Waisenhausstraße

Bodenkunstwerk erinnert an einstigen Brunnen

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Seit bald einem Jahr ist das historische Fachwerkhaus vor der Kirche St. Marien saniert. Auf dem Platz davor sind nach Monaten die Warnbaken einem Bodenkunstwerk gewichen.

Um 1780 soll das Haus an der Ecke Waisenhausstraße/Dorotheenstraße errichtet worden sein. Allenfalls seine bescheidene Größe deutet auf sein Alter hin, denn der sandsteinfarbene Putz ist makellos. Es ist ein Jahr her, dass der Kronberger Architekt Max-Werner Kahl das zweistöckige Häuschen liebevoll und mit Gespür für die Historie sanierte und darin Wohnräume auf vier Ebenen schuf. Mittlerweile ist das Häuschen vermietet – doch der kleine Platz davor war bis vorige Woche Baustelle.

Über Monate mussten Passanten ein Quadrat aus vier Warnbaken umrunden. Bis Sommer 2017 stand dort die städtische Litfaßsäule, die auf Wunsch Kahls weichen musste und nach langem Hin und Her gegenüber auf Kirchengrund Platz fand. Der Platz gehört in Kahls Augen zum Gebäude dazu, das als Geburtshaus von Baumeister Louis Jacobi (1836–1910) gilt: „Hier, am Eingang zur früheren ,Armengasse‘, befand sich einer der Brunnen der Homburger Neustadt“, erklärt er. Wie nah das Grundwasser ist, sieht man im Keller des Wohnhauses. Kahl wollte den ehemaligen Brunnen mittels eines Bodenkunstwerkes kenntlich machen.

Zunächst hatte er eine gläserne Scheibe in Planung, die den Bezug zum Wasser herstellen sollte. Doch die lehnte die Stadt wegen Rutschgefahr ab. Und weil es wegen der versetzten Litfaßsäule ohnehin Unebenheiten im Pflaster gab, wurden besagte Warnbaken aufgestellt.

Es sollte bis in diesen September dauern, bis die rotweißen Sperren verschwanden und Kahl sein Bodenkunstwerk enthüllen konnte. Jetzt besteht es aus einer in Polen von Künstlerhand gestalteten, flächenbündigen Sandstein-Platte, in der sich – wenn es denn mal wieder regnet – ein Zentimeter hoch das Wasser sammeln kann. „Es symbolisiert die lebensnotwendige Versorgung der damaligen Bevölkerung“, so Kahl. Der Fraktur-Schriftzug („Platz des historischen Brunnens der Armengasse um 1740“) soll an jene Zeit anknüpfen. Und an die Plakette des Kur- und Verkehrsvereins (KVV), das Kahl vor zwei Jahren beim Fassadenwettbewerb auszeichnete.

„Das Kunstwerk wird super angenommen“, berichtet der Architekt kürzlich am „Tag des offenen Denkmals“, als er und seine Mieter Haus und Kunstwerk Interessierten zeigten. Der Sandstein der Bodenplatte passt zur Treppe – und zu den beiden (öffentlichen) kleinen Bänken am Haus, die viele gerne benutzen. „So mancher ältere Homburger freut sich, wenn er sich mit seinen Einkäufen mal kurz an der Ecke absetzen und auf die Kirche blicken kann“, erzählt Kahl.

Und selbst sein Mieterpaar bietet einen Bezug zur (jüngeren) Geschichte des Häuschens: Der Mann und die Frau sind als Bundesbeamte am Flughafen beschäftigt. Vor sieben Jahren, als das Gebäude noch marode und im Besitz der Stadt war, kam die Idee auf, es notdürftig herzurichten und als „Wärmestube“ für Ordnungspolizisten zu nutzen. Dieser „Sicherheitsaspekt“, so Kahl, wohne dem Häuschen nun ebenfalls inne.

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