Kurgäste weilen derzeit nur noch wenige in der Klinik Dr. Baumstark. Die idyllisch am Rande des Kurparks gelegene Einrichtung könnte demnächst Patienten beherbergen, die wegen Corona keinen Platz in einem Akut-Krankenhaus bekommen haben. foto: jochen reichwein
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Kurgäste weilen derzeit nur noch wenige in der Klinik Dr. Baumstark. Die idyllisch am Rande des Kurparks gelegene Einrichtung könnte demnächst Patienten beherbergen, die wegen Corona keinen Platz in einem Akut-Krankenhaus bekommen haben. 

Hochtaunuskreis

Hochtaunus-Kliniken: 20 Corona-Patienten - Kurkliniken stehen im Notfall bereit

  • Anke Hillebrecht
    vonAnke Hillebrecht
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Die Hochtaunus-Kliniken in Bad Homburg haben ihre Arbeit nun auf die Behandlung von Corona-Patienten umgestellt. Der Kurbetrieb wurde stark heruntergefahren. 

Bad Homburg - 15 an Covid-19 erkrankte Patienten werden derzeit in den Hochtaunus-Kliniken in Bad Homburg behandelt, fünf davon auf der Intensivstation. Das teilt Klinik-Geschäftsführerin Dr. Julia Hefty mit. 

Hochtaunus-Kliniken Bad Homburg: Extra-Station für Covid-19-Patienten

Dafür seien im Krankenhaus extra Stationen zur Verfügung gestellt und eine zweite Intensivstation eingerichtet worden. In Usingen seien derzeit fünf infizierte Patienten auf einer eigenen Corona-Station in Behandlung.

Die Zahl ihrer Beatmungsplätze hätten die Hochtaunus-Kliniken bis jetzt um zehn erweitert. "Wir haben ein mehrstufiges Organisationskonzept erstellt, mit dem wir sicherstellen, dass sowohl die nicht an Covid-19 erkrankten Patienten als auch die voraussichtlich in den kommenden Wochen zunehmend in den Kliniken aufzunehmenden Corona-Infizierten sicher versorgt werden können", berichtet Hefty.

Corona-Pandemie: Hochtaunus-Kliniken haben extra Wände einziehen lassen

Denn abseits von Corona sollen auch andere Notfälle wie bisher behandelt werden. Besonderen Wert habe man bei dem Konzept auf eine räumliche Trennung gelegt, die durch organisatorische sowie bauliche Maßnahmen umgesetzt werde. "Wir haben zum Beispiel Trockenbauwände einziehen lassen, um in der Notaufnahme die Covid- und Nicht-Covid-Patientenströme voneinander zu trennen", erklärt die Klinikchefin.

Hochtaunus-Kliniken: Patienten haben Angst, sich mit Corona anzustecken

Diese Maßnahmen setzten sich auf den Stationen sowie in den Untersuchungs- und Behandlungsräumen fort. Damit werde sichergestellt, dass Nicht-Corona-Patienten keiner erhöhten Ansteckungsgefahr ausgesetzt seien.

Denn Corona habe noch einen anderen, besorgniserregenden Effekt: "Wir beobachten in diesen Tagen mit Sorge, dass Patienten mit Herzinfarkt, Schlaganfall oder Blinddarmentzündungen zu lange warten, bevor sie zu uns kommen, oder sich sogar regelrecht scheuen - aus Angst, sich im Krankenhaus mit Covid-19 anzustecken", berichtet Hefty. Dabei rette hier eine möglichst frühe Behandlung oft Leben.

Corona und die Hochtaunus-Kliniken: Sämtliche Einrichtungen stehen bereit

"Das Herzkatheterlabor, die ,Stroke Unit' und die Operationssäle stehen selbstverständlich weiter zur Verfügung", betont die Klinikchefin. "Alle Patienten mit dringendem Behandlungsbedarf können weiter in den Hochtaunus-Kliniken behandelt werden." Eingriffe und Behandlungstermine, die ohne Gefahr für Leben und Gesundheit der Patienten hätten warten können, seien dagegen verschoben worden. Wer sich nicht sicher sei, ob er ins Krankenhaus kommen soll, solle am besten anrufen.

Trotz aller Vorbereitung hofft die Klinikchefin inständig, dass es durch das Kontaktverbot gelingen wird, die Ansteckungsrate zu verringern, denn auch das deutsche Gesundheitssystem könne schnell an Kapazitätsgrenzen kommen. Intensivmedizinisch erfahrene Ärzte und Pflegekräfte, Beatmungsgeräte und Schutzausrüstung - diese drei Faktoren seien entscheidend, so Hefty. Und bei allen dreien könne es bundesweit Probleme geben.

Hochtaunus-Kliniken: Kureinrichtungen stehen im Hintergrund

In Bad Homburg helfend im Hintergrund stehen auf jeden Fall die Kurkliniken. "Wir bereiten uns vor, damit wir als Hilfskliniken da sind, sobald freie Betten gebraucht werden", berichtet Kurdirektor Holger Reuter. Vier Kurkliniken gibt es in Bad Homburg: die kur-eigene Klinik Dr. Baumstark am Viktoriaweg, die Klinik Wingertsberg im Hardtwald, die Paul-Ehrlich-Klinik in der Landgrafenstraße sowie die Wicker-Klinik an der Promenade.

Sie alle bekommen derzeit zu spüren, dass in den Akut-Krankenhäusern nur noch unverschiebbare Operationen vorgenommen werden. Knie- oder Hüft-OPs werden auf die Zeit verschoben, wenn Corona hoffentlich besiegt sein wird. "Wir haben in der Klinik Dr. Baumstark derzeit nur 40 Prozent Auslastung", veranschaulicht Reuter. Deshalb wird in der Einrichtung, in der Personen wieder laufen lernen, die eine solche OP hinter sich haben, auch gerade über Kurzarbeit verhandelt (siehe Box). Etwa 80 der 160 Betten werden zur Verfügung gestellt.

Hochtaunus-Kliniken während Corona-Krise: Knie- und Hüft-OPs werden verschoben

In der Wicker-Klinik sind gar zwei Drittel der Betten für die orthopädische Nachsorge frei. Und die Klinik Wingertsberg, deren Schwerpunkt die Rehabilitation von Menschen mit Onkologischen Krankheiten, mit psychischen und psychosomatischen Störungen liegt, hat eine Auslastung von rund 28 Prozent.

Die freien Betten werden vorgehalten für den Fall, dass die Akut-Krankenhäuser in nächster Zeit Platz für Nicht-Corona-Patienten brauchen. Die Zuteilung erfolgt laut Reuter zentral über die fünf Schwerpunkt-Krankenhäuser in Hessen, die sich um Corona-Erkrankte kümmern. Für die Kurstadt ist die Uniklinik Frankfurt zuständig. Doch auch mit den Hochtaunus-Kliniken gäbe es einen Austausch.

"Im schlimmsten Fall", so Reuter, könnten auch leichte Corona-Fälle in die Klinik Dr. Baumstark verlegt werden. Intensivpatienten aber nicht, denn dazu fehle es in der Kur-Einrichtung an Material, Geräten und entsprechend geschultem Personal.

Hochtaunus-Kliniken: Therapie ohne Körperkontakt

In der Klinik Wingertsberg hat die Leitstelle des Katastrophenschutzes 105 der insgesamt 219 Betten als Corona-Vorsorge eingeplant, wie Tanja Mahel, Sprecherin der Deutschen Rentenversicherung Bund, berichtet. Auch hier ist es leer: Derzeit werden 61 Patienten in der Klinik betreut, was besagten 28 Prozent entspricht. Die Behandlung erfolge mit körperlichem Abstand und unter den vorgegebenen hygienischen Maßnahmen. Besucher sind nicht erlaubt, Kontakt durch Lieferanten auf ein Minimum reduziert. Mitarbeiter fragen vor jeder Maßnahme den Gesundheitsstatus der Rehabilitanden ab.

Auch in der Wicker-Klinik werden Patienten zunächst auf Corona gescreent. Das Hochhaus ist noch zur Hälfte belegt, weil hier außer Patienten mit neuer Hüfte auch Personen genesen, die einen Schlaganfall erlitten haben. "Das passiert leider auch in Corona-Zeiten", erklärt Verwaltungsleiter Günter Landwehr.

Freiwillige der Gesamtschule am Gluckenstein nähen derzeit aus alten Betttüchern und Schnürsenkeln Mundschutzmasken für die Wicker-Klinik. Weitere helfende Hände werden gebraucht; Interessierte können sich bei GaG-Sprecherin Antje Klaus melden unter (01 70) 8 13 86 51 oder Mail an klaus.antje@gag.hochtaunuskreis.net. 

Der Hochtaunuskreis will Ärzte entlasten. Deshalb entsteht in Bad Homburg eine Corona-Praxis.

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