Begeisterung pur auf Tasten

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Der Pianist Alexander Schimpf brachte am Freitag in der Reihe der Schlosskonzerte Werke aus Klassik, Romantik und Impressionismus zu Gehör und dazu eine hessische Uraufführung.

Johannes Brahms (1833 –1897) schrieb seine Klavierstücke op. 76, je vier Capriccios und Intermezzi, außer dem ersten im Sommer 1878 in Pörtschach am Wörthersee. Ein frohes Schaffen sollte das gewesen sein, stellt man sich vor, nach allem was Alexander Schimpf, der Meisterpianist des Abends, da vom Flügel hören ließ. Doch leicht sei das dem Komponisten nicht gefallen, lange hatte er nichts mehr für Klavier solo geschrieben, schwer rang er um eigene Formen des Ausdrucks. Da mögen die Werke von Schumann und Chopin eine wichtige Anregung geboten haben.

Schimpf arbeitete die unterschiedlichen Charaktere der Stücke hervorragend heraus, die temperamentvoll bewegten und bis ins Leidenschaftliche sich steigernden Capriccios im Gegensatz zu den eher verhaltenen Intermezzi. Die intensiv lauschenden Zuhörer waren von diesem Vortrag schon sehr angetan.

Wie die Maler des Impressionismus, der auf die Romantik folgte, mit zarten Farben und viel Licht ihre Impressionen auf die Leinwand tupften, so malte Claude Debussy (1862–1918) als Hauptvertreter dieser Stilrichtung die eindrücklichen Augenblicke in „Images II“ mit feinen Tönen. Differenziert und äußerst virtuos gestaltete Schimpf die drei Bilder, Cloches à travers les feuilles (Glocken durch das Laub der Bäume), Et la lune descends sur le temple qui fut (Der Mond senkt sich über dem vergangenen Tempel) und Poissons d’or (Goldene Fische).

Der Pianist hat bereits etliche bedeutende Wettbewerbserfolge erreicht, hat in großen Konzerthäusern zwischen St. Petersburg und New York und mit namhaften Orchestern als Solist gespielt. Begeisterung pur drang ihm auch hier von den Hörern entgegen. „In Novembernebeln“, 2014 speziell für ihn von Adrian Sieber (*1975) komponiert, erklang nun zum vierten Mal für Publikum und erstmalig in Hessen. Vertraute Klänge habe der Komponist mit frei tonal schwebendem und dissonantem Klang verwoben, erzählte Schimpf, alles klinge wie einem Gedicht entnommen. Typische Novemberstimmung, dazwischen neue Energie, tänzerisch mitunter, sich zuspitzend bis zur fulminanten Besessenheit und mit winzigen Tönen im Nichts endend.

Die Klaviersonate Nr. 23 in f-Moll op. 57 mit dem später verliehenen Beinamen „Appassionata“ von Ludwig van Beethoven (1770–1827), ein geniales Werk, verlangte alle Virtuosität, Leidenschaft, Tiefe und Hingabe und wurde von ihm herausragend interpretiert. Die Zuhörer äußerten ihre jubelnde Begeisterung und wurden mit „Clair de lune“ von Debussy belohnt. Dieses Benefizkonzert zugunsten von World Vision war ein voller Erfolg und hilft der Stiftung bei ihrer Arbeit in Flüchtlingskinderprojekten.

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