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„Das Haus war eine Heimat für uns “

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John McCloy II (Mitte) mit Familie.
John McCloy II (Mitte) mit Familie. © stadtarchiv

John McCloy II, Sohn des amerikanischen Hochkommissars, erinnert sich an seine Zeit im Taunus.

Als John McCloy II mit seiner Familie vor wenigen Tagen zur Eröffnung des „John McCloy Transatlantic Forum“ nach Bad Homburg gekommen war, war dies für ihn viel mehr als nur ein Termin zu einem Festakt für die neue Gesprächsplattform, die den Namen seines Vaters trägt. Die Tage in der Kurstadt wurden für ihn vielmehr zu einer „sehr sentimentalen Reise“ in die Geschichte seiner Familie und damit auch in die Geschichte des jungen Nachkriegsdeutschlands.

Denn von 1949 bis 1952 war sein Vater John McCloy amerikanischer Hochkommissar und damit der ranghöchste Repräsentant der US-amerikanischen Regierung im damaligen West-Deutschland. Zusammen mit seiner Familie, seiner Frau Ellen und den beiden Kindern John und Ellen lebte der Hochkommissar damals in der Villa Hohenbuchen im Hardtwald. 70 Jahre ist es nun her, dass John McCloy II als Vierzehnjähriger zum letzten Mal in Bad Homburg gewesen ist.

„Ich habe so viele schöne Erinnerungen an diese Zeit“, sagt John McCloy in fließendem Deutsch. „Wir hatten dieses wundervolle Haus, den großen Garten und die vielen Tiere - das war nicht bloß ein Haus für uns, es war eine Heimat gewesen.“ Dafür habe vor allem auch das deutsche Personal wie Koch, Hausmädchen und Gärtner gesorgt: „Sie waren alle so unbeschreiblich freundlich und nett.“

Eine aufregende Kindheit

Großes Hobby der McCloys war das Reiten, und die Kinder wurden fast täglich nach Kronberg zu einem Reitstall gebracht. Zu Hause tobten sie mit den beiden Hunden Judy und Punch sowie mit ihrem Pony „Lausbub“, das sie von Dr. Bernhard Grzimek, dem damaligen Direktor des Frankfurter Zoos, geschenkt bekommen hatten. „Lausbub war wie ein Hund“, erinnert sich John McCloy II. „Es hat immer eine Tür offen gestanden, damit Lausbub ins Haus konnte. Am liebsten ging er in den ersten Stock. Aber er konnte nur die Treppe hinauflaufen und nicht wieder hinunter. Da musste er getragen werden!“ Und dann erzählt er, wie einmal Theodor Heuss, der erste deutsche Bundespräsident, zu Besuch ins Haus Hohenbuchen gekommen war, sich auf einen Sessel gesetzt hatte und mit einer Hand einen vermeintlich neben ihm liegenden Hund streichelte. Als dann ganz unerwartet ein Ponykopf neben ihm aufgetaucht sei, sei Heuss erschrocken von dem Sessel aufgesprungen.

Wie bereits in ihrem Heim in den USA gingen auch in Bad Homburg prominente Menschen in Haus Hohenbuchen ein und aus, in den meisten Fällen von der heimischen Bevölkerung unbemerkt. „Für uns Kinder war es völlig normal, dass Churchill, De Gaulle oder auch Künstler und Schauspieler bei uns zu Gast waren“, berichtet John McCloy II. So war die US-amerikanische Schauspielerin Jane Russel, die drei deutsche Waisenkinder adoptiert hatte, öfter zu Besuch in Bad Homburg, und auch Bundeskanzler Konrad Adenauer kam in die Villa im Hardtwald. Mit ihm ist John McCloy II über die deutschen Vorfahren seiner Mutter sogar verwandt.

An eine Begegnung mit einem prominenten Besucher seiner Eltern erinnert sich John McCloy II noch besonders gut. Er spielte damals in einem kleinen Gartenhäuschen mit seiner Modell-Eisenbahn, als die Tür aufging und General Dwight D. Eisenhower, der spätere Präsident der USA, zur Tür reinkam und sich voller Freude über die Modellbahn zu ihm gesellte und mitspielte. „Aber irgendwie hatte er es geschafft, dass schon bald nichts mehr funktionierte, und ich wurde furchtbar wütend“, erinnert sich John McCloy II schmunzelnd. Zum Glück rief in diesem Moment die Mutter: „Hast Du General Eisenhower gesehen?“ Eisenhower antwortete „I am here!“ und ging wieder zurück ins Haus.

Aber diese interessanten Seiten des Lebens im Hause des amerikanischen Hochkommissars hatten für die beiden Kinder auch ihre Schattenseiten. Zum einen hatten sie Privatunterricht. Dadurch konnten sie keine neuen Freunde kennenlernen und mussten in der ersten Zeit in Bad Homburg oft allein spielen. Hinzu kam, dass sie sich auch nur sehr selten allein außerhalb des Hauses und Gartens bewegen durften. Immer dabei: Der Sicherheitsbeamte George Muse, aus dessen Vor- und Nachnamen die Kinder den deutschen Spitznamen „Gemüse“ kreiert hatten.

Kinder litten unter Alleinsein

Als der Vater sah, wie sehr die Kinder unter dem Alleinsein litten, kaufte er ihnen eines Tages zwei Fahrräder und sagte: „Ihr dürft diese Räder acht Wochen behalten, danach müsst ihr mir sechs deutsche Freunde vorstellen!“ Auf die Antwort der Kinder, dass sie sich ja nicht mit den Deutschen fraternisieren, also verbrüdern dürften, sagte er: „Dieses Verbot ist ab heute aufgehoben.“ Trotzdem war es für John zunächst nicht leicht, einen anderen Jungen kennenzulernen. Diese Chance bot sich erst einige Zeit später im Kurpark. John hatte sich unter einen Baum gesetzt, als ein anderer Junge mit einem Drachen in seine Nähe kam. Der Drachen verfing sich in dem Baum und ging dabei kaputt. John kletterte sofort auf den Baum, holte den Drachen herunter und gab ihn dem Jungen zurück. Da der kein Englisch und John noch nicht genügend Deutsch sprach, gab er diesem zu verstehen, dass er mit ihm mitkommen solle, da er zu Hause einen Schreiner habe, der den Drachen reparieren könnte. Der Junge kam tatsächlich mit. So wurde Dieter Struve, der deutsche Junge aus dem Kurpark, sein erster und bester Freund in Bad Homburg und dessen Schwester die erste Freundin für Johns Schwester Ellen. Gemeinsam lernten sie in der nächsten Zeit viele andere Kinder kennen und hatten nicht nur Freunde gewonnen, sondern durften nach den acht Wochen natürlich auch die Fahrräder behalten.

Liebevolle Erinnerung an seinen Vater

John McCloy ist sich aber sicher, dass sie das sowieso gedurft hätten, dass ihnen ihr Vater mit dieser Aktion nur einen kleinen Schubs geben wollte. „Mein Vater war ein sehr fähiger und angesehener Mann, aber absolut am besten war er als Vater“, erinnert sich John McCloy II. „Immer wenn wir ihn brauchten, dann war er für uns da, und alles andere war ,second hand‘, unwichtig.“

Während seines jetzigen Aufenthaltes in Bad Homburg konnte John McCloy seinen 85. Geburtstag feiern. Sein Freund und Mit-Initiator des „John McCloy Transatlantic Forums“, der Bad Homburger Dr. Bernd A. Freiherr von Maltzan, hatte sich für diesen Tag etwas ganz Besonderes ausgedacht. Im Vorfeld hatte er die heutigen Besitzer des Hauses Hohenbuchen angefragt, ob die Familie McCloy mit einigen Freunden und Bekannten diesen besonderen Geburtstag in dem Haus verbringen dürften, was diese erlaubten und damit John McCloy und seiner Familie den Tag zu einem unvergesslichen Erlebnis machten.

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