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Liliane Roehrs liebte schnelle Autos

DDAC- Ehrenpräsidentin stellt Rennfahrerinnen-Legende vor

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Frauen geben Gas, heißt die aktuelle Ausstellung in der Central Garage in Bad Homburg. Eine von den schnellen Frauen war Liliane Roehrs. Über deren Leben und Verdienste für den Automobilsport berichtete jetzt die Ehrenpräsidentin des Deutschen Damen Automobilclubs (DDAC) Dr. Sylvia Thießen-Lüders.

Liliane Roehrs, die Frau des Hannoveraner Hanomag- und Adler-Vertreters Bobby Roehrs, liebte schnelle Autos und bot bei Rennen schon früh den Herren der Schöpfung Paroli. Auch bei der internationalen Alpenfahrt 1928 zeigte sie der männlichen Konkurrenz nur den Rücken.

„Die war richtig gut“, sagte Dr. Sylvia Thießen-Lüders über Roehrs. Roehrs war in den 1920er Jahren eine der erfolgreichsten Rennfahrerinnen Deutschlands und Mitbegründerin des Deutschen Damen Automobilclubs (DDAC). Als eine der Nachfolgerinnen im Amt der DDAC-Präsidentin gab die Bad Sodenerin in einem Vortrag in der Central Garage in Bad Homburg Einblicke in das Leben von Liliane Roehrs und darüber wie früher Autorennen organisiert werden.

Selbst ein schwerer Unfall 1928 beim Hainberg-Rennen in Göttingen warf die ehrgeizige und wagemutige Fahrerin nicht aus der Bahn. Im offenen Wagen ohne Dach, die Fahrer trugen damals keine Sturzhelme sondern nur leichte Kopfbedeckungen, hatte sie zu stark gebremst und sich samt Auto überschlagen. Kaum wieder gesund, machte sie sich an die Vorbereitungen für die fünf Etappen der 1761,6 Kilometer langen Alpenfahrt.

Die damalige Höchstgeschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde in den kurvigen Bergen auf Straßen wie Feldwegen war selbst der Referentin ein Rätsel. „Unsere heutigen Orientierungsfahrten sind dagegen ein Klacks.“ Eine extra Damenklasse gab es erst 1953. Noch 1950 hatte Roehrs als 50-Jährige die Goldmedaille bei der Deutschlandfahrt gewonnen. Wer ihre Beifahrerinnen waren, geht aus den Unterlagen nicht hervor.

Roehrs übernahm die DDAC- Präsidentschaft 1946 und blieb bis 1973 an der Spitze. Bis 1970 organisierte sie 19 deutsche Damenrallyes. „Die waren damals gesellschaftliche Ereignisse“, so Dr. Thießen-Lüders. „Nach zwölf Stunden im Auto ging es unter die Dusche, zum Friseur, zum Empfang und zum Ball“, skizzierte sie den Ablauf.

DDAC-Ehrenpräsidentin Thießen-Lüders hat Liliane Roehrs nie kennengelernt. „Sie soll sehr forsch und bestimmend gewesen sein.“ Die Pokale, die sich Roehrs damals erfahren hat, gibt es heute als Preise zu gewinnen. Geblieben ist auch der Anspruch der Damen. „Wir sind kein Kaffeeclub sondern ein sportlicher Club mit festen Regeln“, machte die Referentin deutlich.

Wer aus rund 100 Jahren Automobilgeschichte mehr wissen will über mutige Frauen, die sich ans Steuer wagten, kann in der Central Garage in Bad Homburg, Niederstedter Weg 5, noch bis Mitte Oktober die Ausstellung besuchen. Sie ist mittwochs bis sonntags von 12 bis 16.30 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Weitere Infos finden sich online unter .

(evk)

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