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Forum Kurpark

Chef-Volkswirt der Degussa referiert  über Alternativen zu Papiergeld

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Er sei eine „historische Fehlentscheidung“, sagt Professor Thorsten Polleit, der Chefvolkswirt des Edelmetallhandelshauses Degussa, über den Euro. Und schlug „Forum Kurpark“ am Mittwochabend ein ungewöhnliches Vorgehen vor, um die zu revidieren.

Stellen Sie sich vor, Sie besuchen die Oper und geben zu Beginn Ihren Mantel an der Garderobe ab und erhalten dafür ein Zettelchen mit der Nummer 320. Danach gehen Sie wieder zur Garderobe und die Frau an der Ausgabe sagt: „Den Mantel gibt’s nicht mehr, aber den Zettel dürfen Sie behalten.“ So sei das am 15. August 1971 gewesen, als der damalige US-Präsident Richard Nixon „in einem Handstreich“ die Möglichkeit, den US-Dollar gegen Gold einzutauschen, beendete und damit „den größten monetären Enteignungsakt aller Zeiten“ in Gang setzte.

Keine Frage, Professor Thorsten Polleit, Chefvolkswirt des Edelmetallhandelshauses Degussa und Honorarprofessor der Universität Bayreuth, wusste am Mittwochabend beim „Forum Kurpark“ seinem Publikum ein schwieriges Thema näherzubringen. Sein Vortrag stand unter der Überschrift: „Der Euro – Wege aus einer historischen Fehlentscheidung“ und ließ befürchten, dass Otto Normalverbraucher ihm, der, Bücher schreibt und einen eigenen Fonds aufgelegt hat, gar nicht würde folgen können.

Das schlechte „Fiat-Geld“

Die Sorge war unbegründet. Polleit erklärte verständlich: „Dass Nixon verkündete, Geld sei nicht mehr im Gegenwert in Gold einlösbar, brachte auch alle anderen Währungen in die Bredouille und machte sie kurzerhand zu „schlechtem ,Fiat-Geld’“. Ein Begriff, der nichts mit der Automarke zu tun hat, sondern dem Lateinischen entstammt und „So sei es“ heißt, womit das „Fiat-Geld“ auch als „verordnetes Geld“ übersetzt werden könnte.

Das „Fiat-Geld“ zeichnet sich laut Polleit dadurch aus, dass es von staatlichen Zentralbanken produziert wird, die das Monopol der Geldproduktion besitzen. Es sei „bedrucktes Papier“. Die Bank schaffe „Geld aus dem Nichts“.

Nun könne man sagen, wenn alle damit arbeiteten, sei das doch kein Problem, aber: „Fiat-Geld“ hat Defekte, sagte Polleit und klärte auf: „Es ist inflationär, verliert seine Kaufkraft im Zeitablauf. Außerdem treibe es Volkswirtschaften in eine immer höhere Verschuldung. Und natürlich sei der Euro auch eine solche „Fiat“-Währung. Und da „Fiat-Geld“ schon für eine nationale Einheit schwierig sei, müsse es mit vielen Nationen „zwangsläufig zu einer Zwangsjacke“ werden. Deswegen sei der Euro heute „ein kranker Patient auf der Intensivstation“.

Währungsfreiheit

Aber: Der „Fiat“-Euro sei nicht alternativlos. Der Euro könne privatisiert, also entstaatlicht werden. Ein freier Markt für Geld? Klar, sagte Polleit: „So hätte jeder die Freiheit, das Geld zu wählen, das er will. Wer den Euro wählen will, soll das dürfen, aber niemandem darf es verwehrt werden, eine andere Währung zu verwenden.“

Währungsfreiheit und -wettbewerb, die gebe es schon in einigen Staaten der USA. Diese hätten ihre Gesetze geändert und Umsatz- und Kapitalertragssteuer auf Edelmetalle abgeschafft. „Man will, dass Gold und Silber als Geld verwendet werden können, ohne steuerliche Nachteile gegenüber dem US-Dollar. Und das sei die „Vorstufe zu einem freien Währungswettbewerb.“ Denn, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Polleit mag ein Degussa-Mann sein, aber es geht ihm nicht darum, dass Edelmetalle Papiergeld ersetzen, sondern um die Wahlfreiheit. „Vielleicht wollen die Leute auch keine Edelmetalle, sondern lieber eine Digitalwährung wie den Bitcoin.“ Letztlich sei das egal. Wichtig sei, das Geldmonopol abzuschaffen. Und so aus dem „schlechten Fiat-Euro“ langfristig „gutes“ freies Marktgeld werden.

Wer sich jetzt fragt, was gutes Geld ausmacht: „Es muss knapp sein, homogen, teilbar, transportabel, haltbar und allgemein wertgeschätzt und prägbar“, sagte Polleit. „Und“, sagte Claus Werner Döring, der Chefredakteur der Börsenzeitung, der nach Polleits Vortrag die rege Fragerunde moderierte: „Eine gute Währung muss das Vertrauen ihrer Nutzer genießen.“

Info: Veranstaltungsreihe zu gesellschaftlich relevanten Theme

In unserer Zeit gibt es brennende Fragen, die auf entscheidende Weichenstellungen hinführen können. Warum befinden sich unsere Volksparteien in der Krise? Was ist vom Gesundheitsmarkt der Zukunft zu erwarten? War die Einführung des Euros eine historische Fehlentscheidung?

Der Fachbereich Kultur und Bildung der Stadt und der Rotary-Club Bad Homburg-Kurpark wollen solche aktuellen Themen zusammen mit interessierten Bürgern in einer Vortrags- und Diskussionsreihe aufgreifen. Die Reihe läuft unter dem Titel „Forum Kurpark“ in der Englischen Kirche. Dort nehmen namhafte Referenten aus allen Bereichen von Kultur, Wissenschaft und Politik einmal im Monat Stellung. Der Eintritt beträgt zehn Euro Eintritt. Der Erlös fließt karitativen Zwecken zu.

Als nächstes steht am 5. Dezember das 3D-Drucken, das additive Manufacturing, auf dem Plan. Dazu kommt Prof. Dr.-Ing. Andreas Gebhard von der FH Aachen und Geschäftsführer von CP-Prototypenbau in die Englische Kirche. Und zum Abschluss der Reihe „Forum Kurpark“ wird es militärisch: Brigadegeneral Karsten Stoye, Kommandeur des NATO-AWACS-Verbandes, berichtet am 23. Januar über den Einsatz und die Zukunft der NATO-Frühwarnflotte AWACS.

( sbm)

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