Die CDU Dornholzhausen zeigt auf einer Animation, wie der "Fuß" auf der PPR-Kreuzung wirken könnte.
+
Die CDU Dornholzhausen zeigt auf einer Animation, wie der "Fuß" auf der PPR-Kreuzung wirken könnte.

Politik uneins

Bad Homburg: Ein Fuß bewegt die Koalition

  • Anke Hillebrecht
    vonAnke Hillebrecht
    schließen

Die CDU in Bad Homburg will ein 100.000 Euro teures Kunstwerk an die befahrene PPR-Kreuzung stellen - und setzte sich im Kulturausschuss dank ihrer Stimmenmehrheit durch. Doch der Koalitionspartner SPD zieht nicht mit.

Bad Homburg – Es haben ja bereits einige Groß-Skulpturen ihren Platz in der Kurstadt, und über keinen wurde je öffentlich diskutiert. Fredrik Wretmans "Big Half Foot" aber, kurz: "der Fuß", bewegt Bad Homburg. Nicht sein angenehm gegenständliches Erscheinungsbild, sondern die Frage, wo er wohl hinwandern wird.

In letzter Minute eilte der Fuß am Donnerstagabend noch per Tischvorlage auf die Tagesordnung des Kulturausschusses - ursprünglich war geplant, dass der Magistrat einen Standort vorgibt, über den dann am 25. Juni das Stadtparlament entscheidet. Doch in den vergangenen Wochen hatte sich die Standortfrage bereits als strittig herausgestellt. Der CDU-dominierte Ortsbeirat Dornholzhausen hatte schon im Herbst gesagt, das Kunstwerk an die PPR-Kreuzung stellen zu wollen - damit werde auch das Stadtentrée schöner.

Mit dieser Lösung scheint sich niemand außerhalb der CDU anfreunden zu wollen. Da die Christdemokraten im Kulturausschuss aber ebenfalls die Mehrheit haben, steht die PPR-Kreuzung nun als der vom Ausschuss auserwählte Standort fest.

Zuvor wurde kontrovers diskutiert. Manfred Heckelmann (BLB) betonte, ein so teures Kunstwerk habe nichts auf einem Parkplatz zu suchen, die Autofahrer sollten sich an der stark befahrenen Pendlerkreuzung auf den Verkehr konzentrieren, statt "Füße anzugucken". Claudia Kott (CDU) plädierte dafür, auch mal unkonventionelle Wege zu gehen; zudem habe man ja am Gotischen Haus schon "den großen Kopf verloren" - gemeint ist Caspar Bergers "David". Die Verbreiterung des Grünstreifens an der Kreuzung hat der Ortsbeirat schon initiiert. "Es wird ein Parkplatz bleiben", so Peter Braun (fraktionslos).

Die beiden SPD-Vertreterinnen schwiegen in der Diskussion. Die Genossen sind, wie auch die BLB, grundsätzlich dafür, das Kunstwerk am Hindenburgring/Ecke Heuchelheimer Straße aufzustellen. Auch die Grünen haben sich bisher noch für keinen Standort ausgesprochen - in der Fraktion sei man uneins, sagte Alexander Unrath am Rande der Sitzung.

Philippsgarten schnell realisierbar

Angelika Vollrath-Kühne (FDP, Dornholzhausen) brachte den Philippsgarten wieder ins Gespräch. Der zwischen Gotischem Haus und B 456 geplante Landschaftspark war als dritten Standort ausgeschieden, weil er erst noch angelegt werden muss. Der untere Teil der Flächen ist an einen Landwirt verpachtet.

Das Projekt könne in kurzer Zeit realisiert werden, sagte nun jedoch Kulturamtschefin Dr. Bettina Gentzcke (die vor ihrem Amt lange Jahre Vorsitzende der CDU-Fraktion im Ortsbeirat Dornholzhausen war). Schon nach der Ernte im Herbst könne man loslegen. Die Stadtplanung sei auch schon damit befasst, ergänzte OB Alexander Hetjes (CDU). Spätestens zur Landesgartenschau 2027 solle er ohnehin fertig sein.

Claudia Kott kämpfte weiter für ihren Stadtteil. Wenn der Philippsgarten fertig sei, könne man den "Fuß" ja von der PPR-Kreuzung dorthin versetzen, sagte sie. Dies allerdings würde - schon allein wegen des Fundamentes - teuer, gab Gentzcke zu bedenken.

Der Ausschussvorsitzende Alexander Unrath (Grüne) fragte schließlich ein "Meinungsbild" für alle drei zur Diskussion stehenden Standorte ab. Die Kreuzung gewann mit 6 (CDU)-Stimmen (Hindenburgring: 2 von BLB und Grünen, Philippsgarten: 3 von SPD und FDP). Weil die PPR-Kreuzung die meisten Stimmen hatte, steht sie nun in der Vorlage als künftiger Standort. Für die Vorlage stimmten die sechs CDU-Mitglieder; FDP und BLB dagegen (2 Stimmen); SPD und Grüne (3) enthielten sich.

Die SPD ist in der Zwickmühle. Sämtliche Genossen sind gegen die PPR-Kreuzung. Aber sollen sie wegen eines Kunstwerks einen Dissens mit dem Koalitionspartner provozieren? "Es gab ja neue Erkenntnisse zum Philippsgarten", so Fraktionschef Tobias Ottaviani nach der Sitzung. Die neue Situation müsse man erst noch in der Fraktion diskutieren.

Die Vorlage wird nun am Montag zunächst den Magistrat passieren, um am 25. Juni im Stadtparlament ihren finalen Auftritt zu haben. Da dort die Fraktionslosen mitstimmen und die PPR-Kreuzung dem Vernehmen nach auch bei ihnen unbeliebt ist, könnte der Fuß noch weitere Umwege nehmen. Also: Ende offen.

Von Anke Hillebrecht

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare