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Christopher Neuhaus bietet Reiseführungen in die Antike

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Von: Martina Dreisbach

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Offizieller Cicerone des Limes-Welterbes im Naturpark Taunus, Christofer Neuhaus, schätzt die Römer und zieht für Führungen im Kastell auch die weite Tunika an.
Offizieller Cicerone des Limes-Welterbes im Naturpark Taunus, Christofer Neuhaus, schätzt die Römer und zieht für Führungen im Kastell auch die weite Tunika an. © mad

Der Limes-Cicerone gibt authentisch und detailreich Einblicke in die Welt der Römer im Naturpark.

Bad Homburg -Dieser Cicerone könnte einem Bilderbuch entstiegen sein. Von großer Gestalt, gewinnendem Wesen, mit toller Stimme ausgerüstet. Man traut ihm sofort zu, dass er sich nicht nur mit den Römern auskennt. Dass er altem Gemäuer wie dem Limes, unserem historischen Grenzwall mit dem Kastell oben im Taunus, Leben einhaucht. Wenigstens stundenweise, eben auf den Führungen, die er für den Naturpark Taunus macht. Oder in der Tunika, um die Phantasie noch zusätzlich anzufachen.

An diesem Wochentag aber kommt Christofer Neuhaus in zünftiger Kleidung in Sandtönen, die für Stadt und Wald gleichermaßen passt. Feste Schuhe, ein Hemd mit Metallknöpfen. Um den Hals trägt er das Erkennungszeichen. "Limes-Cicerone der Deutschen Limeskommission" heißt es auf dem Ausweiskärtchen am Karabinerhaken und "Kulturvermittler am UNESCO-Welterbe Grenzen des Römischen Reiches - Obergermanischer- Raetischer Limes". Sein Händedruck ist fest, und selbst der naturfarbene Beutel, in dem er Papiere mitbringt, passt farblich und thematisch: "Hessen Archäologie".

Die Tunika ist an diesem Vormittag nicht dabei. "Die trage ich, wenn ich als Cicerone durchs Kastell führe", sagt Neuhaus. "Sie ist wie ein schweres übergroßes Hemd aus Leinen und wird mit einem Gürtel befestigt. Meine Frau hat sie genäht, auch die roten Stoffstreifen." Er trägt sie über sommerlicher Alltagskleidung.

Christofer Neuhaus ist seit 2007 ehrenamtlicher Naturparkführer mit Schwerpunkt "Römer im Taunus". Der "Naturpark Taunus" ist 12000 Quadratkilometer groß und grenzt im Norden ans Lahntal, im Süden ans Maintal, im Osten an die A3, im Westen an die A5," sagt Neuhaus. Nach der Pensionierung suchte er eine neue Aufgabe und stieß auf diese Tätigkeit, die noch einmal den ganzen Mann forderte, auch mit Prüfungen, dem Lehrgang 2012 als "Zertifizierter Natur- und Landschaftsführer" durch die Naturschutz-Akademie Hessen oder als "Limes-Cicerone der Deutschen Limeskommission"."Ich verbinde den Menschen mit der Natur", fasst er seine Aufgabe unter freiem Himmel zusammen, etwa wenn der die missliche Lage des Waldes erläutert.

Vom weltläufigen Manager zum Wanderführer

Corona ist auch an der Wanderlust nicht spurlos - oder doch: spurlos - vorübergegangen. Sie ist offenbar gebremst. "Die Leute sind unterwegs, mit dem Auto, mit dem Flugzeug", sagt Neuhaus. Vor der Epidemie führte er wöchentlich Schülergruppen, etwa Drittklässler, von Oberreifenberg zur Saalburg, Tausende Kinder. Dass die Waldwege und Parkplätze gepflegt sind, die Routen beschildert, obliege dem Zweckverband. Der Naturpark feiere in diesem Jahr 60. Jubiläum.

Neuhaus wurde 1944 in Pförring im bayerischen Eichsfeld geboren. Der Vater war an der Front, die Mutter war mit dem kleinen Bruder vor den Bombenangriffen auf Essen aufs Land geflohen, zu einem Studienfreund ihres Mannes. Der Weiler liegt am Ende des Obergermanisch-Raetischen Limes an der Donau und könnte allemal als Omen herhalten für die ehrenamtliche Tätigkeit am Limes. Er sagt: "Ich hatte zunächst im Kreisarchiv das Pressearchiv auf Vordermann gebracht. So kam die Verbindung zum Naturpark."

Christofer Neuhaus hat ein vielseitiges Berufsleben hinter sich. Nach Abitur und Wehrdienst besuchte er die "Akademie für Welthandel" in Frankfurt, machte eine kaufmännische Lehre bei der Metallgesellschaft. Seine Karriere führte die Familie, Ehefrau und Tochter, zweimal fünf Jahre nach London, wo er die Geschäftsleitung als Managing Director übernahm.

Als Kind wanderte Neuhaus mit der Familie in den bayerischen Bergen. In seiner offenen Art gibt er zu, dass ihn das damals nicht immer begeisterte. Aber da gab es ja auch noch keine Wanderführer. Neuhaus lacht. "Am Sonntag also, um zehn Uhr in Landstein im Weiltal, wenn der Jubiläumsweg eröffnet wird. Wanderschuhe, Rucksack, Landrat Ulrich Krebs zerschneidet das Band. Es geht über den 100-Stufen-Weg nach Alt- und Neuweilnau. Der Weg ist klasse. Zur Feier des Tages gibt es Verpflegung."

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