"Digitales Gebäudebuch"

Bauhistorie auf einen Blick

Online durch die Baugeschichte der Stadt surfen. Das ist jetzt auf der Homepage der Stadt Bad Homburg möglich. Dabei gibt es einiges zu entdecken.

Von IDA SCHOLZ

„Digitales Gebäudebuch“ – das klingt erst einmal nicht allzu spannend. Ist es aber! Wer es nicht glauben will, der kann sich nun auf vom Gegenteil überzeugen. Die neue Errungenschaft wurde nun im Gotischen Haus vorgestellt.

Zwei Jahre lang haben das Stadtarchiv Bad Homburg und das Landesamt für geschichtliche Landeskunde in Marburg systematisch archivalische Quellen ausgewertet. Dabei wurde in städtischen Bauakten, Kontraktenbücher – sie enthalten Informationen über Immobiliengeschäfte und Gebäudebeschreibungen seit dem frühen 19. Jahrhundert –, und in preußischen Katasteraufzeichnungen gestöbert. Dabei haben sie die Historie – vom Hühnerstall bis zum Hotel – der einzelnen Gebäude im Kurbezirk aufgedröselt.

Das Angebot richtet sich dabei nicht nur an geschichtsinteressierte Bad Homburger, die sich nur mal auf die Schnelle ein Bild machen wollen, sondern auch an Architekten und Hausbesitzer, die sich beispielsweise für Umbauten in den oft denkmalgeschützten Gebäuden informieren wollen. Insgesamt wurden bislang knapp 1600 Datensätze angelegt – 600 Hauptgebäude und rund 900 Nebengebäude. Noch weitere sollen in den kommenden Wochen und Monaten folgen.

Die Benutzung des Gebäudebuchs ist einfach. Wer etwa Informationen über das ehemalige Ritter’s Parkhotel sucht, der muss in der „einfachen Suche“ lediglich das Wort „Ritter“ eingeben. Schon findet er eine Liste von nicht weniger als 27 Gebäuden. Allein 15 davon beziehen sich ersichtlich auf das gesuchte Objekt. Dabei wird klar, dass das Hotel eigentlich aus vielen einzelnen Gebäudeteilen bestand, die zu einem einzigen Gebäudekomplex verschmolzen. Wer sich dann durch die einzelnen Datensätze klickt, erfährt, dass in der Kisseleffstraße 13 einst das „Hotel Anglais“ stand, das später im benachbarten Ritter’s aufging. Das Gebäudebuch zeigt nicht nur Fotos vom heutigen Baubestand der Kisseleffstraße 13, sondern auch die Namen der Eigentümer und wann dort Grundstücksgeschäfte stattfanden. In anderen Datensätzen zu Gebäudeteilen des Hotels finden sich Zeichnungen aus Bauakten, die einen Eindruck vom früheren Baubestand geben. Ebenfalls wichtig: Signaturen geben an, in welchen Akten des Stadtarchivs Infos zum Gebäude vorhanden sind.

Was das Digitale Gebäudebuch für den historisch Interessierten so wertvoll macht, ist die Vernetzung mit dem Online-Projekt „Orte der Kur“. Über eine Verschlagwortung können Themenfelder erschlossen werden. So ist das Ritter’s Parkhotel im Schwesterprojekt „Orte der Kur“ verschlagwortet mit „Gastronomie“, „Hotel“ und „privat“. Ein Klick darauf öffnet eine Liste von Cafés und Restaurants mit weiteren historischen Erlebnissen. Eine Zeitleiste der Bautätigkeit erlaubt zudem Rückschlüsse über die Entwicklung des Kurorts.

Abgeschlossen ist das Projekt allerdings noch nicht. Einige Datensätze werden zurzeit eingegeben; alte Ansichtskarten, die die fraglichen Gebäude zeigen, sollen ebenfalls noch eingearbeitet werden. Wünschenswert sei zudem, wenn auch die Kurlisten, in denen die Homburger Kurgäste aufgeführt sind, eingepflegt würden, sagte Prof. Dr. Holger Gref, der das Projekt betreute, bei der Vorstellung. Dann könne man sehen, wo beispielsweise bevorzugt Engländer, wo Russen und wo die Deutschen oder auch wo die Reichen oder die weniger Reichen abgestiegen seien. Es entstünde somit eine Art „soziologische Kurkarte“. Es gibt also noch viel zu tun.

Das Projekt wurde übrigens angestoßen durch die Bewerbung zur Unesco Weltkulturerbestätte im Rahmen der „Great Spas of Europe“. Diese erfordert eine genaue Dokumentation der Kurgeschichte. Mit dem „Digitalen Gebäudebuch“ für den Kurbezirk erfüllt die Stadt auch eine Forderung der Unesco.

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