+
Das Haus Schlesien im Hessenring bleibt vorerst unbewohnt. Ein Bewohner hatte in der Nacht zum Montag in seinem Zimmer im ersten Stock eine Matratze angezündet.

Täter beim Haftrichter

Brand im Flüchtlingswohnheim: Es war ein Bewohner

  • schließen

Am Tag 2 nach dem Brand im Wohnheim am Hessenring ist klar, dass ein Bewohner das Feuer gelegt hat. Bis nächste Woche wird wohl noch dauern, bis klar ist, ob das Gebäude weiter genutzt werden kann.

Man kann sich vorstellen, dass jemand, der in einer kalten Nacht in einem fremden Land sein Bettlaken anzündet, verzweifelt sein muss. Was den 20 Jahre alten Syrer dazu bewegt hatte, in der Nacht zum Montag nicht nur sich selbst, sondern auch 60 weitere Personen derart in Gefahr zu bringen, werden die Behörden vielleicht nie in Erfahrung bringen. Fakt ist jedenfalls, dass der Bewohner gestanden hat, dass er für den Brand seines Flüchtlingswohnheims im Hessenring (die TZ berichtete gestern) verantwortlich war.

Wie Polizeisprecher Michael Greulich sagte, fing nach dem Bettlaken auch die Matratze Feuer, und das Unheil nahm seinen Lauf. Warum der Syrer das Laken angesteckt hat, sei nach wie vor unklar. „Er hatte familiäre Probleme“, so Greulich. Der Syrer wurde gestern dem Haftrichter in Frankfurt vorgeführt. Mit Antworten, ob der Mann zurück nach Bad Homburg kommt und wie er für seine Tat zur Rechenschaft gezogen wird, rechnet die Sprecherin der Staatsanwaltschaft nicht vor heute. In Bad Homburg werden derweil weitere Zeugen befragt.

Das Diakonische Werk, das die Sozialbetreuung für rund 200 Geflüchtete in der Einrichtung leistet, wollte sich nicht näher zur Sache äußern. „Unsere Sozialarbeiterin hat einen sehr guten Draht zu den Bewohnern“, erklärte Justus Wiehler, Bereichsleiter Flüchtlinge im Diakonischen Werk. Er betont, dass die Angebote auf freiwilliger Basis geschehen.

Die anderen Flüchtlinge, die die Brandnacht in der HUS-Sporthalle verbringen mussten, sind am Montagnachmittag in Unterkünfte in Oberursel (Drei Hasen), Königstein und Neu-Anspach umgezogen. Nicht alle sind glücklich damit, wie Stadtrat Dieter Kraft (Grüne) weiß. „Manche arbeiten ja in Bad Homburg.“

Doch solange das Haus Berlin nicht umgebaut ist, fehlen weitere Flüchtlingsunterkünfte in der Stadt. Zumal erst Anfang Januar die alte Feuerwache (Schwalbacher Straße) nach einem Brand in der Gemeinschaftsküche weggefallen ist. „Zum Glück war da gerade der Portikus fertiggeworden“, so Kraft. Das Bürogebäude dient jetzt als Flüchtlingsunterkunft, die 15 betroffenen Personen konnten dort einziehen. Gut 600 Geflüchtete leben derzeit in Bad Homburg. Im Frühsommer sollen einige ins Haus Berlin ziehen.

Die Kreisverwaltung lässt unterdessen untersuchen, ob das verrußte Haus Schlesien im Hessenring wieder als Unterkunft dienen kann – ganz oder zum Teil. „Die Fachleute gehen derzeit nicht davon aus, dass die Bewohner kurzfristig wieder einziehen können“, so Kreissprecherin Andrea Herzig. „Eine Entscheidung wird vermutlich erst in der kommenden Woche gefällt.“

OB Alexander Hetjes und Landrat Ulrich Krebs (beide CDU) haben sich bei den Einsatzkräften für den reibungslosen Ablauf der Rettungs- und Löschaktion in der Nacht bedankt. 63 Feuerwehrleute, etwa 50 Kräfte vom DRK, Notarzt sowie weitere Helfer waren die ganze Nacht über im Einsatz, viele von ihnen ehrenamtlich. Wiehler und Stadtrat Kraft schlossen sich dem Lob an. „Ein Musterbeispiel, wie etwas hervorragend klappen kann“, so Homburgs Sozialdezernent.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare