Dr. Christian Müller vor dem Eingang des neuen Corona-Behandlungszentrums im Gluckensteinweg. Der Bad Homburger Allgemeinarzt hat das Projekt federführend organisiert. fotos: Jens priedemuth
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Dr. Christian Müller vor dem Eingang des neuen Corona-Behandlungszentrums im Gluckensteinweg. Der Bad Homburger hat das Projekt organisiert. 

Coronavirus

Bad Homburg: Neue Corona-Praxis soll Ärzte entlasten - Keine Symptome, kein Test

  • Anke Hillebrecht
    vonAnke Hillebrecht
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In Bad Homburg eröffnet eine Corona-Schwerpunktpraxis. Sie ist für den ganzen Hochtaunuskreis zuständig. und soll Ärzte entlasten.

  • In Bad Homburg entsteht ein Behandlungszentrum.
  • Dort werden Menschen, die mit Corona infiziert sind, behandelt.
  • Wer keine Symptome zeigt, wird jedoch nicht getestet.

Bad Homburg - Aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus meiden viele Ältere und chronisch Kranke derzeit die Arztpraxen. Das betrachten die Mediziner mit Sorge, zumal sie manche gern zu dreimonatlichen Kontrollen sähen. „Aber keine Praxis im Hochtaunuskreis hat zwei Eingänge oder zwei Wartezimmer, mit denen man infizierte und nicht infizierte Patienten separieren könnte“, sagt Dr. Christian Müller. 

Und so kümmerte sich der Allgemeinarzt aus Bad Homburg federführend darum, im leerstehenden früheren Gemeindezentrum St. Franziskus im Gluckensteinweg 101 in Kirdorf innerhalb von drei Wochen eine Corona-Schwerpunktpraxis für den Kreis zu eröffnen. Es ist eine von derzeit 55 Schwerpunktpraxen in Hessen. Sie ist für den ganzen Hochtaunuskreis zuständig und soll vorläufig bis Herbst bestehen bleiben. Von kommendem Montag an werden hier Personen untersucht und behandelt, die Symptome einer Infektionskrankheit aufweisen - vor allem der oberen Atemwege wie Husten, aber auch Fieber, Durchfall.

Bad Homburg: Corona-Behandlungszentrum - Anmeldung ist erforderlich

"Es handelt sich nicht um ein Corona-Testzentrum", betont Müller. Das heißt, wer keine Symptome hat und lediglich wissen möchte, ob er infiziert ist, muss sich nach wie vor unter der Rufnummer 116117 um einen Termin in einem der Testzentren bemühen - das nächste ist in Frankfurt. Wer sich aber krank fühlt und glaubt, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben, soll sich entweder zunächst telefonisch an seine Hausarztpraxis wenden oder aber direkt an das neue Corona-Behandlungszentrum, das fortan als Corona-Schwerpunktpraxis dient. Es ist unter (06172) 8039982 oder per Mail an corona-schwerpunktpraxis@praxis- im-web.de zu erreichen.

Dr. Ellen Sieh (links), Ärztliche Leitung Corona beim Kreis, und Gesundheitsamtsleiterin Britt Friebertshäuser in einem der Behandlungsräume.

Von seiner verwinkelten Architektur her hat das frühere Gemeindezentrum, das längst hätte abgerissen werden sollen, gut gepasst. Binnen weniger Tage und teilweise in Nachtarbeit hätten Handwerker Trockenbauwände eingezogen, lobt Kreis-Gesundheitsdezernent Thorsten Schorr (CDU). So sind mehrere Behandlungsräume entstanden. PVC-Boden wurde verlegt, die Wände bekamen einen abwaschbaren Anstrich. Mobiliar stellte der Kreis zur Verfügung; 80.000 Euro hat er in den Umbau gesteckt. Auch die Versorgungsleitungen und die Heizung wurden instandgesetzt.

Bad Homburg: In der Corona-Praxis kann Blut abgenommen werden

Im Gemeindezentrum können sich die Menschen gut aus dem Weg gehen. Wer kommt, muss zunächst draußen warten. Gleich hinter der Glastür befindet sich in einem Extraraum die Anmeldung. Als riesiges Wartezimmer fungiert der einstige Pfarrsaal. Dort stehen einzelne Stühle mit jeweils zwei Metern Abstand nach vorne, hinten und den beiden Seiten. Zeitschriften gibt es allerdings nicht.

Die Ärzte arbeiten in gelber Schutzkleidung - sie wurde, ebenso wie Masken, Handschuhe und Schutzbrillen, von der Kassenärztlichen Vereinigung ausreichend zur Verfügung gestellt. Die ehemalige Sakristei dient als Lager. In der Corona-Praxis kann Blut abgenommen werden, es stehen ein Ultraschallgerät, ein EKG, ein Gerät zur Sauerstoffmessung und Notfallequipment bereit. Es kann, wenn die ärztliche Indikation gestellt wird, auch ein Corona-Abstrich gemacht werden. Mit einem Labor, so Müller, wurde vereinbart, dass die Ergebnisse innerhalb eines Tages vorliegen werden.

Corona-Praxis in Bad Homburg: Geräte stammen aus Fundus der Ärzte

Die Geräte haben Ärzte aus ihrem Fundus zur Verfügung gestellt. Bisher stellen sich zwölf Mediziner zur Verfügung, hier zu untersuchen - was in finanzieller Hinsicht durchaus ein Opfer sei, betont Müller. Werktäglich von 10 bis 14 Uhr hat die Praxis geöffnet. Müller geht davon aus, dass sich die Zahl der Ärzte noch erhöht und die Behandlungszeiten ausgeweitet werden. Die Anwohner seien dem Projekt wohlgesonnen, so Müller. Mit ihnen hat er gesprochen.

Von Anke Hillebrecht

Der Kurbetrieb wurde stark heruntergefahren. Die Hochtaunus-Kliniken in Bad Homburg behandeln jetzt vor allem Corona-Patienten.  

Übrigens: Bad Homburg hatte die strengste Corona-Maskenpflicht in ganz Hessen verordnet. Mittlerweile ist die Kurstadt zurückgerudert.

Turniertänzerin Vanessa Franz aus dem Hochtaunuskreis hat sich von der Corona-Krise nicht ausbremsen lassen: Sie übt da, wo Platz ist – und hat deshalb sogar manchmal Publikum.

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