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Das Miteinander hat Homburg geprägt

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Veronika Laperie (3. v. re) führte zu Orten, an denen unterschiedliche Religionen und Kulturen das Leben in der Stadt prägten. Die Synagoge in der Elisabethenstraße wurde während des Novemberpogroms 1938 in Brand gesteckt. Zuvor hatte in dem 1866 eingeweihten Gotteshaus über Jahrzehnte das jüdische Leben pulsiert.
Veronika Laperie (3. v. re) führte zu Orten, an denen unterschiedliche Religionen und Kulturen das Leben in der Stadt prägten. Die Synagoge in der Elisabethenstraße wurde während des Novemberpogroms 1938 in Brand gesteckt. Zuvor hatte in dem 1866 eingeweihten Gotteshaus über Jahrzehnte das jüdische Leben pulsiert. © KOB

Veronika Laperie führte zu Stätten des Zusammenlebens unterschiedlicher Kulturen und Religionen. Auch Flüchtlinge aus der Ukraine nahmen an dem Rundgang teil.

Bad Homburg -Willkommenskultur auf der einen Seite, Vorurteile gegenüber Flüchtlingen auf der anderen: Das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen hat in der Geschichte immer wieder zu Konflikten geführt und nicht zuletzt sind seit der großen Flüchtlingswelle 2015 die Themen "Multikulti" und Rassismus wieder aktueller denn je.

Um zu zeigen, dass das Nebeneinander verschiedener Kulturen auch eine große Bereicherung sein kann, hatte der Caritasverband Hochtaunus jetzt im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus zu drei Spaziergängen zu Orten in der Bad Homburger Innenstadt eingeladen, an denen das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen in der Kurstadt besonders deutlich wird.

Themen lebensnah aufgreifen

Die Idee zu diesen Spaziergängen war bereits im vergangenen Jahr geboren worden, als die Caritas im Rahmen der Interkulturellen Wochen im September eine Stadtführung unter dem Titel "Wir haben die Stadt gestaltet . . . Einwanderer aus allen Herrnländern in Bad Homburg" angeboten hatte. "Wir wollten einmal andere Wege gehen und an die sogenannten klassischen Themen wie Rassismus und multikulturelle Gesellschaft nicht nur fachlich herangehen, sondern lebensnah zeigen, wie verschiedene Religionen und Kulturen hier miteinander gelebt und die Stadt geprägt haben", beschreibt Martina Arndt, Einrichtungsleiterin der Caritas-Beratung und damit auch zuständig für die Migrationsberatung,

Als Stadtführerin hatte die Caritas wieder Veronika Laperie gewonnen, deren Muttersprache Russisch ist. So konnten zu den ersten beiden Führungen auch speziell die gerade erst angekommenen Flüchtlinge aus der Ukraine eingeladen werden. Und das Angebot hatte bei ihnen so große Resonanz gefunden, dass Veronika Laperie sogar spontan zwei Führungen hintereinander anbot.

"Wenn man an Angst vor dem Fremden denkt, muss man gar nicht erst an andere Länder oder Religionen und Kulturen denken", begann Laperie ihre Führung in der Dorotheenstraße. Noch vor gut zweihundert Jahren habe man aufgrund der damals existierenden Kleinstaaterei allein um nach Frankfurt zu kommen, mehrere Grenzen überwinden müssen und in jedem Kleinstaat wurde anders gelebt. Schon das habe oft Furchtsamkeit vor dem anderen ausgelöst, obwohl man ja im Grunde Nachbar gewesen sei. Erste Stationen der Führung waren die Jakobs- und die Erlöserkirche in der Dorotheenstraße. So fanden die Hugenotten, die als Glaubensflüchtlinge Ende des 17. Jahrhunderts aus Frankreich nach Homburg gekommen waren, in dem 1718 bis 1723 erbauten Gotteshauses auch eine religiöse Heimat. In der Erlöserkirche wies Veronika Laperie auf die verschiedenen Einflüsse in der Ausgestaltung des Innenraumes hin. Die byzantinische Bautradition, die hier ihren Widerhall findet, war auf Wunsch Kaiser Wilhelms II. entstanden und bietet seit dieser Zeit die Möglichkeit, sich gedanklich mit dieser Kultur zu beschäftigen.

Weitere Führungen könnten folgen

Weitere Anlaufpunkte waren das Sinclairhaus (von Sinclairs Vorfahren stammten aus Schottland) und die Zeder im Schlosspark, die an Landgräfin Elisabeth erinnert, die 1818 aus England an den Hof nach Homburg gekommen war. Mit ihr begannen nicht nur die intensiven britisch-hessischen Beziehungen, sondern sie legte mit ihren finanziellen Mitteln sowie ihrem Wirken den Grundstein für Homburg als aufstrebende Residenzstadt. Anschließend führte Laperie ihre Gruppe noch zur Russischen Kapelle und in die Elisabethenstraße zu den Gedenksteinen für die ehemalige Synagoge und verwies dort auf das damit verbundene jüdische Leben in Bad Homburg.

"Wegen der positiven Resonanz der Spaziergänge, überlegen wir, in der Zukunft eventuell noch weitere anzubieten", sagt Martina Arndt zum Abschluss der Führung. Ein Thema für den nächsten Rundgang könnte "Frauen" sein. Aber, so betont sie, die Führungen sollen nicht nur für bestimmte Zielgruppen, sondern für alle Interessierten angeboten werden.

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