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OB Alexander Hetjes und Jörg Hölzer schicken den finnischen VW-Käfer, Baujahr 1972, ins Rennen.

Rallye Monte Carlo Historique

Ein OB mit Benzin im Blut

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Bei strahlendem Sonnenschein starteten gestern 70 klassische Sportwagen zur 19. Rallye Monte Carlo Historique. Satte Auspuffgeräusche und Benzingeruch inklusive.

Das war wirklich ein Mordsspektakel gestern in der Innenstadt: Zum Start der 70 Oldtimer, die sich von Bad Homburg aus in Richtung Monte Carlo auf den Weg machten, waren einige Hundert Interessierte auf den Kurhausvorplatz gekommen, deutlich mehr als in den vergangenen Jahren.

Das mag auch daran liegen, dass die Kurstadt diesmal nicht nur Durchfahrtsort war, sondern dank des unermüdlichen Einsatzes von Jörg Hölzer und Günter Krause für 58 Teams Startplatz war. Die beiden hatten aus gesundheitlichen Gründen ihre Teilnahme kurzfristig abgesagt: „Wir müssen uns also auf das Daumendrücken und Zuschauen beschränken, das ist die Höchststrafe, wenn man alles vorbereitet hatte“, erklärte Hölzer.

Zu den Starterteams kamen zusätzlich 12 klassische Sportwagen, die bereits in Oslo gestartet waren und hier Zwischenstopp hatten. Eine der Voraussetzungen ist, dass der Fahrzeugtyp zwischen 1955 und 1980 an der Original Rallye Monte Carlo teilgenommen haben muss.

Unter den fachkundig-launigen Kommentaren von Moderator Johannes Hübner („Das Hirn des Teams sitzt rechts.“) wurden die Oldtimer im Minutentakt von der Startrampe aus auf die Strecke geschickt. Vorbei an Motorsport-affinen Zuschauern und deren Fotokameras. Nicht wenige waren eigens zum Rallyestart nach Bad Homburg gekommen und fachsimpelten an der Absperrung aufs Trefflichste. Während sich der Laie unter einem „Opel-Manta-Fuchsschwanz“ noch etwas vorstellen kann, sind Informationen über beheizbare Frontscheiben, Hinterachsgetriebe, Zusatzlampen und kurze Radabstände für eingefleischte Motorsportfans interessant. Als solche bezeichnen sich Jonathan Mehlhart und Lukas Hornung. An strategisch günstiger Stelle in der Thomasstraße fotografierten die beiden Oberstedtener jedes Fahrzeug. „Wir lieben alte, laute und schnelle Autos – neue aber auch“, so Kfz-Meister Hornung.

Ein paar Jährchen älter, aber genauso autoverrückt sind Ralf-Peter Kettner und Heiner Zinnkann. Die beiden kennen sich von den „Isetta-Freunden Rhein-Main“, mit denen sie selbst kleine Orientierungsfahrten unternehmen. Die beiden sind extra aus der Wetterau nach Bad Homburg gekommen und fachsimpeln kurz, ob Startnummer 95, der 1978er Golf GTI, noch ein „Einser-Golf“ ist oder nicht. „Man hat halt seine Beziehung zu den Autos“, erklärt Zinnkann, der im Laufe der Jahre um die 8000 Motorsport-Fotos aufgenommen hat.

Mit Startnummer 97 fährt das erste Damen-Team auf die Startrampe. Steffi Edelhoff als Pilotin und Birgit Binder als Co-Pilotin sind mit ihrem 1973er Ford Escort RS2000 bereits zum achten Mal bei der historischen „Monte“ dabei und können eine sehr beachtliche Bilanz vorweisen: Von den sieben bisherigen Starts haben sie fünf Mal die Damenwertung für sich gewonnen und vergangenes Jahr im Gesamtklassement unter 317 Teilnehmern den hervorragenden 84. Platz erreicht. Mit einem extra Applaus schickt das Publikum die Rennfahrerinnen in ihrem „Hundeknochen-Escort“ auf die 1200 Kilometer lange Reise nach Monaco, von wo aus bis kommenden Mittwoch die verschiedenen Wertungsprüfungen auf etwa 3000 weiteren Kilometern absolviert werden.

Bei so viel Begeisterung von allen Seiten dürfte es wahrscheinlich sein, dass Bad Homburg auch im nächsten Jahr wieder Startort der Rallye Monte Carlo Historique ist. Vielleicht sogar mit einem lokalen Newcomer, denn OB Alexander Hetjes (CDU), der bei den ersten Fahrzeugen die klassische Startflagge schwenkte und von Jörg Hölzer bereits als Autofan begrüßt worden war, kündigte vollmundig an: „Nächstes Jahr bin ich dabei!“

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