Im späteren Café des entkernten Gotischen Hauses schauen Projektleiterin Heike Dumke-Kanuma, Hochbau-Chef Enzo Spadano und Museumleiterin Dr. Ursula Grzechca-Mohr gemeinsam auf die Pläne für das künftige städtische Museum.
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Im späteren Café des entkernten Gotischen Hauses schauen Projektleiterin Heike Dumke-Kanuma, Hochbau-Chef Enzo Spadano und Museumleiterin Dr. Ursula Grzechca-Mohr gemeinsam auf die Pläne für das künftige städtische Museum.

Entkerntes Kulturdenkmal

Bodentiefe Fenster und ein Gartencafé

  • Anke Hillebrecht
    vonAnke Hillebrecht
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Gotisches Haus wird bis 2023 zum modernen Museum umgebaut - Eingang künftig gegenüber der Bushaltestelle

Bad Homburg -Es war ein landgräfliches Jagdschloss und soll ein modernes Museum werden. Doch zurzeit ist das Gotische Haus in Dornholzhausen nur eines: ein nackter Rohbau. Während sich außen das Wort Dornröschenschlaf aufdrängt, so wurde das Innere des bald 200 Jahre alten Gebäudes seit Februar komplett entkernt.

Die gesamte Inneneinrichtung - Decken, Böden, Wände, Vitrinen - sowie die veralteten Leitungen wurden entfernt und entsorgt. So konnten statische Untersuchungen angestellt werden - mit positivem Ergebnis. Bis Ende des Jahres werden sich die Rohbauarbeiten hinziehen. Derzeit warten Enzo Spadano, Leiter des städtischen Hochbaus, und Projektleiterin Heike Dumke-Kanuma allerdings noch auf die Baugenehmigung. "Das geht bei einem städtischen Gebäude auch nicht schneller - zumal es sich um einen Sonderbau handelt", räumt Spadano ein.

Im April 2023 soll das Gotische Haus wieder wachgeküsst werden - dann jährt sich die Grundsteinlegung des Schlösschens zum 200. Mal. Bevor es Ende 2023 wieder Sitz der städtischen Sammlung sein soll, wird es das Dreivierteljahr zuvor schon einmal in einer "Akklimatisierungsphase" zumindest im Erdgeschoss zugänglich sein. In der geplanten Haupthalle - dem früheren "Irrgarten" aus Stellwänden und Kabinetten zwischen Eingang und Gartensaal - will Museumsleiterin Dr. Ursula Grzechca-Mohr dann nur Skulpturen zeigen, um das frisch sanierte Gebäude in den Blickpunkt zu rücken. So kann aus dem Haus die Baufeuchtigkeit entweichen, bevor die sensiblen Exponate aus dem Horex-Museum und den Depots zurückkehren.

Von außen soll das Gebäude sein nostalgisches Aussehen behalten; innen wird es sich aber radikal verändern. Der (barrierefreie) Eingang wird künftig an der Südseite sein - gegenüber der Bushaltestelle. Der ehemalige Hutsalon wird zur Eingangshalle mit Anmeldung und Café. Den Kuchen wird man auch draußen essen können - auf dem Rasenstück zwischen den Bronzeskulpturen von Steinbrenner und Beasley.

Deckenaussparung zeigt Raumhöhe

Geradeaus geht es dann in die Haupthalle - zu Landgrafs Zeiten war sie elf Meter hoch; eine Tafel für Jagdgesellschaften von bis zu 40 Personen nahmen hier Platz, weiß die Museumsleiterin von Grafiken aus dieser Zeit. Doch heute müssen dort 40 000 Exponate untergebracht werden. Als Kompromiss schlägt das beauftragte Architekturbüro Rittmannsperger (Darmstadt), das schon andere historische Objekte, etwa die Alten Synagoge in Erfurt bis zur Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar, verschönert und fürs Gotische Haus einen "Stehgreifentwurf" präsentiert hat, eine Deckenaussparung auf 5,50 Meter in einem Teil des Cafes vor - so bekommt man zumindest eine Idee von der einstigen Deckenhöhe. Von oben wird man über eine Galerie hinunterschauen können.

Ebenfalls neu im Südflügel wird eine Treppe in den ersten Stock sein - der heutige Brandschutz erfordert neben dem bestehenden Treppenhaus in der Gebäudemitte einen zweiten Fluchtweg für die oben gelegenen Ausstellungsräume. Dort sind auch ein Atelier für die Museumspädagogik und die Büros des Museumsteams (im zweiten Stock, der sich im Mittelteil zwischen den Zinnen erstreckt) vorgesehen. Die Technik verschwindet im dritten Stock sowie im Keller.

Die Umbaukosten liegen bei 9 Millionen Euro - einer halben Million mehr als im Budget. Denn die Bauteile kommen "nicht von der Stange, wie Spadano betont, die bogenförmigen Fenster etwa seien alles Sonderanfertigungen. "Das wird keine Luxussanierung", so Spadano. "Ausgeben könnten wir mehr." Bis zu 20 Millionen, wenn man es richtig gut machen wolle. So werde nun mit Blick auf die städtischen Finanzen schon geschaut, was man vereinfachen könne.

Der Gartensaal bleibt Vortragssaal. Er wird künftig direkt vom Café aus zu erreichen sein. "Dies war ursprünglich eine offene Loggia", erklärt Spadano. Dieser Anschein soll wieder wahrnehmbar werden - wenn der Denkmalschutz zustimmt, könnten die Brüstungen bodentiefen Fenstern Platz machen. Vor großen Glasfronten könnte man sich im Gartensaal wie draußen fühlen.

Alle Fenster sollen von außen ihren neugotischen Stil, der dem Gebäude seinen Namen gibt, behalten. Abends werden sie erleuchtet. Von innen aber werden die Fenster verdeckt, um die Ausstellungsstücke vor Licht zu schützen. Dank moderner Klimatechnik wird es künftig möglich sein, für Themenschauen auch mal Exponate aus anderen Sammlungen auszuleihen. "Bisher konnten wir das nicht, haben aber immer viel an andere Städte verliehen", so Grzechca-Mohr. Nun werde das Haus für künftige Generationen fitgemacht.

"Eliza" hat das Schlösschen für ihren Gatten geplant

Landgräfin Elisabeth (jene Eliza, der das Schloss derzeit eine Ausstellung widmet) ließ das Gotische Haus für ihren Gatten, den Landgrafen Friedrich VI, im neugotischen Stil erbauen. Der Grundstein wurde am 17. April 1823 in das Fundament eingemauert. Die englische Prinzessin plante es als repräsentative Lokation für Feste und (Jagd-)Ausflüge des Landgrafen und verwendete dafür einen Teil ihrer royalen Mitgift. Nach einem Brand 1980 wurde es komplett restauriert und 1977 - nachdem es unter anderem Discothek und Gasthaus war - in letzter Minute als Kulturdenkmal eingetragen. Seit 1985 beherbergt es das kulturhistorische Museum der Stadt. Von Anke Hillebrecht

Der Eingang ins Museum wird künftig auf der Südseite sein (links). Dort entsteht auch ein Außenbereich für das Museums café.
Im ersten Stock, dem einstigen Stadtarchiv, entstehen Arbeitsräume. Die Fenster werden von innen unsichtbar, von außen in Gänze sichtbar sein.

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