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Blickfang beim Gassigang

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Von: Anke Hillebrecht

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Durch Norwich-Terrier Eddie kommt der Foto-Künstler früh aus den Federn und in die Natur.
Durch Norwich-Terrier Eddie kommt der Foto-Künstler früh aus den Federn und in die Natur. © jp

Ulrik Velte unterstützt mit selbstgestaltetem Kalender das Tierheim

Bad Homburg -Als Hausverwalter, Vorstandsmitglied bei der Vereinigung „Haus & Grund“ sowie Vater zweier Töchter hat Ulrik Velte eigentlich genug zu tun, als dass er noch künstlerische Ambitionen entwickeln müsste. Doch dann kam Corona. Wie viele andere Menschen auch begab sich der Dornholzhausener, Jahrgang 1974, auf Wanderschaft - die eigene Umgebung neu zu entdecken, auf Spaziergängen; schließlich gab es ja sonst wenig zu erleben.

Velte war in dieser Zeit regelmäßig draußen, meist frühmorgens, und das zu jeder Jahreszeit. Denn Eddie musste raus. Eddie, das ist der kleine Hund der Familie. „Ein Norwich-Terrier“, stellt Velte klar. Auch wenn die Welt kopfsteht: Der Hund muss Gassi gehen; zumindest darauf ist Verlass. „Dann ist für mich die Welt in Ordnung“, sagt er.

Viele Menschen entdeckten in dieser Zeit mangels Reisemöglichkeiten die Schönheit der Wälder und Felder um sie herum neu. So entstanden und entstehen im Taunus Abertausende Handyfotos - manche von ihnen werden samstags in der TZ abgedruckt.

Besondere Hingucker sind da die Bilder von Ulrik Velte. Jedes Wochenende schießt er um die 30 Fotos; im Monat können es bis zu 150 werden. Diese entstünden stets morgens zwischen 6 und 8 Uhr, erklärt er: „Ich bin Frühaufsteher.“ Da sei es überall meist menschenleer, zudem herrsche ein besonderes Licht. Dieses fing er ein und schickte einige Bilder auch privat in einer größeren Whatsapp-Gruppe durch die Welt - „und eine Frau regte an: ‚Mach doch mal einen Kalender daraus‘“, berichtet der Homburger.

Freunde brachten ihn auf die Idee

Eine Vernissage zu Hause im vergangenen Jahr bestärkte ihn darin, diese Idee aufzugreifen. Jetzt hat Velte einen Foto-Kalender aufgelegt. Dessen Titel: „Blickwinkel“. Für jeden der zwölf Monate hat er ein wettertypisches Bild eines Bad Homburger Motivs ausgesucht - und eins ist allen gemein: Sie machen Lust, spazieren zu gehen, ob mit oder ohne Hund. Die ersten beiden (Winter-)Aufnahmen sind an klaren Tagen in den Röderwiesen entstanden. Da ging zwischen 6 und 8 Uhr gerade die Sonne auf. Im Januar changiert der Himmel zwischen Blau und Orange; in den Wiesen ist eine Eisfläche entstanden, das Gras ist mit Raureif bezuckert. Der Februar ist ein Experiment: „In einer Pfütze lag eine kleine Eisplatte“, erinnert er sich. Die stellte er senkrecht ins Gras. Blätter, Halme und wieder die aufgehende Sonne lassen ein bisschen an ein Aquarell denken.

Doch auf seinen Gassigängen kam Velte auch durch den Schlosspark, wo er - auf dem Boden kauernd und passend zum März - erblühende Krokusse vor Weißer-Turm-Kulisse einfing. Im Obergarten entstand auch ein herrliches Bild von der großen Zeder vor Schlosskulisse, von der Kastanienallee aus gesehen. ommerliche Motive lieferten die Russische Kirche, die Kolonnaden im Kleinen Tannenwald hinter Seerosen-Ensemble, der dortige Laubengang in sonnigem Grün sowie der Thai-Tempel im Kurpark, mal bei Nacht aufgenommen.

Das Dezember-Motiv von der adventlich erleuchteten Waisenhausstraße war ein spontanes Motiv, als Velte die Louisenstraße runterkam und einen Blick in die Seitenstraße warf. Die Kirche mit Stern, die alten Häuser vor schwarzem Sternenhimmel - „das musste ich einfach fotografieren“, sagt Velte. Das September-Motiv ist das einzige Foto, das Velte nicht mit dem Handy, sondern mit der Kamera gemacht hat. Es heißt „Rotkehlchen im Abendlicht“ und ist auf der Velte’schen Terrasse entstanden. „Ich habe zweieinhalb Stunden gewartet, bis der Vogel kam und richtig saß“, berichtet er. Es hat sich gelohnt: Herauskam eine Nahaufnahme des Piepmatzes, eingerahmt von rötlichen Fächerahornblättern, die wiederum Schatten aufs Gefieder werfen und das Spätsommerlicht gut einfangen.

Velte möchte mit dem Kalender kein Geld verdienen. Deshalb will er den kompletten Erlös aus dem Verkauf dem Tierheim Oberursel überweisen. „Die Tierheime sind seit Corona überfüllt“, weiß Velte. Viele Leute hätten sich in der Pandemie einen Hund oder eine Katze angeschafft - und das Tier dann wieder abgegeben. „Das sind Lebewesen, die können da nichts für!“ So wolle er zumindest einen Beitrag leisten, dass es den Vierbeinern im Heim gut gehe.

Der Kalender

Den Kalender mit den imposanten Impressionen von der Kurstadt gibt es in Hugendubel-Filialen sowie im Laden „Paper, Pen & Present“ in Dornholzhausen.

Zweieinhalb Stunden legte sich Ulrik Velte auf seiner Terrasse in Dornholzhausen auf die Lauer, um dieses Rotkehlchen inmitten bunten Fächerahorns einzufangen.
Zweieinhalb Stunden legte sich Ulrik Velte auf seiner Terrasse in Dornholzhausen auf die Lauer, um dieses Rotkehlchen inmitten bunten Fächerahorns einzufangen. © tz
Verwunschen präsentiert sich der Kleine Tannenwald.
Verwunschen präsentiert sich der Kleine Tannenwald. © tz
Fast wie ein Gemälde: illuminierte Waisenhausstraße.
Fast wie ein Gemälde: illuminierte Waisenhausstraße. © tz

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