Bezaubernd und präzise

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Zum dritten Schlosskonzert der Saison traf man sich am Freitag in der Schlosskirche. Selten Gehörtes, fröhliche Musik und Anspruchsvolles wechselten einander ab.

Ein liebliches Thema, leicht und graziös, das richtige Mittel gegen die Winterschwere, eröffnete mit Allegretto das Konzert. Die Serenade Nr. 2 C-Dur op. 14 von Robert Fuchs (1847–1927) war schon mehr als ein abendliches Ständchen, unterhaltsam und im Freien aufgeführt wie ursprünglich gedacht, und auch kein suitenartiges Instrumentalstück mit vielen Sätzen wie noch in der Wiener Klassik. Mit orchestralem Klang und ohne Bläser hatte Fuchs diese Musikgattung in die Romantik weitergeführt. Und unterhaltsam waren auch die weiteren Sätze, Larghetto, das besonders energische Allegro risoluto und das virtuos anspruchsvolle finale Presto.

Das Württembergische Kammerorchester Heilbronn glänzte mit homogenem Zusammenspiel und brachte auch die transparenten Passagen in sauberer Intonation. Während die 22 Streicher hochkonzentriert für Wohlklang sorgten, zeigte der Dirigent von Anfang an bei sparsamem und präzisem Dirigat Freude und Genuss. Mihhail Gerts ist einer der profiliertesten jungen Dirigenten in Estland und seit 2007 Kapellmeister an der Nationaloper in Tallinn. Kurzfristig sprang er für Ruben Gazarian ein, der mit seinem Orchester längst kein Fremder mehr in der Schlosskirche ist.

Weniger bekannt ist Franz Schreker (1878–1934), der wegen seiner jüdischen Herkunft in seiner Zeit sozusagen zwischen allen Stühlen saß. Für die Romantiker galt er als ultramodern, als Neuntöner und Sezessionist, in den 1920er Jahren, der Zeit von Surrealismus und Bauhaus in der Architektur, war er der Romantiker, ein Überbleibsel der Wagner-Ära, und von den Nationalsozialisten wurde er als „entartet“ diffamiert. Dazwischen lag sein Intermezzo op. 8, mit dem er 1902 den ersten Preis der „Neuen Musikalischen Presse“ in Wien gewann und am Freitag die Zuhörer in der Schlosskirche erfreute.

Nach dem Schüler kam wieder der Lehrer zu Wort mit der Serenade Nr. 1 D-Dur op. 9, dem wohl bekanntesten Werk von Robert Fuchs, nach dessen Uraufführung er direkt im Anschluss die „Ehrengabe der Wiener Philharmoniker“ erhielt. Die Zuhörer waren von Musik wie Interpretation begeistert.

Mit Spannung erwartet wurde die Solistin des Abends, Sophie Pacini, war sie doch in der Vorankündigung schon als Shooting-Star gepriesen, gleich Frédéric Chopin (1810–1849), der ebenfalls mit 20 Jahren bereits ein überragender Pianist war. Opus 21 in f-Moll, das Klavierkonzert Nr. 2, sollte nun erklingen. Mit variantenreichem Anschlag fegte die junge Pianistin über die Klaviatur, dem Komponisten und ersten Interpreten des Werks alle Ehre machend. In technisch vollendeter Brillanz, zeitweilig vom Streicherklang etwas überlagert, erzeugten die Musiker einhüllende Klangwolken, die kaum zu differenzieren waren.

Nach der virtuosen Akrobatik im Maestoso folgte das musikalisch fein ausgestaltete Larghetto und am Ende noch fulminanter das Allegro vivace. In der Bearbeitung für Streichorchester traten mehrfach die Stimmführer besonders klangschön als Duos oder Quartett hervor. Dem frenetischen Applaus begegnete Sophie Pacini mit: „Wir bleiben bei Chopin“ und spielte das Nocturne in Es-Dur.

(gai)

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