisten. Die Stadt Bad Homburg hat damit die Volkshochschule (VHS) beauftragt.

Gemäß §11 des Hessischen Weiterbildungsgesetzes (HWBG) von 2001 besteht eine Vereinbarung zwischen Land und Kurstadt-Magistrat. Ebenfalls geregelt ist, dass das Land der Stadt 29,76 Euro pro Unterrichtsstunde zahlt, sofern sie dem Pflichtangebot entspricht. Dies trifft auf Kurse zur politischen Bildung, zum Erwerb von Schulabschlüssen, zur Sprachkompetenz und Familienbildung zu. Der Magistrat muss wiederum sicherstellen, dass die VHS dieses Bildungsangebot bereitstellen kann. (Anke Hillebrecht)

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