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Metallträger stützen das Gebäude rechts. In der Baugrube muss noch viel Erde abgetragen werden, bevor der Kran aufgestellt wird.

Büro-Becker-Gelände

Baustelle geht in neue Phase

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Nach nassen Monaten geht die Becker-Baustelle auf der oberen Louisenstraße nun in eine neue Phase. Schon bald wird dort ein großer Baukran aufgebaut. Eine Novität wird das Gebäude energetisch versorgen.

Die Änderungsschneiderin gegenüber hat vom ersten Stock aus einen guten Blick auf die Becker-Baustelle auf der oberen Louisenstraße. Ein riesiges Erdloch klafft zwischen der Parfümerie und dem Mobilfunkladen. Das Haus rechts wird von gewaltigen Stahlträgern, die diagonal aus der Grube ragen, abgestützt. Linkerhand müht sich derweil ein klein wirkender Bagger, die feuchten Erdmassen vom hinteren Teil in Richtung Louisenstraße zu schaufeln – dort werden sie nach und nach von Baggern abgeholt.

Unten im Sockel der Baugrube sind Arbeiter auf einer Betonplatte zugange. Diese ist nicht etwa noch ein Rest des abgerissenen Gebäudes, das vorher hier stand, sondern wurde in den vergangenen Tagen erst gegossen. Es ist ein fünf mal fünf Meter großes und eineinhalb Meter dickes Fundament, auf dem in den nächsten Wochen ein großer Baukran errichtet wird. Dann wird sich der 60 Meter lange Ausleger über der Fußgängerzone drehen und schon von weitem darauf hinweisen, dass hier mitten in der Stadt zwölf neue Wohnungen entstehen.

Doch in den kommenden zweieinhalb Wochen wird zunächst noch die Erde aus der Baugrube abtransportiert. Eigentlich sollte die Baustelle schon weiter sein, doch wegen des vielen Regens im Dezember und Januar ist sie um fünf bis sechs Wochen in Verzug. „Die Erdgruben waren geschlossen, und wegen der Nässe konnten wir die Schweißarbeiten für den Verbau nicht erledigen“, erklärt Bauleiter Dieter Jung. Der Verbau, das sind die Stützträger hin zum Handyladen; unterirdisch gehen noch mal so viele zehn Meter lange Stangen von der Mitte der Baugrube hin zur Hauswand. Steht der Neubau einmal, werden die Stahlträger entfernt.

Doch jetzt geht es voran. Wenn die Arbeiten für den Rohbau starten können, wird ein riesiger Autokran den Baukran bringen. „Wegen seiner Größe muss dies über die Louisenstraße geschehen“, erläutert Jung. An einem Sonntag und einem Montag hintereinander wird der Kran in der Baugrube aufgebaut. An diesen beiden Tagen – und erneut im Herbst, wenn der Kran wieder angebaut wird – wird in Höhe der Baustelle die gesamte

Louisenstraße gesperrt

. Die Stadt und die Bauherrin, die Horst-Becker-Stiftung, bitten Passanten und Geschäftsleute um Verständnis. Anschließend werden Beton sowie große Fertigteile über die Fußgängerzone angeliefert. Die Lastwagen kommen vom Schulberg und fahren über die Thomasstraße wieder ab.

Bis Mitte Juli, denkt Jung, wird der Rohbau fertig sein. Im März 2019 soll auf dem gesamten Gelände ein moderner Wohn- und Geschäftsgebäudekomplex stehen. Im hinteren Teil zur Dorotheenstraße hin entstehen sechs Eigentumswohnungen, über den Ladenflächen vorne weitere sechs Domizile, welche die Stiftung vermieten wird. Die Fassaden zur Louisenstraße hin sollen eng an die bisherige Form angelehnt sein. Im Erdgeschoss der Hausnummern 33 und 35 wird die Parfümerie Douglas auf 245 Quadratmetern untergebracht, nebenan entsteht eine weitere Ladenfläche von 60 Quadratmetern. Eine Tiefgarage mit 18 Plätzen gibt es schon, sie wird von der Dorotheenstraße aus angefahren. Die Häuser werden durch öffentliche Wege verbunden, für die sich die Stadt das Wegerecht gesichert hat.

Die sechs Eigentumswohnungen werden jeweils 140 bis 190 Quadratmeter groß; sie waren in Nullkommanix an vier Käufer veräußert. „Alles Personen zwischen 55 und 65 Jahren“, berichtet Karl-Josef Döpgen, Vorstand der Horst-Becker-Stiftung. „Uns war wichtig, dass sie selbst dort wohnen wollen und zueinander passen.“ Für die Mietwohnungen sowie die kleine Ladenfläche hat er auch schon Anfragen, doch das dauert noch. Die Mieteinnahmen werden in die Stiftung des verstorbenen Bad Homburger Papeterieinhabers Horst Becker fließen; mit ihren Erlösen sollen nach dem Ableben von Beckers Kindern davon bedürftige Kurstädter unterstützt werden. Die Horst-Becker-Stiftung investiert zehn Millionen Euro in das Bauvorhaben.

Auch bei der Ausstattung richtet Döpgen den Blick in Richtung Zukunft: „Mir war wichtig, von den fossilen Brennstoffen wegzukommen.“ Der Steuerberater hatte an Geothermie gedacht, was aber an dieser Stelle wegen der Nähe zu den Kurquellen nicht möglich ist. Und so wird nun eine Eisspeicherheizung den Gebäudekomplex versorgen (siehe weiteren Text). „Damit sind wir autark, brauchen nur Strom.“ Für die Stiftung wird sich die Anschaffung nach 15 bis 20 Jahren finanziell lohnen; die Nutzer der Wohnungen sollen es bereits zu Beginn durch niedrigere Nebenkosten spüren.

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