Hat die Bücher in der Stadtbibliothek fest im Griff: Klaus Strohmenger.
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Hat die Bücher in der Stadtbibliothek fest im Griff: Klaus Strohmenger.

Leiter der Stadtbibliothek über das Buch in gedruckter und elektronischer Form

Bücher: Totgesagte leben länger

  • Marc Kolbe
    VonMarc Kolbe
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Schon mehr als einmal wurde dem gedruckten Buch eine traurige Zukunft vorausgesagt. Doch noch immer wird mit dem Wälzer in der Hand gelesen. Warum das so ist und welche Rolle dabei die Frauen spielen, darüber hat die TZ mit dem Leiter der Stadtbibliothek, Klaus Strohmenger, gesprochen.

Auf allen Etagen und Fluren herrscht Betrieb. Bücher werden ausgeliehen, Hörbücher abgegeben, nach angesagten Hörbüchern gesucht. Im gut besuchten Café werden Zeitschriften gelesen. Ein normaler Tag halt. Das gedruckte Buch vor dem Aus? Danach sieht es in der Bad Homburger Stadtbibliothek nicht aus. Und Klaus Strohmenger ist auch zuversichtlich, dass das so bleiben wird. Das hat viele Gründe.

Die Buchmesse

Die Buchmesse besucht Strohmenger sowohl aus privatem als auch aus professionellem Interesse – immer in der Hoffnung, neue Inspirationen in Sachen Buch zu finden. „Ein Pflichttermin!“ Der allerdings auch ein wenig stressig ist. „Es ist immer sehr voll, man hat keine Ruhe“, sagt Strohmenger. Das liege nicht zuletzt daran, dass die Buchmesse eine Verkaufs- und keine Publikumsmesse sei: „Da wird nicht so auf die Besucher geachtet“.

Dafür achtet man in der Stadtbibliothek auf die Buchmesse, denn die Nachfrage nach Autoren aus dem jeweiligen Gastland oder dem Träger des Deutschen Buchpreises ist stets hoch (siehe INFO). „Wir schaffen uns immer mehrere Exemplare von Preisträgern an“, erklärt der Leiter der Bibliothek.

Das E-Book

Experten waren sich einig, die elektronische Variante des Buchs ist nicht aufzuhalten, wird über kurz oder lang das gedruckte Buch verdrängen. Auch in der Stadtbibliothek hat man sich mit der Onleihe darauf eingestellt. Über das Internet können sich die Kunden Bücher runterladen. „Das läuft sehr gut“, sagt Strohmenger. Er ist eigentlich ein Verfechter des gedruckten Buchs, als Chef einer Bibliothek aber, ist es ihm letztlich egal, wie die Menschen ihre Bücher lesen – Hauptsache sie lesen. Rund 500 000 Ausleihen verzeichnete die Homburger Bibliothek im vergangenen Jahr, 10 Prozent davon auf virtueller Basis.

Allerdings, so Strohmenger, sei die Zusammenarbeit mit den Verlagen bei den elektronischen Büchern nicht optimal. Im Gegensatz zu gedruckten Büchern gebe es keine gesetzlichen Bestimmungen, die diese Zusammenarbeit regeln. „Zum Teil verkaufen uns die Verlage gar nicht alle elektronischen Titel“, so Strohmenger. Auch den zehnprozentigen Nachlass wie bei den gedruckten Büchern gibt es nicht. Um dem entgegenzuwirken, haben sich die hessischen Büchereien zu einem Verbund zusammengeschlossen, um gegenüber den Verlagen eine bessere Verhandlungsposition zu haben.

Die Hörbücher

Entspannt im Sessel sitzen, die Augen zumachen und ein Buch hören – „das ist stark im Trend“, weiß Strohmenger, und auch bei Autofahrern sehr beliebt. Da habe man ein riesiges Angebot, das auch gut genutzt werde. „Schließlich bekommt doch jeder gerne vorgelesen. Das ist eine positive Erinnerung an die Kindheit.“ Die sogenannten Non-Book-Medien (Hörbücher, CDs, DVDs und Spiele) machen stolze 43 Prozent der Ausleihen aus.

Die Regional-Krimis

Krimi geht (noch) immer. Dafür sind die Fantasy-Romane, die gefühlt über Jahre die Auslagen der Buchhandlungen beherrschten, mittlerweile auf dem absteigenden Ast. Stark im kommenden sind die Regional-Krimis, für die in der Stadtbibliothek schon eine eigene Abteilung eingerichtet wurde. Aus der Region steht da natürlich Nele Neuhaus an erster Stelle, ihre Romane sind fast ständig verliehen. Im Trend sind auch Serien, ähnlich wie im Fernsehen, wo man auch auf vertraute Protagonisten steht.

Die Literaturpreise

„Frauen lesen mehr als Männer“ – das ist für Strohmenger kein Trend der vergangenen Jahre, sondern schon immer so. „Wir haben mehr Frauen als Männer als Kunden.“ Die Verlage haben das auch erkannt, buhlen um Autorinnen und passen auch die Cover-Gestaltung den weiblichen Kunden an. Das einzige, was da nicht hineinpasst, sind die diversen Literaturpreise, denn die, so Strohmenger, gehen in aller Regelmäßigkeit an Männer.

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