Am Kaiser-Wilhelms-Bad wurde gestern die Skulptur "Bella" angeliefert. Hier posiert sie zwischen Künstlerin Eva Maria Frey und Kurdirektor Holger Reuter.
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Am Kaiser-Wilhelms-Bad wurde gestern die Skulptur "Bella" angeliefert. Hier posiert sie zwischen Künstlerin Eva Maria Frey und Kurdirektor Holger Reuter.

Bad Homburg: Kurstadt in der Corona-Krise

Bella: Botschafterin aus Beton

  • Anke Hillebrecht
    vonAnke Hillebrecht
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Mondäne Frauenskulptur soll Verbundenheit der hessischen Kurstädte demonstrieren - Alle 30 hessischen Heilbäder haben eine - Kur rechnet wegen Corona mit Einbußen in siebenstellige Höhe

Bad Homburg -Vergleichsweise ruhig ist es derzeit in den hessischen Heilbädern. Wegen der Corona-Pandemie sind viele Therapie- und Wellness-Einrichtungen geschlossen, und auch die Kurkliniken sind bewusst nur teilweise belegt. Doch das Kurwesen lebt - als Zeichen dafür ist Bella angekommen.

Bella ist zwar leblos, kommt aber mindestens so mondän rüber wie der weibliche Kurgast von anno dazumal. Die 1,80 Meter große, farbenfroh lackierte Beton-Skulptur soll Botschafterin de hessischen Heilbäderverbands sein. Alle 30 Heilbäder bekommen eine. Mit ihrem genießerischen Lächeln wird sie von nun an die Homburger Kur- und Tagesgäste im Kurhaus still begrüßen. "Unsere Tourist-Info ist für sie ein wichtiger Anlaufpunkt", freut sich Info-Leiterin Susanne Rausch.

Für Kurdirektor Holger Reuter, auch Mitglied im Vorstand des Heilbäderverbands, ist Bella wie ein roter Faden, der sich durch die Kurbäder zieht. "Sie zeigt eine Verbundenheit in der Krise", so Reuter. "Die Kureinrichtungen habe wegen Corona hohe Einbußen, bekommen aber kaum Kompensationsleistungen von Bund und Land", sagt er. Bad Homburg werde am Ende des Jahres einen siebenstelligen Betrag als Defizit in den Büchern haben - wie viel genau, werde das nächste halbe Jahr zeigen, je nachdem, ob noch eine zweite Infektionswelle zu erwarten sei.

Day Spa bleibt vorerst geschlossen

Eine wichtige Einnahmequelle der Kur, das Kur Royal, hat seit dem Lockdown Mitte März geschlossen. Ende Mai fuhr die Kur zumindest die Therapie in der Wellness-Einrichtung im Kaiser-Wilhelms-Bad unter aufwendigen Hygieneregeln wieder hoch. Das Day Spa aber bleibt geschlossen. "Öffentliche Dampfbäder sind derzeit viel zu gefährlich", weiß Reuter. Das Wort Aerosol hat seinen heilenden Beiklang verloren. Das Day Spa werde wohl einer der letzten Bereiche sein, die wiedereröffnet werden, glaubt der Kurdirektor.

Die vier Kurkliniken sind seit Frühjahr im Stand-by-Modus - für den Fall, dass die Hochtaunus-Kliniken wegen zu vieler Covid-19-Kranken Betten braucht. Das ist zwar derzeit nicht der Fall - Stand gestern haben die Kliniken derzeit zwei Corona-Patienten, jedoch nicht auf der Intensiv-Station. Doch man sei gerüstet, so Reuter: "Käme im Herbst eine zweite Welle, wären wir vorbereitet."

In der kureigenen Reha-Klinik Dr. Baumstark sei man derzeit wieder am Hochfahren: 110 Patienten würden dort von 85 Mitarbeitern in drei Schichten betreut - mit aufwendigem Hygienekonzept. "Das ist eine große Herausforderung." Im April waren wegen des Abstandsgebots nur 40 Prozent der 160 Betten belegt. Bis Ende August dürfen die Patienten keinen Besuch erhalten. "Dafür haben die meisten Verständnis", so Reuter.

Zurück zu Bella: Für ihre Erschafferin Eva-Maria Frey sind ihre Beton-Figuren eine Herzensangelegenheit. Die Künstlerin aus der documenta-Stadt Kassel hat nach ihrer Schneiderlehre Betriebswirtschaft, Sozial- und Rechtswissenschaft studiert und nun 30 dieser Frauenfiguren erschaffen.

Von anke hillebrecht

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