Ein besonders wertvoller Musikgenuss

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Mit einem spannenden Programm und einer außergewöhnlichen Solistin wurden am Freitag die Gäste beim 4. Orchesterkonzert im 15. Jahr der Schlosskonzerte verwöhnt.

Wenn man sich vorstellt, dass zu Joseph Haydns Zeit (1732–1809) im Bedarfsfall mitunter der Stallmeister die Oboe, der Gärtner das Fagott zu spielen hatte, ist es kaum zu glauben, dass solche Tempi angeschlagen wurden, wie jetzt bei der Sinfonie Nr. 59 A-Dur, der Feuersinfonie.

Das Württembergische Kammerorchester Heilbronn, in Bad Homburg stets mit Freude empfangen, musizierte unter Aurélien Bello mit solch virtuoser Eleganz, die wahnwitzig rasanten Läufe mit solcher Transparenz und Homogenität im Zusammenspiel, besonders im letzten Satz, dass neben dem Genuss nur zu staunen blieb. Der Beiname „Feuersinfonie“ stammt nicht von Haydn, sondern ist vermutlich entstanden, weil das Werk ursprünglich als Bühnenmusik für das Stück „Die Feuersbrunst“ komponiert war.

Nicht wie Romantik bei Brahms oder Schubert klingt die Italienische Serenade von Hugo Wolf (1860–1903) – als Streichquartett komponiert und von Max Reger orchestriert – sondern eigenwillig, „leichtfüßig und delikat … mit einem scherzhaften Thema, das in immer neuen Varianten hervorsprudelt“ (Frank Walter, Biograf) – ein sehr interessantes Werk, hervorragend musiziert.

Weniger bekannt als die Konzerte in G- und A-Dur ist das Violinkonzert Nr. 1 B-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791). Ágnes Langer, als junges ungarisches Ausnahmetalent gepriesen, spielte das Werk technisch sehr brillant in extremem Tempo. Sie verlieh gekonnt den Sätzen den jeweils eigenen Charakter und bot eine fantasievolle Kadenz im 1. Satz und jeweils kurze ebensolche auch im 2. und 3. Satz. Überwältigend war ihre Interpretation der Rumänischen Volkstänze von Béla Bartók (1881-1945), die Zuhörer tobten vor Begeisterung!

Mit der Haydn-Sinfonie Nr. 45 fis-Moll wurde das Programm abgerundet. Und noch einmal gaben die Musiker alles – mehr Klang konnte der Raum nicht fassen –, die Violinen selbst in den höchsten Lagen intonationssicher, bis auf einzelne Schwingungen genau. Der Dirigent selbst war dem Genuss der Musik hingegeben, gab präzise Einsätze und lächelte. Und dann geschah tatsächlich, was erwartet wurde: ein Musiker nach dem anderen, zu zweit und dritt, verließ den Raum, schließlich handelte es sich um die Abschiedssinfonie, mit der Haydn sich einst nach einer besonders langen Saison für seine Musiker einsetzte, die endlich zu ihren Familien nach Hause wollten.

Dieses Ende verfehlt nie seine Wirkung, frenetischen Applaus ernteten die Musiker. Überrascht und begeistert waren auch die Messegäste aus Rosenheim, die weder einen solch wunderschönen barocken Raum noch einen qualitativ so musikalischen Genuss in dieser Unmittelbarkeit erwartet hatten.

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