1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus
  4. Bad Homburg

Beim Joggen kommen Autor Peter Borstel die Ideen

Erstellt:

Von: Anke Hillebrecht

Kommentare

Er lässt das Morden einfach nicht: Der Bad Homburger Autor Peter Borstel verquickt in seinem jüngsten Roman wieder geschickt Lokalkolorit und aktuelle Themen zu einem kurzweiligen Krimi mit vielen falschen Fährten und überraschenden Wendungen.
Er lässt das Morden einfach nicht: Der Bad Homburger Autor Peter Borstel verquickt in seinem jüngsten Roman wieder geschickt Lokalkolorit und aktuelle Themen zu einem kurzweiligen Krimi mit vielen falschen Fährten und überraschenden Wendungen. © jp

In Peter Borstels viertem Kurstadt-Krimi widmet sich der Homburger Schriftsteller der Klimaschützer-Szene. Die Geschichte ist fiktiv, die Handlungsorte aber sind real.

Bad Homburg - Der Lokalkrimi ist der neue Heimatroman. Wie gemütlich ist es doch, unter der Bad-Homburg-Decke auf dem Sofa zu sitzen und einen Lokalredakteur, der jeden Winkel der Stadt kennt, überall hinkommt und dem selbst Kommissarinnen von ihren Ermittlungen erzählen, bei seinen Recherchen zu begleiten. Und ein wohliger Schauer gesellt sich dazu, wenn man von Leichenfunden im Schwanenteich oder an der Schlossmauer liest.

So wie in Peter Borstels jüngstem und mittlerweile viertem Bad-Homburg-Krimi. Nachdem sich die Handlung zuvor um Spielbank und Historie (Hessisch Roulette, 2016), um ein Römer-Hotel ("Saalburg-Komplott, 2018) und um eine entführte Tennisspielerin ("Doppelfehler", 2020) drehte, dockt der Bad Homburger Schriftsteller in "Champagnerluft" nun an die Fridays-for-Future (FFF)-Bewegung an.

Journalist Nik hat endlich eine Freundin! Der notorische Single aus der Altstadt, gestandener Redakteur der "Hochtaunus-Post", hat sich FFF-Aktivistin Lara, wahrscheinlich um die 20, geangelt. "Nik Herzberg altert langsamer als die Krimileser", meint der Schriftsteller zu dieser Kombi. Nach einer Kundgebung wird auf dem kleinen Parkplatz unterhalb der Schlossparkmauer an der Jugendherberge ein SUV-Fahrer mit einem Stein erschlagen. Nik und die Gruppe der Klimaschützer um seine Freundin hatten sich dort zuvor aufgehalten.

Ein toter SUV-Fahrer an der Schlossmauer

"Ich hatte mal beim Joggen gesehen, dass da öfters Jugendliche auf dem Mäuerchen sitzen", erzählt der Autor, der selbst in der Gegend wohnt. Überhaupt kommen ihm viele Ideen für seine Geschichten beim Laufen - eher als "mit Gewalt am Schreibtisch".

Ein Junge aus der Klimaschützer-Gruppe wird verdächtigt, den Autoprotz umgebracht zu haben, doch als im trauten Gonzenheim ein zweiter Toter auftaucht - vergiftet mit einer Pizza -, weiten sich die Ermittlungen aus. Der erste Tote hatte mit Geothermie-Projekten zu tun - so viel konnte FFF also gegen ihn nicht haben.

Die Geschichte nimmt noch einige unerwartete Wendungen, bis klar ist, wer warum mordet. Kommissarin Fröhlich schleicht sich als jobsuchende Sprechstundenhilfe in eine Arztpraxis ein, Nik nutzt seine Kontakte, um wieder - weder von seinem Chef noch der Polizei gehindert - in die Ermittlungen einzusteigen, und was Lara so treibt, weiß niemand so recht, erst recht nicht Nik. Und der bekommt auch anonyme Whatsapp-Nachrichten, Lara könne das nächste Opfer sein . . .

Corona, Gendersternchen, Fracking, drohende Flutkatastrophen am Kirdorfer Bach, der angebliche Fluglärm über Bad Homburg, Eifersucht, der Anzeigen- und Leserschwund, der natürlich auch die "Hochtaunus-Post" erfasst hat - Peter Borstel hat wieder unzählige aktuelle Bezüge in sein Buch gepackt. Auch lässt er, man ahnt es schon zu Beginn, den Mörder in kursiv gedruckten Tagebucheinträgen nach und nach ihre Beweggründe darlegen. Bei der aktuellen Diskussion um Abhängigkeit von russischem Gas wirkt das Geothermie-Thema besonders aktuell. Doch der 57-Jährige hat schon im Frühjahr 2021 mit dem Roman angefangen. "Auf die Idee kam ich, als ich mal jemanden auf einem Unternehmertreffen vertreten habe", berichtet Borstel. Eine andere Teilnehmerin habe sich gut mit der Nutzung von Erdwärme ausgekannt.

Allzu aktuell wolle er mit seinen Themen aber gar nicht sein, sagt er - "da kann es leicht passieren, dass, wenn der Krimi rauskommt, die Entwicklungen schon von der Realität überholt sind." Deshalb lässt er wohl von Kurhaus, Kino oder anderen Projekten der Stadtplanung die Finger. Aber auch Geothermie ist in Bad Homburg inzwischen Thema - zwar natürlich nicht im Heilquellengebiet, wohl aber am Gotischen Haus.

Je mehr er schreibe, desto schwerer falle es ihm, sagt Borstel. Denn es ist nicht leicht, mit seinen Geschichten nicht immer auf ausgetretenen Pfaden unterwegs zu sein. Wenn er eine Idee oder eine Formulierung im Kopf habe, erzählt er, blättere er oft in seinen bereits erschienenen Krimis, und erkennt: Diese Wendung oder jener Spruch hat er bereits verwendet. Schwierig, seine Figuren immer wieder neu zu erfinden. Wie wäre es denn, wenn der gute Nik im nächsten Roman mal selbst zum Verbrecher würde?

Auch interessant

Kommentare