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Unsere Volontärin Marah Naumann ist, das bringt der Beruf so mit sich, natürlich auch eine Leseratte. Und wäre nach dem Fototermin am liebsten noch in der Stadtbibliothek geblieben. Wie ihr geht es den meisten Nutzern der Bücherei. Die 2003 eröffnete Einrichtung lädt einfach zum Verweilen ein.

Bücherei

Stadtbibliothek hat weniger traditionelle Ausleihen, dafür stabile Besucherzahlen

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Regen, Schneeregen, Nebel – bei solchen Wetterlagen, wie in den vergangenen Tagen bei uns erlebt, geht das Herz von Klaus Strohmenger auf. Der Leiter der Bad Homburger Stadtbibliothek weiß nämlich: Schmuddelwetter ist Büchereiwetter. Die meteorologischen Hochs und Tiefs sind aber nicht der einzige Grund dafür, dass die Stadtbibliothek nach wie vor zu den beliebtesten kulturellen Einrichtungen der Stadt gehört – auch wenn die Ausleihzahlen zurückgehen.

Als Bürgermeister Meinhard Matern (CDU) im vergangenen Jahr beim Haushaltsentwurf ankündigte, Geld „freipressen“ zu müssen, um die anstehenden Vorhaben umzusetzen, und deswegen an freiwillige Leistungen ran zu wollen, da dürften mehrere Einrichtungen und ihre Leiter mal kurz tief eingeatmet haben. Ob er selbst auch in Sorge geriet, mag der Leiter der Stadtbibliothek, Klaus Strohmenger, zwar nicht sagen. Aber: „Natürlich ginge es ohne finanzielle Zuwendungen der Stadt bei uns nicht – 90 000 Euro bekommen wir alljährlich, um unseren Betrieb aufrechtzuerhalten, unter anderem unseren Papierbuchbestand von 87 000 Büchern.“

Das Geld ist allerdings gut angelegt. Denn Strohmenger und sein 20-köpfiges Team, mit dem er nicht nur die Hauptstelle in der Dorotheenstraße führt, sondern auch die Geschäftsstelle in Ober-Erlenbach, „wecken das Interesse am Lesen und bringen die Menschen zum Lesen“, sagt der Bibliotheks-Chef. Und nicht gerade wenige.

Hoffen auf den Oberhof

2018 kamen immerhin 125 000 Besucher ins 2003 erbaute Gebäude in die Dorotheenstraße und 10 773 in die Zweigstelle nach Ober-Erlenbach. Macht zusammen 136 633. Das sind zwar insgesamt vier Prozent weniger Besucher als 2017 (142 145), aber immer noch mehr als 2016, als 128 038 Besucher kamen. Strohmenger sagt: „Wir sind mit den Besucherzahlen trotz des Rückgangs zufrieden. Man darf nicht vergessen, dass wir im Sommer ja auch wegen Umbauarbeiten zwei Wochen lang schließen mussten.“

Sorgenvoller blickt der Leiter der Stadtbibliothek allerdings auf die Zahl der Ausleihen. Die sind in der Hauptstelle um zehn Prozent auf 339 795 zurückgegangen, in der Zweigstelle in Ober-Erlenbach sogar um 13 Prozent auf 17 772. Allerdings: „Die kleine Zweigstelle am alten Rathaus ist ja nun wirklich in die Jahre gekommen, ein bisschen vollgestellt. Und Bibliotheken müssen meiner Meinung nach luftig und einladend sein, so wie hier in unserer Hauptstelle. Denn Bibliotheken sind neben Arbeits- und Wohnstätte sozusagen der dritte Lebensraum“, ist Strohmenger überzeugt.

Weswegen er sich auch darauf freut, dass beim Oberhof endlich ein Fertigstellungsdatum im Raum steht. 2020 soll das Mehrgenerationenprojekt bekanntlich eröffnen – und dort eben auch künftig die dann neue Ober-Erlenbacher Filiale der Stadtbibliothek beherbergen. „Das bedeutet eine Menge Arbeit für uns, aber eine, auf die ich mich wirklich freue, denn die Stadtteilbibliothek ist immens wichtig.“

Immer wichtiger wird auch das Thema E-Book. Die Stadtbibliothek bietet schon seit Jahren eine Online-Ausleihe an, die sogenannte Onleihe, kann in diesem Bereich auf mittlerweile 200 000 Medien zurückgreifen. Und die werden oft ausgeliehen. 83 386 Ausleihen dieser Art gab es im vergangenen Jahr, ein Plus von sage und schreibe acht Prozent. „Ich hätte nicht gedacht, dass das so gut geht. Aber ich bin glücklich, dass es so ist, und in diesen Bereich werden wir weiter investieren müssen, auch wenn das schwieriger ist, als in gebundene Bücher“, sagt Strohmenger und erklärt: „Die Verlage tun sich schwer damit, dass Bibliotheken E-Books kaufen dürfen.“

Hölderlinpreisträger beliebt

Wäre aber blöd, wenn man sich nicht jene Bücher ausleihen könnte, die alle begeistern. „Und das sind vornehmlich Krimis und Romane“, sagt Strohmenger, „aber auch Moderne Literatur und Sachbücher.“ Die Hitliste der Ausleihen 2018 führt Elena Ferrantes 2016 erschienene „Meine geniale Freundin“ an, das 84 Mal ausgeliehen wurde. „Betrachtet man allerdings die Bücher, die erst 2018 erschienen sind, stünde Jojo Moyes „Mein Herz in zwei Welten“ mit 44 Ausleihen auf dem ersten Platz.

Strohmenger ist vor allem davon begeistert, dass die Bad Homburger in ihrer Stadtbibliothek so großes Interesse an der Gegenwartsliteratur zeigen. „Die Hauptstadt“ vom Robert Menasse wurde vergangenes Jahr zum Beispiel 49 Mal ausgeliehen und Juli Zehs „Leere Herzen“ 34 Mal. Beide sind mit dem Hölderlinpreis der Stadt ausgezeichnet. „Wir haben hier ein großes Bildungsbürgertum, aber eben auch eines, das es schätzt, die Bücher bei uns auszuleihen“, sagt Strohmenger. Und vielleicht auch gleich in der Bibliothek mit dem Lesen anzufangen. Das Café Hölderlix jedenfalls macht leckeren Yogi-Tee. Genau das Richtige, um sich damit und mit einem guten Buch an den Tisch zu setzen. Und das ist, mit Blick auf den städtischen Haushalt, eigentlich unbezahlbar.

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